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Konzerne ernten
Rekordgewinne - und streichen Stellen. Die
30 größten Aktiengesellschaften Deutschlands
konnten ihre Gewinne im Jahr 2004 auf 35,7
Milliarden Euro nahezu verdoppeln, trotzdem
wurden im vergangenen Jahr über 35.000
Stellen bundesweit gestrichen und die
Konzerne sehen keinen Grund den weiteren
Abbau zu stoppen. 25.03.05, dpa, stern,
handelsblatt, RP Online, AFP, dpa, ap
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Arbeitsproduktivität 22,7 %
gestiegen seit 1991
Wie das Statistische Bundesamt (Destatis)
mitteilt, erhöhte sich die
Arbeitsproduktivität je Erwerbstätigenstunde
sogar um 34,8 %. Ursache dafür ist, dass
sich in den letzten 20 Jahren die in
Deutschland je Erwerbstätigen
durchschnittlich geleisteten Arbeitsstunden
um 9,0 % verringert haben. Die
gesamtwirtschaftliche Arbeitsproduktivität
wird als Quotient aus preisbereinigtem
Bruttoinlandsprodukt und Erwerbstätigen
bzw. Erwerbstätigenstunden berechnet.
Destatis-Pressemitteilung
149/2012
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Typische
Jobwunder Propaganda:
41,8 Mio Erwerbstätige - so viele wie noch
nie
2.1.2014. Im vergangenen Jahr haben 41,8
Millionen Erwerbstätige, davon 37,3
Millionen Arbeitnehmer
(einschliesslich Beamte und Soldaten) in Deutschland einen Job gehabt,
so viele wie noch nie zuvor. Damit erreichte
die Zahl der Erwerbstätigen das siebte Jahr
in Folge einen neuen Höchststand, wie das
Statistische Bundesamt nach vorläufigen
Berechnungen mitteilte.
Die Welt
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Eine ältere Dame sitzt vor einem
Behördenmitarbeiter, der offenbar ihre
Renten- oder Sozialansprüche prüft. Sie
schildert ihm ihr Leben mit den Worten:
„Erst habe ich meine Kinder groß gezogen,
dann die Enkel, dann habe ich mich um
Obdachlose und Arme gekümmert und habe
meinen alten Vater bis zuletzt gepflegt“.
Daraufhin stellt der Behördenmitarbeiter
kurz und knapp fest: „Sie haben also nicht
gearbeitet“.
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Offene Stellen - Wundersame
Stellenvermehrung
"Die wundersame Stellenvermehrung gibt
es tatsächlich: Die entsteht dadurch, dass
Firmen bei Zeitarbeitsfirmen Angebote
einholen, worauf diese Stellenanzeigen
schalten. Da kommen dann schnell auf eine
Anfrage 5 Stellenangebote im System der BA
auf. Ohne Garantie, dass auch nur einer
nachher tatsächlich beschäftigt wird. Es
gibt überhaupt keine brauchbare Abschätzung
des realistischen Beschäftigungspotentials
in Deutschland." Focus-Leserkommentar
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Datenreport 2013
Steigende
Armut im Jobwunderland
41,5 Millionen Menschen hatten 2012 einen
Job - so viel wie nie zuvor. Trotz des
Beschäftigungsbooms sind heute in
Deutschland mehr Menschen von Armut bedroht.
Das ist das Fazit des "Datenreports 2013"
zur sozialen Lage in D., gemeinsam erstellt
von Destatis, BpB, WZB und SOEP. Das Bild
der Lage am Arbeitsmarkt relativiert sich,
wenn man auch das Arbeitsvolumen, also die
geleisteten Arbeitsstunden, betrachtet.
Dieses Arbeitsvolumen war nämlich 2012
niedriger als 1991. Die Beschäftigten
leisteten im Durchschnitt über die Jahre
immer weniger Arbeitsstunden. Deutlich
zugenommen hat die sogenannte atypische
Beschäftigung, also
Beschäftigungsverhältnisse, die keine
Vollarbeit bedeuten, zum Beispiel befristete
Beschäftigung, Teilzeitbeschäftigung unter
21 Wochenstunden, geringfügige Beschäftigung
sowie Zeit- und Leiharbeit. So waren im Jahr
2012 insgesamt 22 Prozent der Erwerbstätigen
atypisch beschäftigt... Quelle
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36 %
Neueinstellungen 2011 in Teilzeit
36 % aller Neueinstellungen in
der Dienstleistung sind
Teilzeitbeschäftigungen. Teilzeitkräfte
werden häufig unter Qualifikation
eingestellt. Sie ist öfter befristet
als Vollzeit. Teilzeitarbeit führt häufig zu
geringem Einkommen, Nachteilen bei
der Karriere und einer
unzureichende Absicherung gegen Altersarmut.
Quelle: IAB
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Jeder elfte Beschäftigte hat
einen Zweitjob
Febr.2014. Bei immer mehr Deutschen reicht
das Geld aus dem Hauptberuf nicht aus - sie
verdienen sich noch etwas hinzu. In den
letzten zehn Jahren hat sich der Anteil der
Arbeitnehmer mit Zweitjob
verdoppelt. Im Juni 2013 hatten 2,62
Mio Beschäftigte zusätzlich einen Minijob,
das war jeder 11. Arbeitnehmer. Ergebnis der
Stellungnahme der Bundesregierung zur
Anfrage der Grünen Pothmer. MdB Pothmer
forderte, den Mindestlohn von 8,50 Euro auch
auf die Minijobs zu erstrecken. „Eine
Ausnahme würde die Schwächsten treffen, die
den gesetzlichen Schutz vor Lohndumping am
nötigsten haben.“ Quellen: FR WiWo
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Leiharbeit? - Es geht noch
billiger
Die Regeln der Leiharbeit sind strenger
geworden. Am 9.9.2011 fand eine Tagung des
ZAAR statt mit dem Titel “Freie
Industriedienstleistung als Alternative zur
regulierten Zeitarbeit”. Erkenntnis: “Chance
besteht, den arbeitsrechtlichen Regelungen
der Zeitarbeit zu entfliehen”. Siemens,
BASF, die Deutsche Bahn, Porsche, BMW,
Robert Bosch und die Metro AG, sie alle
hatten sich für diese Tagung
angemeldet, ebenso wie Randstad,
Manpower und der KPMG. Der Andrang im
Holiday Inn ist groß. Weitere Vorzüge der
Werkverträge: Grundsatz des Equal Pay, also
gleicher Lohn für gleiche Arbeit, solange
kein Tarifvertrag etwas anderes vorsieht,
gelte nur für Leiharbeiter, nicht aber für
Werkvertragler. Auf eine Anfrage der
Linken-Fraktion im Bundestag, die eine
Ausweitung der verschärften
Leiharbeitsgesetze auch für Werkverträge
fordert, die Bundesregierung kurz
angebunden: "Kein Handlungsbedarf".
Quelle
ZEIT
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Staatliche Hilfe nur für
Bedürftige?
Auch im Frühjahr 2010 zerbrechen sich
Wirtschaftsvertreter, FDP- und
CDUCSU-Politiker den Kopf wie das Geld der
Besserverdiener vor dem gierigen Zugriff von
"Hartz IV-Trinkern und -Rauchern" geschützt
werden kann. Es gipfelt in Vorschlägen für
deren bedürftigen "Hartz4-Kinder" Gutscheine
auszugeben. Es scheint ein wesentlich
wirksamerer Weg zu sein, den Kindern von
Besserverdienern, Millionären und
Milliardären aus grundrechtlicher
Gleichbehandlungspflicht - so die Begründung
für steuerliche Freibeträge und
Kindergeld-Bezug für Reiche - ihren
Gerechtigkeitsansprüchen auf ebenfalls
staatlicher Hilfe mit ebensolchen
Gutscheinen zu genügen: Gutscheine für
Millionärskinder statt Steuer-Freibeträge.
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Der Staat aber ist arm –
gleichzeitig wächst der private
Spitzenreichtum in horrender Weise. Die
Diskrepanz wird immer krasser, mit allen
Gefahren, die für den inneren Zusammenhalt
der Gesellschaft daraus erwachsen. Wer daher
Überlegungen dazu, wie sich der Staat die
Reichtumsexplosion nutzbar machen kann, als
„Neiddebatte“ abtut, ist albern. Reichtum
ist eine Annehmlichkeit, die jedem gegönnt
sei; aber Reichtum wird unsozial, wenn er
zum volkswirtschaftlichen und
gesellschaftspolitischen Problem wird.
Zur Quelle
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Armut durch Multis - Beispiel
Nigeria
Nigeria ist der achtgrößte Erdöl-Produzent
der Welt, gleichzeitig ist es eines der
ärmsten Länder. Konzerne wie Shell, Texaco,
Elf usw., die diese Riesenschätze ausbeuten,
halten sich seit 1962 abwechselnde
Militärdiktaturen. Die demokratische Fassade
verdeckt die totale Korruption. Das Treiben
der so genannten Elite in Nigeria, ob
christlich oder muslimisch , ist
unentschuldbar wegen ihrer Plünderung der
Staatskassen, wegen ihrer zynischen,
korrupten Herrschaftsausübung. Aber
andererseits ist das Primärphänomen hinter
der Korruption die Ausbeutung der
afrikanischen Bodenschätze durch die
multinationalen Unternehmen. Die
funktionieren nach dem
Profitmaximierungsprinzip; sie sind nicht
dazu da, den Hunger in Nigeria zu bekämpfen.
Letztes Jahr haben 500 der größten
transkontinentalen Privatkonzerne zusammen
53,8 % des Welt-Bruttosozialproduktes
kontrolliert. Das sind alle in einem Jahr
auf der Welt produzierten Kapitalien
einschließlich Dienstleistungen, Waren und
Patente. Diese Konzerne verfügen über eine
Macht, die kein Kaiser, König oder Papst
jemals in der Geschichte zuvor gehabt hat.
Und sie sind primär verantwortlich für die
total kannibalistische Weltordnung. Nur die
Weltgemeinschaft kann diese hemmungslose
Ausbeutung unterbinden und muss endlich den
Willen aufbringen zu handeln.
Quelle Wie das Hungerproblem
lösen Jean
Ziegler
Weiterer
Artikel zur gleichen Thematik
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Lohnnebenkosten
Die Lohnnebenkosten seien zu hoch. Deutsche
Produkte seien nicht mehr konkurrenzfähig,
wenn die Lohn - Nebenkosten nicht gesenkt
werden. So begründen das
Wirtschaftsfunktionäre, Unternehmer,
Politiker,allen voran Bundeskanzlerin
Merkel, Horst Köhler und viele, viele mehr.
Trotzdem ist es nicht richtig! Statt von
Lohnnebenkosten sprechen wir lieber von
Sozialkosten. Beiträge in die Arbeitslosen-,
Kranken- und Rentenversicherung dienen
unserer Existenzsicherung, um Not und Armut
zu vermeiden. Das sind bestimmt keine
Nebenkosten, die mal eben gekürzt oder
gestrichen werden können, wie der Begriff
„Nebenkosten“ wohl suggerieren soll.
Unser hoher Anteil belegt unsere
hervorragende internationale
Konkurrenzfähigkeit. Bei allem hinlänglich
bekannten Gejammer der Unternehmer,
besonders zu Zeiten auslaufender
Tarifverträge, ist unübersehbar, dass
heimische Produkte seit Jahrzehnten bis
heute einen oberen Platz in der Export -
Weltrangliste sichern. Wir sollten uns nicht
Glauben machen lassen, der Weltuntergang sei
nahe, wenn andere Länder auch einmal mit dem
einen oder anderen Produkt bessere Geschäfte
machen.
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Billiglöhne und
Lohnsenkungen
Politik und Wirtschaft wollen "hohe Löhne"
senken, um "Arbeitsplätze zu schaffen".
Doch in Ländern mit niedrigeren Löhnen
besteht ebenfalls hohe Arbeitslosigkeit. Und
in den vielbeschworenen Billiglohnländern,
auch im Osten: Zusätzlich zu bitterster
Armut noch höhere Arbeitslosigkeit. Mit
1Euro-Jobs, oder mit "konkurrenzfähigen
Einkommen auf dem Niveau von
Billiglohnländern", kann in Deutschland
niemand seinen Lebensunterhalt bestreiten
und schon gar nicht seine Familie ernähren.
Armut und der wirtchaftliche Kollaps
Deutschlands mit noch höherer
Arbeitslosigkeit wären zwangsläufig. Die
typische Struktur, wie wir sie aus den armen
Ländern kennen: Eine kleine Schicht der
Superreichen, auf der anderen Seite ein Volk
in tiefster Armut.
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Der Arbeitsgesellschaft geht die
Arbeit aus: Der Wahrheit ins Gesicht sehen
Alle bisherigen Versuche, die seit fast zwei
Generationen in unserem Lande herrschende
Massenarbeitslosigkeit zu lindern oder gar
zu beseitigen, sind mehr oder weniger
deutlich gescheitert. Die herrschenden
Eliten in Politik, Ökonomie und Ökonomik
haben in fast 30 Jahren eine nahezu
pathologische Fähigkeit entwickelt,
statistische Realitäten über die Entwicklung
des gesamten volkswirtschaftlichen
Arbeitsvolumens und seine Beziehung zum
wirtschaftlichen Wachstum und zur
technologischen Rationalisierung zu
ignorieren und aus allen Erwägungen zur
Verringerung der Arbeitslosigkeit
systematisch auszuklammern.
Quelle: arbeitneudenken
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Länder verlangen Ende der Lohndiskriminierung 26.6.2012 Die
Gleichstellungs- und
Frauenministerinnenkonferenz hat auf der
zweitägigen Konferenz am 14. und 15. Juni in
Nürnberg die Bundesregierung aufgefordert,
geeignete Maßnahmen sowohl gesetzlicher als
auch nicht gesetzlicher Art zu entwickeln,
um die Entgeltdiskriminierung zu beenden.
Die unbereinigte Entgeltlücke zwischen
Frauen- und Männergehälter beträgt in der
Bundesrepublik Deutschland 23 Prozent.
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Rettungspaket für Zypern?
Staatsgeheimnis
Bankenrettung
Mit dem 10 Milliarden EU-Rettungspaket
für Zypern wird endlich öffentlich
eingeräumt, dass die EU-Rettungsschirmgelder
nicht Zypern und seinen Bürgern zukommen,
sondern zur "Bankenrettung" verwendet
werden. Um "Bankenrettung" ging es auch bei
früheren Rettungspaketen, ob Irland,
Spanien, Portugal oder Griechenland. Auch
dort wurden mit Hilfe des
EU-Rettungsschirm-Kredits alle ausländischen
Gläubiger bedingungslos freigekauft, obwohl
sie einfach nur schlecht investiert hatten.
Schon in mindestens 52 Fällen haben Europas
Regierungen von Insolvenz bedrohte Banken
mit Staatsgeld gestützt und deren
Kreditgeber so vor Verlusten bewahrt. Darum
mussten sich Irland, Spanien, Griechenland
und Portugal gut 150 Milliarden Euro beim
Rettungsschirm der Euro-Zone und dem IWF
leihen. Wer sind die Gläubiger, die
ausbezahlt werden? Warum müssen sie
nirgendwo selbst die Verluste aus ihren
Fehlinvestitionen tragen, so wie es sonst
bei jedem anderen Pleiteunternehmen üblich
ist? Wer mit diesen Fragen durch Europa
reist, der macht erstaunliche Erfahrungen.
Als handele es sich um ein Staatsgeheimnis,
verweigern alle Verantwortlichen die
konkrete Auskunft... Mehr
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Leben mit abnehmender Erwerbstätigkeit,
heute und morgen.
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In den 20 größten
Volkswirtschaften der Welt wurden zwischen
1995 und 2002 in der Produktion 31 Mio
Stellen gestrichen. Im gleichen Zeitraum
verlor China über 15 Millionen
Fabrikarbeitsplätze.
"Das Ende der Arbeit und ihre Zukunft"
Jeremy Rifkin, 2005.
Die Arbeit wird stetig weniger durch
steigende Produktivität infolge des
technischen Fortschritts. Der Ersatz
menschlicher Arbeit - und damit der
Erwerbstätigkeit - durch steigende
Produktivität nimmt in der Zukunft noch
stärker zu. Immer leistungsfähigere Software
ersetzt zunehmend auch höher qualifizierte
Beschäftigte.
Wie lange es bis zum globalen "Ende der
Arbeit" dauern kann, sei dahingestellt. Wir
leben in der Zeit des Umbruches, der ständigen
Abnahme der Erwerbstätigkeit. Die Zukunft der Arbeit hat bereits begonnen.
Siehe
auch Globale
Arbeitslosigkeit.
Für diese Übergangs-Phase brauchen wir zur
Überwindung der Erwerbskrise zuallererst
wirksame und nachhaltige Lösungen. Sie
bereiten den sozialverträglichen Weg in eine
gesicherte Zukunft, in der Arbeit als
Existenzgrundlage ihre heutige Bedeutung
verloren hat.
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Seit
Jahren versuchen Wirtschaft und einvernehmliche
Parteipolitik die abnehmende
Erwerbstätigkeit
aus der öffentlichen Diskussion herauszuhalten.
Mit
breitangelegten Propaganda-Aktionen, um 2010 mit
Jobwunder, danach
mit Fachkräftemangel
wird
die tatsächliche Arbeitsmarktsituation in
Deutschland ausgeblendet.
INHALTSVERZEICHNIS
Zukunft der Arbeit -
Zusammenfassung (PDF)
Sonderseiten zu
speziellen Themen Letzte
Bearb.9/23
1 Wir
leben in einer Erwerbskrise, wie kann sie
überwunden werden?
1.1
Arbeitslosigkeit und
prekäre Beschäftigung - soziales Hauptproblem in
Deutschland.
1.2
Arbeitslosen-Statistik
und Arbeitsmarktrealität
Letzte Bearb.2/21.
1.3 Zur Situation von Hartz
IV Empfängern
2 Wir
erwirtschaften genug für alle - es geht um
Verteilung
2.1
Teilhabe für alle
2.2
Der Reichtum der
Bundesrepublik
2.3 Umverteilung 1980 bis
heute - "Lambsdorff-Papier" und "Diktat der leeren
Kassen"
3 Maßnahmen
zur Überwindung der Erwerbskrise - Notwendige
Regelungseingriffe Letzte
Bearb.07/18
3.1 Steuer- und Finanzpolitik:
Handlungsfähigkeit des Staates wieder herstellen
3.1.1 Angemessene Besteuerung
von Unternehmensgewinnen und Vermögen
3.1.1.1 Steuerreform -
Steuergerechtigkeit herstellen
3.1.1.2 Vollzugsdefizite
beseitigen
3.1.1.3 Steuerhinterziehung
bekämpfen
3.1.2 Wirtschafts-Subventionen
abbauen
3.1.3 Einführung einer
Wertschöpfungsabgabe
3.1.4 Finanzmärkte regulieren
3.2 Arbeitszeitverkürzung
3.3 Mindestlöhne
flächendeckend - Arbeit muss sich wieder lohnen
3.4 Staatliche Maßnahmen
3.4.1 Arbeitsplätze schaffen
durch öffentliche Aufträge
3.4.2 Personalbedarf anpassen
im öffentlichen Dienst
3.4.3 Unterbezahlte Arbeit
und private Leiharbeit minimieren
3.4.4 Staat als Miteigentümer
3.4.5 Staat als Vorreiter
3.5 Soziale Sicherung
zukunftssicher gestalten
3.6 Internationale Regelungen
4 Ursachen
der Massenarbeitslosigkeit - Was muss geändert
werden
4.1 Lohn und Lohnnebenkosten
- Scheinlösung Billiglöhne
4.2 Längere Arbeitszeit?
4.3 Globalisierung
4.4 Technischer Fortschritt -
Steigende Produktivität
4.5 Erwerbsbeteiligung von
Ausländern - Zuwanderung
4.6 Erwerbsbeteiligung von
Frauen
4.7 Schwarzarbeit
4.8 Steuer- und Finanzpolitik
4.9 Finanzkrisen
4.9.1 Internationale Finanzmarktkrise
- Ursachen und Konsequenzen
4.9.2 EU-Schuldenkrise
5 Folgewirkungen
der Massenarbeitslosigkeit
6 Ausblick -
Wirtschaftliche und gesellschaftliche
Entwicklungen
7 Umsetzung
- Ideen gibt es viele, aber wie realisieren
Sonderseiten zu speziellen Themen
Angela Merkel und die
Flüchtlingsprobleme 2017
Arbeitskräfte aus den
EU-Ländern
Einkommens-Umverteilung
1980 bis heute - "Lambsdorff-Papier" und "Diktat der
leeren Kassen"
EU-Schuldenkrise
Fachkräftemangel trotz
Massenarbeitslosigkeit?
(letzte Bearb.09/23)
Finanzmarktkrise kompakt -
Zusammenfassung
Finanzmarktkrise - Ursachen
und Folgen (Langfassung)
Flick Affäre
Geld ist vorhanden - aber
unsozial verteilt
Zum Beispiel
"Gesundheitsprämie" - Merkel BTW 2005
Gesundheitsreformen unter
Kohl 1982-1998
Gesundheitsreformen unter
Schröder 1998-2005
Gesundheitsreformen unter
Merkel 2005 bis heute
Globale Arbeitslosigkeit
Koalitionsvertrag 2013
schlimmer als 2005
Mehr statt weniger Staat -
Vom Vorrang öffentlicher Beschäftigung
Privatisierung öffentlicher
Einrichtungen ÖPP/PPP - CBL - TiSA
Die Reichensteuer ist
lächerlich - Offener Brief
Sozialabbau unter Kohl
1982-1998
Sozialabbau unter Schröder
1998-2005
Sozialabbau und
Umverteilung unter Merkel 2002/2005 bis heute
Zuwanderung und
Arbeitsmarkt (letzte
Bearb.09/23)
Schräges und Anderes - von
Politikern und Menschen
Zurück zum Inhaltsverzeichnis
Kap.1 Wir
leben in einer Erwerbskrise, wie kann sie überwunden
werden?
1.1 Massenarbeitslosigkeit und
prekäre Beschäftigung ist das soziale
Hauptproblem.
Die anhaltende Massenarbeitslosigkeit und weiter
steigende prekäre Beschäftigung ist die
drängendste politische, wirtschaftliche und soziale
Herausforderung in Deutschland.
Massenarbeitslosigkeit und prekäre Beschäftigung
bedrohen unsere Existenzgrundlage. Sie hat
bereits Millionen Menschen in die Armut getrieben.
Seit über 30 Jahren verursacht sie millionenfache
Einkommenseinbußen und gebrochene Erwerbsbiografien.
Die Kinderarmut hat in unserem Land, einem der
reichsten der Welt, stark zugenommen. Stark zunehmende
Altersarmut ist vorprogrammiert. Erwerbstätigkeit ist
Lebens- und Existenzgrundlage fast aller. Ihr Verlust
lässt Menschen und Familien zerbrechen; bedroht und
zerstört das Selbstwertgefühl von Millionen Menschen,
die sich und ihren Familien ein angemessenes und
gesichertes Leben erarbeiten wollen und nicht können,
weil nicht genügend anständig bezahlte Arbeitsplätze
zur Verfügung stehen.
Massenarbeitslosigkeit und
prekäre Beschäftigung untergraben die finanzielle
Basis des Sozialstaats. Steuereinnahmen sinken
oder fallen ganz weg. Die Kosten der sozialen Hilfe
und staatliche Ersatzleistungen für die
Sozialversicherung steigen. Sie führt bei der
Sozialversicherung zu drastischen Einnahmeausfällen
und verursacht zusätzliche Kosten für
Arbeitslosenunterstützung und Sozialhilfe. Geringere
und ganz wegfallende Einnahmen und steigende Ausgaben
führen zu Beitragserhöhungen. In Folge der
millionenfachen Arbeitslosigkeit nehmen auch
psychische Erkrankungen immer mehr zu und belasten die
Krankenversicherungen zusätzlich. Ein weiteres
Problem, das der sozialen Sicherung - dem Sozialstaat
- zu schaffen macht, ist die Tendenz zur Auflösung des
Normalarbeitsverhältnisses, die mehr und mehr zu
beobachten ist und die Beitragsbasis erodiert. Statt
unbefristeter und dauerhafter Beschäftigung werden
befristete Beschäftigungsverhältnisse geboten, statt
Vollzeitarbeit Teilzeitarbeit und statt Teilzeitarbeit
geringfügige Beschäftigungsverhältnisse, die nicht
versicherungspflichtig sind.
Demographisches
Renten-Problem?
Mit vielen "Reformen" wurden
die Probleme vergrößert. Mit den „Rentenreformen“ ab
1992 - ganz besonders die Riester-Reform - wurden
massive Leistungsreduzierungen, Eingriffe in die
Rentenanpassung und Rentenniveau-Senkungen durch
zahllose Gesetzesänderungen von den bisherigen
Regierungsparteien, Schwarz-Gelb-Rot-Grün,
beschlossen. Das Ergebnis: Die GRV kann - trotz
Rentenbeiträgen auf hohem Niveau - Altersarmut künftig
nicht mehr vermeiden. Als Begründung wurde in der
öffentlichen Darstellung der "demographische Wandel
mit dramatischen Auswirkungen" ab etwa den 2040er
Jahren beschworen. Diese Prognosen - grundsätzlich
möglich - sind in ihrer Auswirkung jedoch dramatisch
überzeichnet.
In der
"Demographie-Debatte" meist unterschlagen:
Der Anteil der alten
Menschen wird wieder sinken, sobald die
geburtenschwachen Jahrgänge ins Rentenalter
kommen.
In
Wirklichkeit sind die Renten nicht sicher, weil in
den letzten 30 Jahren Millionen Arbeitsplätze
abgebaut oder prekarisiert wurden, deshalb zu wenig
Rentenbeiträge gezahlt werden (und weil die
gesetzliche Rentenversicherung, anders als die berufsständischen
Rentenversicherungen , mit milliardenhohen versicherungsfremden
Leistungen belastet wird). Wären
weiterhin so viele Babys geboren worden wie bis zum
"Pillenknick", hätten wir heute vielleicht 20
Millionen statt 8 Millionen Arbeitssuchende und keinen
Cent mehr in der Rentenkasse. Erwerbsfähig im
demographischen Sinne ist jeder Mensch zwischen 18 und
65, erwerbstätig oder gar sozialversicherungspflichtig
beschäftigt ist er damit noch lange nicht. Wir haben
einen beträchtlichen Mangel an Steuer und
Sozialbeiträge leistenden Erwerbstätigen. Wäre die
rein biologische Betrachtungsweise richtig, müßten
alle Entwicklungs- und Schwellenländer mit ihren
phantastischen Geburtenzahlen und prächtigen
Alterspyramiden glänzend finanzierte soziale
Sicherungssysteme haben. Das ist offensichtlich
nicht der Fall und widerlegt die Demographie-Debatte,
der sich inzwischen fast alle Politiker virtuos
bedienen.
Die Alterung der
Gesellschaft kann bewältigt werden durch den
Abbau der Arbeitslosigkeit, normaler Entlohnung und
angemessener Teilhabe an den Produktivitätsgewinnen.
Hintergrund-Informationen
auf Rentenreform-Alternative.
Der Abbau von Normalarbeitsplätzen wird ebenso
politisch gefördert wie die Belastung der
Sozialsysteme durch Fremdleistungen, Aushöhlung
des Solidarprinzips durch Bonusprämien, Kopfpauschale,
Begrenzung der Arbeitgeberanteile und daraus
resultierender höherer Arbeitnehmeranteile der
Versicherten. Die zusätzlich erforderliche
Privatversicherung (Riesterrente) zur gesetzlichen
Rentenversicherung kann von Geringverdienern, bei
prekärer Beschäftigung, häufiger Arbeitslosigkeit
meist nicht erbracht werden. Über 600 Milliarden Euro betragen
die versicherungsfremden
Leistungen, die statt aus dem
Bundeshaushalt aus der Rentenkasse finanziert wurden,
allein in der Rentenversicherung seit 1957 bis heute.
Weil die Finanzierung dieser
"versicherungsfremden / nicht beitragsgedeckten
Leistungen" durch den Bund nicht vollständig
ausgeglichen wird, mussten die Beitragssätze zu den
Sozialversicherungen mehrfach angehoben werden.
Mit all diesen, bisher gescheiterten und auch künftig
zum Scheitern vorprogrammierten, Maßnahmen will
Politik und Wirtschaft die seit über 30 Jahren
andauernde und steigende Massenarbeitslosigkeit
bezahlbar machen. Nicht der Sozialstaat ist zu teuer,
sondern die Arbeitslosigkeit und ihre Folgekosten.
Massenarbeitslosigkeit und prekäre Beschäftigung ist
die teuerste Art der Arbeitszeitverkürzung.
Massenarbeitslosigkeit und zunehmende prekäre
Beschäftigung - Wurzel allen Übels. Nur mit
diesem Hintergrund sind Belegschaften erpressbar,
Löhne kürzbar, Arbeitszeitverlängerungen erzwingbar,
der Abbau von Schutzregelungen und Sozialleistungen
möglich. Fakt ist, alle bisherigen politischen Ansätze
sind mehr oder weniger kläglich gescheitert. Ein
nachhaltiger Ansatz unserer Regierung die
katastrophale Massenarbeitslosigkeit zu überwinden ist
auch derzeit nicht erkennbar.
Konnte in über dreißig langen Jahren wirklich keine
nachhaltige Lösung gefunden und realisiert werden?
Kaum zu glauben! Siehe Vom Vorrang öffentlicher
Beschäftigung und Kap.3.4 Staatliche
Maßnahmen.
Die Erwerbstätigkeit, mit der wir unseren
Lebensunterhalt bestreiten, wird weniger.
Im Nov.2013 würden
31,8 Mio. Erwerbstätige in Vollzeit (40 Std-Woche) zur
Bewältigung des Arbeitsvolumens ausreichen, so dass
ca. 13 Mio. Menschen von offener Arbeitslosigkeit
betroffen wären. Erkauft wurde die als
"Jobwunder" titulierte Erwerbstätigenzunahme
allerdings durch millionenfache prekäre Beschäftigung,
die keine eigenständige Existenzsicherung bietet. Die
Regierung subventioniert den Niedriglohnbereich,
anstatt mit diesen Haushalts-Milliarden selber
Arbeitsplätze bereit zu stellen.
Die Einflüsse des seit 1960 bis heute
sinkenden gesamten Arbeitsvolumen in Deutschland sind
vielfältig, wie nachfolgend dargestellt. Hauptursache
ist sicher der technische Fortschritt und die
"steigende Produktivität". Die zunehmende Substitution
von menschlicher Erwerbsarbeit durch maschinelle
Arbeit von Automaten und Computern wurde bereits 1995
für die letzten 20 Jahre von dem US-amerikanischen
Soziologen und Ökonomen Jeremy Rifkin* in
Studien dargelegt und verstärkte Effekte für die
Folgezeit extrapoliert. Bis zum "Ende der Arbeit", in
dem die menschliche Arbeit nahezu vollständig durch
technische Einrichtungen und Prozesse ersetzt ist,
scheint es allerdings noch ein längerer Weg. Bis dahin
sind noch viele Anpassungsprozesse erforderlich. Nicht
nur in den industrialisierten Ländern, sondern auf der
gesamten Welt. Und bis dahin gibt es noch viel zu tun.
Wir leben jedoch bereits im Anpassungsprozess "mit
immer weniger Arbeit zu leben". Die Zukunft hat
bereits begonnen. Leider "it's not very amusing": Mit
Maßnahmen gegen "zu hohe Lohn/Nebenkosten" und gegen
einem "zu teueren sozialen Netz" glaubt Politik und
Wirtschaft Arbeitslosigkeit finanzierbar machen
zu können.
In der öffentlichen Diskussion werden die wesentlichen Ursachen von
Massenarbeitslosigkeit und prekärer Beschäftigung
offensichtlich ausgeblendet. Kein Thema für Politiker?
Selbst in den vielen TV-Shows, Dokumentationen
und TV-Diskussionsrunden scheinen sie nicht wirklich
ein Thema zu sein. Ihre Kenntnis ist aber
Voraussetzung, um zu wirksamen und nachhaltigen
Lösungen zu gelangen.
Ist die heutige Entwicklung zwangsläufig und auch für
die Zukunft unvermeidbar?
Um es vorweg zu nehmen: Ganz sicher nicht! Wie
nachfolgend ausführlich begründet.
1.2 Arbeitslosen-Statistik
und Arbeitsmarkt-Realität Aktual.02/14,
gilt beispielhaft auch für Folgejahre!
Zur laufend aktualisierten Statistik
der tatsächlichen Arbeitslosenzahlen
O-Ton Arbeitsmarkt -
Menschen ohne Arbeit
Anfang 2010 erzählte eine Bekannte, die sich wegen
drohender Entlassungen ihrer schwächelnden Firma
vorsorglich bei einem anderen Betrieb bewarb, dass sie
gar keine Antwort auf ihr Bewerbungsschreiben erhielt.
Nach einer Weile erkundigte sie sich telefonisch nach
den Gründen und erhielt von der Personalstelle die
Antwort: "Wir haben auf unser Stellenangebot 850
Bewerbungsschreiben (gegenüber offiziellem
Durchschnitt von 13 Bewerbungen) erhalten und
sehen uns außerstande alle zu beantworten".
Im Februar 2010 ergibt sich aus der
BA-Statistik: 3,6 Mio Arbeitslose. (267000 gemeldete
Stellen).
Im Dez. 2013, 4 J. später, nach BA-Statistik: 2,9 Mio
Arbeitslose. (414000 gemeldete Stellen).
Doch
diese offiziellen Zahlen spiegeln die
Arbeitsmarkt-Realität nicht wieder:
Arbeitslose, die in der offiziellen
Arbeitslosenstatistik der BA fehlen:
Arbeitslose, die krank sind, einen Ein-Euro-Job haben
oder an Weiterbildungen teilnehmen und fast alle
Arbeitslosen, die älter als 58 sind, sie alle
erscheinen nicht in der offiziellen Statistik. 2009
kam eine weitere Ausnahme hinzu: Wenn private
Arbeitsvermittler tätig werden, zählt der von ihnen
betreute Arbeitslose nicht mehr als arbeitslos, obwohl
er keine Arbeit hat. ARD: Wer in der BA-Arbeitslosenstatistik fehlt PDF Wikipedia
3,7 Millionen Arbeitslose im Dez. 2013 ist die
tatsächliche Zahl, die auf amtlichen Daten beruht.
Zur laufend aktualisierten Statistik
der tatsächlichen Arbeitslosenzahlen
Offene
Stellen
Gemeldete Stellen nach BA im Dez.
2013
414.000
Arbeitsangebote Kap.I-3.1
Gesamte Stellenangebote nach IAB im 3.Q.2013 868.000
Arbeitsangebote Kap.I-3.3
Bei all den Stellenangeboten wird in der öffentlichen
Darstellung nicht unterschieden zwischen normal
entlohnter unbefristeter Arbeit und den vielen Formen
prekärer Beschäftigung. Die
Arbeitsstellen-Angebote umfassen neben
Vollzeitstellen, Teilzeit- und Midi-Jobs, Leiharbeit
bzw. Werkvertragsbeschäftigung und geringfügige
Mini-Jobs. Darunter sehr viele Stellen mit
Niedriglöhnen, die zur Existenzsicherung staatliche
Hilfe erfordern. Fakt ist, viele dieser
Stellenangebote können die prekäre Lebenssituation der
Arbeitslosen nicht wirklich verbessern.
Wie realistisch sind diese Stellenangebote?
Das Internet-Portal der Bundesagentur für Arbeit
durchsucht zwar auch private Job-Börsen im Internet.
Dabei kann es auch passieren, dass sich Anzeigen für
die selbe Stelle doppeln oder Anzeigen für bereits
vergebene Jobs noch nicht entfernt wurden (s.oben
ARD zur Arbeitslosenstatistik).
Die
Zahl der Bewerber um Stellenangebote ist viel höher
als die der tatsächlich Arbeitslosen
Auch Inhaber schlechterer und prekärer Arbeitsplätze
suchen anständig bezahlte, unbefristete und
sozialversicherungspflichtige Normal-Arbeitsangebote.
Jobs, von denen niemand leben kann
Abgesehen von den Abweichungen der
Arbeitslosen-Statistik zur tatsächlichen
Arbeitslosigkeit, siehe oben, ist es "wenig
realitätsbezogen" die Arbeitsmarktsituation auf den
Extremfall Arbeitslosigkeit - also den völligen
Verlust der Erwerbsarbeit - zu begrenzen. Auch
Erwerbstätige in prekären Jobs: Von
Vollzeit-Erwerbstätigen im Niedriglohnbereich über
Teilzeit- und befristet Beschäftigte, Leiharbeiter (seit etwa
2011 wird Leiharbeit zunehmend durch Werkverträge ersetzt)
bis zu geringfügig beschäftigten Minijobber
einschliesslich Armuts-Solo/Scheinselbständige suchen
eine solide Arbeitsstelle. Eine Erwerbstätigkeit mit
der ihre und die Existenz ihrer Familien gesichert
ist. Dieser Arbeitsstellen-Bedarf wird in der
öffentlichen Darstellung der Arbeitslosigkeit völlig
ignoriert. Zudem erhöht sich die Bewerberzahl um die
große Anzahl der nicht gemeldeten Arbeitslosen der
sogenannten Stillen Reserve.
Damit ist die Anzahl der Arbeitssuchenden zwangsläufig
wesentlich höher als die Zahl - auch der tatsächlichen
- Arbeitslosen. Das hat aber auch die Konsequenz, dass
Arbeitslose noch weniger Chancen haben wieder in
Arbeit zu kommen, geschweige denn eine
existenzsichernde Anstellung, die keine staatliche
Unterstützung erfordert, zu erhalten.
Rund 8 Millionen atypisch Beschäftigte in
2012
2012 gab es 7,89 Millionen atypisch Beschäftigte, wie
das Statistische Bundesamt auf Basis von Ergebnissen
des Mikrozensusam 28.08.2013 mitteilt. Seit 1991 war
der Anteil atypisch Beschäftigter (12,8%) nahezu
kontinuierlich gestiegen und hatte 2007 seinen bislang
höchsten Wert von 22,6 % erreicht. Im Jahr 2012 mit
21,8% atypisch Beschäftigter an allen Erwerbstätigen,
war der Anteil sogar etwas rückläufig. Zu den atypisch
Beschäftigten werden befristet Beschäftigte,
Teilzeitbeschäftigte mit bis zu 20 Wochenstunden,
geringfügig Beschäftigte und Zeitarbeiter (Leiharbeit)
gezählt. Destatis-Pressemitteilung
285/Aug.2013
Diese Zahl ist
sicher zu niedrig.
Destatis zählt z.B. Beschäftigungen ab 20
Arbeitsstunden pro Woche zu den
Normalarbeit-Beschäftigten.
Die große Gruppe der Niedriglöhner wird erst gar nicht
als atypisch Beschäftigte berücksichtigt.
16 Millionen
benötigen 2013 eine anständig bezahlte und sichere
Arbeitsstelle
|
Wer alles eine
anständig bezahlte und sichere Arbeitsstelle
benötigt:
Menschen wollen und
müssen von ihrer Arbeit ihren Lebensunterhalt
und den ihrer Familie bestreiten können. Und
zwar ohne auf staatliche Hilfe oder
Unterstützung angewiesen sein zu müssen. Das
wurde in unserem Land über viele Jahrzehnte
durch das vorherrschende
Normalarbeitsverhältnis sichergestellt.
Durch die Politik der
Umverteilung
seit den 1980er Jahren ist dies mittlerweile
bei 16 Millionen atypischen, prekären
Beschäftigungsverhältnissen nicht mehr
gegeben. Diese niedrig bezahlten Vollzeit- und
oder befristeten, Teilzeit-, Leiharbeits-,
Werkvertrags-, Midi- und
Mini-Beschäftigungsverhältnisse ermöglichen
keinen eigenständigen Lebensunterhalt mehr.
Sie machen staatliche Unterstützung not-wendig
und sind Ursache dass nicht nur Arbeitslose
eine Arbeit suchen, sondern auch viele
Millionen Beschäftigte zusätzlich einen
sicheren und anständig bezahlten Arbeitsplatz
suchen, der ihnen samt Familie einen
akzeptablen Lebensstandard ermöglicht.
Einen wesentlichen Einfluss hat Beschäftigung
und Lohnhöhe auch auf die Alterssicherung:
Prekäre Beschäftigung führt zwangsläufig zu
niedrigen Renten und Altersarmut sowie hohen
Sozial-Folgekosten.
16 Millionen benötigen 2013 eine anständig
bezahlte und sichere Arbeitsstelle:
3,70 Mio tatsächliche Arbeitslose
0,72 Mio der
Stillen Reserve im engeren Sinn (restliche bei tatsächlich Arbeitslosen
enthalten).
8,7 Mio Niedriglöhner als
größte Gruppe der prekär Beschäftigten, dazu
gehören:
2,30
Mio NL in Vollzeit-Beschäftigung (10,8%
von 21,65
Mio Vollzeitbeschäftigte
*(Nach
DGB 4,90
Mio NL in Vollzeit (22,8% nach DGB von
21,65
Mio Vollzeitbeschäftigte)
1,55
Mio NL in Teilzeit-Beschäftigung (20,9% von 7,4
Mio Teilzeitbeschäftigte)
4,05
Mio NL in geringfügiger Beschäftigung (84,3%
von 4,8 Mio ausschl. Minijobber)
0,80
Mio Niedriglöhner
unter den Solo-Selbständigen
2,9 Mio (1,86 Mio befristetet Beschäftigte, 0,26
Mio in Leiharbeit und 0,75 Mio Minijobber,
jeweils ohne Niedriglöhner).
1,86
Mio (2,8 Mio (9,5%
nach IAB von 29,2
Mio)
Befristete - 0,94 Mio befrist.Niedriglöhner
(33,5% von 2,8 Mio) = 1,86 Mio)
0,26
Mio (0,85 Mio
Leiharbeiter - 0,54 Mio Leih-Niedriglöhner
(67,7%) = 0,26 Mio)
....
Mio Werkvertrags-Beschäftigte, keine
Daten verfügbar: Grund.
Prozentangaben für NL, wenn
nicht anders angegeben, aus Datenreport
2013 Tab.7(S.134) Beschäftigte mit
Niedriglohn 2010
(Diese Prozentangaben von 2010
wurden für 2013 übernommen.
Niedriglöhner haben in den letzten Jahren (IAQ) zugenommen).
Beschäftigtenzahlen 2013 von Destatis,
nur Solo-Selbständige von DIW,
Leiharbeiter von BA, Stille Reserve von IAB.
Niedriglöhner in anderen Quellen (jeweils
ohne Solo-Selbständige-Niedriglöhner):
*DGB-Studie: 4,6 Mio Niedriglohnbeschäftigte in Vollzeit
2010
IAQ: Die Zahl der Niedriglohnbeschäftigten
betrug im Jahr 2011 knapp 8,1 Millionen.
IAB: Geringverdiener 2010 in Deutschland
(24,1%) entspricht 7,1 Millionen Personen.
Das heisst, in Wirklichkeit steht
den 868.000 offenen Stellen
ein Bedarf an 16 Millionen anständig
bezahlter und sicherer Arbeitsstellen gegenüber.
2013 kommen auf jede offene Stelle im
Durchschnitt über 18 Arbeitsuchende.
Da nutzt es wenig,
die "Ärmel hochzukrempeln" (Kohl) oder sich
von "spätrömischer Dekadenz" (Westerwelle) zu
entwöhnen, wenn gar nicht genügend
Erwerbsstellen vorhanden sind. Trotzdem
verfolgen alle Bundesregierungen seit Kohl
unbeirrbar ihr Ziel: Arbeitslosigkeit muss
durch die Senkung von
Arbeitslosenunterstützung, Lohn und
"Lohnnebenkosten" bekämpft werden. Auch 2013
soll die rund 20fache Überzahl Arbeitsuchender
einen Anreiz bekommen, die wenigen offenen
Stellen zu besetzen.
Aktuelle Entwicklung
atypischer und prekärer Beschäftigung
DGB, 21.11.2013 „Rekord bei der
Beschäftigung“ und „mehr reguläre Jobs“, so
lauten aktuelle Schlagzeilen zum Arbeitsmarkt.
Ein genauer Blick zeigt jedoch: Den Wandel der
Arbeitswelt begleitet ein schleichender
Bedeutungsverlust der Normalarbeit. In den
letzten 20 Jahren hat die Erwerbstätigkeit um
3,6 Mio, aber auch prekär/atypisch
Beschäftigte um 3,3 Mio zugelegt,
Normalarbeitsplätze sind um zwei Mio gesunken.
Untersuchungen zeigen, dass „die
Lohnungleichheit in Deutschland deutlich
gewachsen“ und der hiesige Niedriglohnsektor
zu den größten in der EU zählt. Gegenüber 1991
ist das gesamtwirtschaftliche Arbeitsvolumen
um 2 Milliarden Stunden gesunken. Zwar sind
mehr Menschen erwerbstätig (inkl. Mini-Jobs,
etc.), doch ein gestiegenes Sozialprodukt wird
mit einem niedrigeren Arbeitsvolumen
erwirtschaftet als 20 Jahre zuvor.
Produktivitätsfortschritt und Strukturwandel
begünstigen diese Entwicklung...
|
Arm
trotz Arbeit - Prekäre Beschäftigung in D
Immer mehr Beschäftigten reicht ihr
Arbeitseinkommen nicht zum Leben.
Die Probleme von heute wuchsen unter der Kohl-Regierung
ab 1982 zur bekannten, erschreckenden Größe: Die
Arbeitslosigkeit stieg von 1,8 Mio. im Jahr 1982 auf
4,28 Mio. im Jahr 1998. Der Kündigungsschutz wurde
durch befristete Arbeitsverträge eingeschränkt und
gleichzeitig eine Flexibilisierung der Arbeitszeit
eingeführt mit der Folge: Zunahme geringfügiger
Beschäftigung, befristeter Arbeitsverhältnisse und
Teilzeit anstelle von Normalbeschäftigung.
Die Politik der Schröder-Regierung
hat, unter tatkräftiger Unterstützung von FDP und
CDU/CSU, mit der umfassenden Deregulierung der
Leiharbeit und veränderten Rahmenbedingungen bei den
Minijobs, die deren Ausweitung begünstigt haben, im
Jahre 2003 mit der HIV-Einführung weitere Schleusen
geöffnet, die das Lohnniveau noch stärker unter Druck
gesetzt haben.
Wenn
es zum Leben nicht reicht, wird Hartz IV beantragt.
Das
ist
staatlich sanktioniertes Lohndumping,
das
zur
Absenkung des Lohnniveaus für alle Arbeitnehmer
führt.
Durch die Verweigerung des gesetzlichen Mindestlohns
fand diese Politik gegen existenzsichernde
Vollerwerbsbeschäftigung ihre Fortsetzung durch die
Regierungen unter Merkel.
Wachsender Leistungsdruck und überzogene
Qualifikationsanforderungen (Abitur oder mittlere
Reife für kaufmännische Gehilfen- oder Facharbeiter-
Ausbildung, Küchenhilfe mit "Führerschein und
selbstständiger und eigenverantwortlicher
Arbeitsweise", etc.) führen verstärkt dazu, dass für
"Geringerqualifizierte" immer weniger Arbeit
verfügbar ist. Diese Arbeits- und Lehrstellen werden
mit eigentlich Überqualifizierten besetzt. Die
Beschäftigungschancen der dadurch Verdrängten sinken
nicht nur, viele von ihnen geraten in die
Abwärtsspirale der Langzeit-Arbeitslosigkeit (Hartz
IV), der nur die wenigsten entkommen können.
|
Prekär oder
Atypisch?
Die stetige Zunahme unsicherer, schlecht
bezahlter* und nicht
sozialversicherungspflichtiger
Beschäftigungsverhältnisse wurde unter der
griffigen kurzen Bezeichnung "prekäre
Beschäftigung"
öffentlich diskutiert und kritisiert. Im
krassen Gegensatz dazu die offiziellen positiven
Meldungen
von Regierung, Ministerien und Ämtern zur
Arbeitsmarktlage. "Die Arbeitslosenzahl ist
seit 2005 von 4,86 Mio. auf 2,98 Mio. (2011)
gesunken" oder "2012 waren
durchschnittlich rund 41,5 Millionen Personen
erwerbstätig. Seit 2005 ist die Zahl der
Erwerbstätigen um insgesamt 2,66 Millionen
gestiegen".
Sie gipfeln in den Behauptungen von
"Fachkräftemangel" und "Jobwunder" bei
millionenfacher Arbeitslosigkeit. Das
Geheimnis dieser "faktenunterlegten"
Widersprüche offenbart sich auf einfache
Weise:
Wenn in amtlicher Arbeitsmarkt -
Berichterstattung von Erwerbstätigen die
Rede ist, verbirgt sich dahinter die
Vielzahl prekärer Erwerbstätigkeiten, eben
von unterbezahlten, befristeten, sozial
nicht abgesicherten, geringfügigen,
Teilzeit-, Leih-, und
Werkvertrag-Arbeitsplätzen, die insgesamt
vermehrt wurden durch Aufsplittung von
Normalarbeitsplätzen, sowie der
Scheinselbstständigkeit bzw.
"arbeitnehmerähnlichen Selbständigkeit". Um
die Lage am Arbeitsmarkt beschönigen zu
können passt der negativ besetzte Begriff
"prekär" aber so gar nicht. Dazu soll -
Orwell lässt grüßen - die neutraler wirkende
Bezeichnung "atypisch" verhelfen . In vielen
Fachveröffentlichungen und amtlichen
Erläuterungen wird zuvorderst behauptet
"atypisch darf nicht gleichgesetzt werden
mit prekär". Die Definition von
atypisch ist verkürzt auf Befristung,
Teilzeit
(mit 20 oder weniger Stunden pro Woche,
Zeitarbeit (statt Leiharbeit)
und geringfügige Beschäftigung
(für Niedrigstlohn-Jobs). Damit lässt sich
leichter behaupten diese Beschäftigungen
"sind aufgrund eigener Interessen
absichtlich gewählt".
"Niedriglohn" oder "Unterbezahlung" und
"nicht sozialversicherungspflichtig" obwohl
"nicht typisch" für ein
"Normalarbeitsverhältnis" sind gleich ganz
ausgeklammert. Das passt auch so gar nicht
zur unterstellten "absichtlichen
Beschäftigungswahl", die es
selbstverständlich auch gibt.
Als Alibi muss die von vielen Frauen
gewählte Teilzeit-Beschäftigung, als
Kompromiss von Erwerbstätigkeit,
Haushalt und
Kindererziehung, herhalten. Doch viele
Teilzeit beschäftigte Frauen sind
unterbezahlt und würden auch gern
länger arbeiten.
Und natürlich ist "Unterbezahlung" auch
nicht statistisch getrennt erfasst als Vollzeitbeschäftigte
mit Niedriglohn,
sie wird statistisch der "Normalarbeit"
zugeschlagen. Ein weiterer Trick, um die
Zahl der atypischen Beschäftigungen
statistisch zu reduzieren, ist die
Definition der "Normal-Arbeitszeit"
auf herunter bis zu 20 Stunden festzulegen.
Bei einer Normalarbeitszeit mit 20
Wochenstunden ist sicher keine normale
existenzsichernde Entlohnung wie bei
tatsächlichem Normalarbeitsverhältnis
gegeben.
*(nicht zu vergessen die Kürzung oder
Streichung von Sonderzahlungen
und betrieblicher
Sozialleistungen)
-------------------------------
Prekär
bzw. "atypisch"
Beschäftigte erhalten meist kein
existenzsicherndes Einkommen, verdienen
durchschnittlich weniger als Normalbeschäftigte und bekommen deutlich häufiger
einen Niedriglohn“. Dazu kommen in der Regel
fehlender arbeitsrechtlicher Schutz, keine oder geringe betriebliche
Sozialleistungen, keine oder wenig soziale
Absicherung, kein oder erschwerter Zugang zu
Weiterbildung, keine berufliche
Aufstiegschancen, Wettbewerbsnachteile auf
dem Arbeitsmarkt.
--------------------------------
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Vollzeitbeschäftigte
mit Niedriglohn - DGB-Analyse
Sept.2012
PDF
In 2010 waren bereits 4,66 Mio.
Vollzeit-Beschäftigte mit sozialversichertem Job
im Niedriglohnsektor beschäftigt. Damit zählten
insgesamt 22,8 Prozent der Vollzeitbeschäftigen – die
Auszubildenden nicht mitgezählt – zu den
Geringverdienern. Die bundesweite Niedriglohnschwelle
nach amtlicher Entgeltstatistik für diese
Vollzeitbeschäftigten lag Ende 2010 bei Brutto 1.802 €
pro Monat; Sonderzahlungen wie Urlaubs- oder
Weihnachtsgeld darin berücksichtigt. Rund zwei Drittel
der Vollzeitbeschäftigten mit Niedriglohn sind in den
alten Bundesländern erwerbstätig.
Niedriglöhne werden daran gemessen, ob das
Arbeitsentgelt kleiner ist als zwei Drittel des
mittleren Entgelts (Definition von Destatis
(Statistisches Bundesamt), ILO, OECD).
Entscheidend ist, ob alle relevanten
Niedriglohngruppen in die Berechnung einbezogen
werden. Da Destatis etwa ein Fünftel aller abhängig
Beschäftigten – mit meist unterdurchschnittlichen
Verdiensten – nicht einbezieht, überrascht es nicht,
wenn der Niedriglohn- Sektor der „Normalbeschäftigten“
deutlich niedriger ausgewiesen wird als in der
DGB-Analyse.
4,9 Millionen Niedriglöhner in Vollzeit 2013. (21648822 Vollzeitbesch. nach
Destatis davon 22,8% nach DGB,s.oben)
Mindestlohn-Entscheidung 2013
Der in den Koalitionsverhandlungen
2013 von der SPD
durchgesetzte Mindestlohn von 8,50 €
ist ein Fortschritt. Allerdings durch
CDU/CSU-Einschränkungen so aufgeweicht, dass gerade
viele direkt betroffene Geringverdiener bis 2017
(nächste BT-Wahl) kaum Verbesserungen erwarten
können: Eingeführt werden soll der Mindestlohn
erst 2015, uneingeschränkt gelten aber erst 2017.
Bis dahin sind Abweichungen nach unten möglich: Wenn
die Tarifpartner geringere Mindestlöhne vereinbaren
oder vereinbart haben, können bis 2017 Löhne noch weit
unter 8,50 Euro liegen.
Mindestlohn-Orientierungswerte
Welches Einkommen mindestens nötig ist, um
menschenwürdig leben zu können, dafür existieren
durchaus Regelungen. Als Orientierung für einen
gesetzlichen Mindestlohn bieten sich nach
Untersuchungen des WSI mehrere Größen an, Basis 2011, Lohnangaben
auf Basis 2010:
Pfändungsfreigrenze: 8,22 €/Stunde (brutto, bei
40 Std/Wo).
Grundsicherungs-Niveau: 8,50 €/Stunde (brutto,
bei 40 Std/Wo).
Europäische Sozialcharta: 12,24 bis 12,40 €/Stunde
(brutto, je nach Std/Wo)
Grenze zur Lohnarmut: 10,74 €/Stunde
Mindestlöhne in EU-Ländern mit vergleichbarer
Wirtschaftskraft: 8,58 bis 9 €/Stunde
Mindestlohn-aktueller
Überblick
Teilzeitarbeit
Teilzeitjobs boomen, im Gegenzug gibt es immer
weniger Vollzeitstellen. In vielen Branchen könnten
Teilzeitarbeiter aber nicht von ihrer Beschäftigung
leben, kritisiert der Deutsche Gewerkschaftsbund DGB.
„Es gibt das Massenphänomen der unfreiwilligen Teilzeit – besonders
in Ostdeutschland.
Es ist ein
Irrglaube, dass es sich bei Teilzeitarbeit nur um
einen Zuverdienst handelt und die
Beschäftigten anderweitig finanziell und sozial
abgesichert sind“
Das zeigt auch eine Studie des Statistischen
Bundesamtes: Danach gibt jeder fünfte
Teilzeitbeschäftigte an, dass er gerne mehr arbeiten
würde. „Diese Beschäftigungsform ermöglicht meistens
kein ausreichendes Einkommen. Außerdem bekommen
Teilzeitkräfte häufig einen geringeren Stundenlohn als
ihre Vollzeit arbeitenden Kollegen“, kritisiert der
DGB.
Eine Untersuchung des Statistischen Bundesamtes
offenbarte gar: Rund zwei Drittel der Frauen, die
Teilzeit arbeiten, sind auf ihren Verdienst
existenziell angewiesen. Von Teilzeit auf freiwilliger
Basis keine Spur. Besonders betroffen: Das Hotel- und
Gaststättengewerbe. Dort sei die Quote unfreiwilliger
Teilzeit sehr hoch, sagt Rosenberger von der NGG: „Teilzeit in
dieser Branche bedeutet in der Regel, Arbeit auf Abruf
und kurzfristige Änderung der Einsatzpläne, sodass
sich Familie und Beruf kaum vereinbaren lassen.“
Für Arbeitgeber hat Teilzeit einen großen Vorteil:
Nach einer IAB-Studie sind Teilzeitkräfte motivierter
und im Verhältnis zu ihren Vollzeitkollegen auch
produktiver. Quelle: Der halbe Mitarbeiter
Ungenutzte Potenziale in der Teilzeit -
Viele Frauen würden gerne länger arbeiten
12% weniger im Durchschnitt
verdienen Teilzeit- als
Vollzeitbeschäftigte 2012.(bei
gleicher Qualifikation)
Teilzeitbeschäftigte
Juni.2013: 7,40 Mio, davon 6,02 Millionen Frauen
(81%) Quelle Destatis
Geringfügige
Beschäftigung - Mini-Job
Geringfügige Beschäftigung oder Minijob oder
450-Euro-Job genannt. Beschäftigung unter 450 €/Monat
oder kurzfristige Beschäftigung. Minijobs sind keine
sozialversicherungspflichtigen
Arbeitsverhältnisse. Mehrere Minijobs eines
Beschäftigten gelten als voll
sozialversicherungspflichtig, wenn in Summe die
Geringfügigkeitsgrenze von 450 Euro überschritten
wird.
Ausschliesslich geringfügig
Beschäftigte 2013: 4,82 Millionen
Geringfügig Beschäftigte insgesamt 2013: 7,55 Millionen
(einschliesslich Minijober mit Hauptjob)
Im Durchschnitt
verdienen Mini-JobberInnen aber nicht 400 Euro,
sondern nur ca. 260 Euro, in Ost 200 Euro. Mehr als 75
% erhalten einen Stundenlohn unter 8,50 Euro. Der
Mini-Jobbereich ist ein extremer Niedriglohnsektor.
Für Mini-Jobs zahlen Arbeitgeber 15 % (5
% in Privathaushalten) an die Renten- und
13 % an die Krankenversicherung). Mini-Jobber/innen
erwerben dadurch aber keine Rentenansprüche, auch
keinen eigenen Anspruch auf Kranken- oder
Arbeitslosenversicherung.
Die mangelnde soziale Sicherung, insbesondere auch bei
Arbeitslosigkeit, bewirkt Altersarmut.
Nicht die Arbeitnehmer-Nachfrage bestimmt die hohe
Zahl der über sieben Millionen Mini-Jobs,
sondern das Arbeitgeber-Angebot, attraktiv für sie
aufgrund der finanziellen und zeitlichen Vorteile.
Mittlerweile werden viele reguläre Arbeitsplätze, vor
allem im Dienstleistungssektor, durch Mini-Jobs
ersetzt.
Auch das vorgebliche Ziel Schwarzarbeit zu bekämpfen
wurde verfehlt: Während etwa 3,8 Mio.
Haushalte eine Hilfe beschäftigen, sind dort nur ca.
200.000 Mini-Jobber/innen angemeldet. Im gewerblichen
Bereich werden Mini-Jobs sogar zur Verschleierung von
Schwarzarbeit genutzt: Als Minijob regulär angemeldet
wird der Rest schwarz ausgezahlt. Quelle Sichere
Arbeitsplätze statt prekärer Jobs - DGB 2012.
Anmerkung
K.A.:
I.d.R. dienen Minijobs zur Aufbesserung geringer
Einkommen, entweder vom Hauptverdiener als Nebenjob
oder vom Ehepartner. Es sind genau diese Mini-
und Midi-Jobs, die erheblichen Kostendruck ausüben
und normale anständig bezahlte und versicherte
Beschäftigungsverhältnisse verdrängen.
Midi-Job
Ein Midi-Job ist ein Beschäftigungsverhältnis mit
einem monatlichen Arbeitsentgelt über 450 bis 850 Euro
(bis E.2012: 400 bis 800 €). Bei mehreren
Beschäftigungsverhältnissen ist das insgesamt erzielte
Arbeitsentgelt maßgebend. Der Arbeitgeberbeitrag liegt
bei Midi-Jobs bei 19,58% (2012).
Offizieller Zweck ist, den Wechsel in ein
versicherungspflichtiges Beschäftigungsverhältnis
durch geringere Sozialabgaben zu erleichtern.
Anzahl Midi-Jobs:
Gleitzone*
Mischfälle
Gesamt
(31.12. 2012 Stichtag) 779349
585979
1.365.328
Quelle: Bundesagentur für Arbeit
Gleitzone: Das Arbeitsentgelt lag während des
Meldezeitraums ausschliesslich in der Gleitzone d.h. reine
Midijob-Tätigkeiten). Mischfälle: Sowohl
Entgeltabrechnungszeiträume als Midijob als auch
darunter oder darüber. (Anmerkung
K.A.:
Seit der Einführung 2003 wurden voll
versicherungspflichtige Beschäftigungen in Midi -
und Mini-Jobs umgewandelt. Den
Sozialversicherungen entgehen insgesamt Milliarden,
für Versicherte reduziert sich die persönliche
Rentenhöhe.)
Siehe
auch Alternativen zu Mini- und Midijobs? -
Die Beispiele Frankreich und Vereinigtes Königreich
Befristete Beschäftigung
1960 wurde das Kündigungsschutzgesetz eingeführt,
die Befristung
wurde grundsätzlich unzulässig. Unter der
schwarzgelben Regierung Kohl wurde die
Befristung 1985 gesetzlich ausgedehnt, 1996 noch
einmal erheblich erweitert. Zur Vermeidung eines
Missbrauchs gab es nun komplizierte und
undurchschaubarere Einschränkungen mit der Folge: Mehr
Befristungsmöglichkeiten. Befristete
Arbeitsverhältnisse gibt es auch in höheren
Qualifikationen. Üblich ist, befristeten
Arbeitnehmern geringere Löhne zu zahlen, von
Bonuszahlungen auszuschließen und
Nichtlohnbestandteile vorzuenthalten. Anteil der
befristet Beschäftigten in 2012 rund 26% aller
Beschäftigten. Im Jahr 2012 waren 44 Prozent aller
Neueinstellungen befristet. Gut
doppelt so hoch wie 1996 lag die
Zahl der befristet Beschäftigten
2012 bei rund 2,7 Millionen.
Wachsende Zahl von
Hartz-IV-Empfängern entgegen rückläufiger
Arbeitslosenstatistik
Ein-Euro-Jobber mit mehr als 15 Wochenstunden,
Kranke oder Ausbildungsplatzsuchende etwa fänden sich
nicht in der Arbeitslosenstatistik wieder, obwohl
deren Lage oft nicht besser sei. Gleiches gelte für
Erwerbstätige im Niedriglohnbereich, die zusätzlich
auf "Hartz IV" angewiesen seien, wird auch vom
Landkreistag beanstandet.
Leiharbeit
breitet sich in Deutschland erneut in rasendem
Tempo aus
Berliner Zeitung, 28.7.2010. Leiharbeit
(Arbeitnehmerüberlassung, die Wirtschaft spricht auch
von Zeitarbeit oder personal-leasing) nähert sich nach
dem scharfen Einbruch in 2009 den alten
Rekordwerten. Im April 2010 waren bereits wieder
765 000 Menschen in der Branche tätig, fast 200 000
mehr als 2009, als in der Wirtschaftskrise viele
Leiharbeiter entlassen wurden.
Wikipedia:
Ursprünglich war Leiharbeit auf 3 Monate befristet;
vom BVerfG wurde staatliche
Leiharbeits - Vermittlung verboten.
Leiharbeit – Aktuelle
Entwicklungen Arbeitsmarktberichterstattung
BA, Febr.2014
Im Juni 2013 gab es in Deutschland 852000
Leiharbeitnehmer.
In den letzten zehn Jahren ist ihre Zahl damit auf das
Zweieinhalbfache, in den letzten 20 Jahren auf das
Siebenfache gestiegen.
Werkverträge als Ersatz für
Leiharbeit (im Gefolge der
BAG-Entscheidung im Dezember 2010)
Am 14. Dezember 2010 erklärte
das Bundesarbeitsgericht alle von der
Tarifgemeinschaft Christlicher
Gewerkschaften für Zeitarbeit und
Personal-Service-Agenturen (CGZP) seit 2003
ausgehandelten Tarifverträge für ungültig. Mit der im
Mai 2011 veröffentlichten Entscheidung eröffnete das
Gericht Leiharbeitern die Möglichkeit, nachträglich
gleichen Lohn für gleiche Arbeit einzuklagen. Nach
dieser Gerichtsentscheidung verlagerte sich das
Interesse vieler Unternehmen wie Siemens vom
Leiharbeitereinsatz zurück zum Abschluss von
Werkverträgen. Dieser Strategiewechsel wurde seit Ende
2011 von einer breiten politischen Debatte über den
„Missbrauch“ von Werkverträgen begleitet. Neu an
dieser Entwicklung ist, dass Werkverträge nicht mehr
nur eine Angelegenheit mehrfach benachteiligter
Beschäftigtengruppen (Ungelernte, Frauen oder
Migranten) sind, sondern auch in jene Kernbereiche der
industriellen Produktion Einzug halten, die der
Öffentlichkeit lange Zeit als relativ gut geschützte
„Hochlohnsektoren“ (z.B. der IT-Bereich)
galten.
Wie viele Personen
über Werkverträge angestellt sind,
lässt sich derzeit nicht klären. Die Unternehmen
sind gesetzlich nicht verpflichtet
Werkvertragsbeschäftigte der Bundesagentur für Arbeit
(BA) zu melden.
Siehe
auch:
Bundestag
- Kontroverse über den Missbrauch von Werkverträgen
Werkverträge - Die neue
Lohndumping Strategie?! Studie, Feb.2012
Antrag Linke: Statistische
Ermittlung von Werkverträgen und Leiharbeit Drs17/9980, Juni 2012
Ablehnung
des Antrags
von CDU/CSU und FDP bei Stimmenthaltung
von SPD und Grüne
Solo-Selbständige
und Scheinselbständige
Die Zahl der Solo-Selbständigen, sie haben keine
Mitarbeiter, ist auf rund 2,3 Millionen in 2012
gestiegen (1,38 Mio.1991). Sie macht damit über 50
Prozent aller Unternehmer in Deutschland aus. Die
Zunahme liegt nicht zuletzt an der erhöhten Zahl der
Soloselbständigen, die sich mit früheren
Arbeitnehmertätigkeiten, wie z.B. Reinigungs- und
Handwerksarbeiten selbständig machen mussten (Ich-AG,
Existenzgründungs- Zuschüsse, Einstiegsgelder trugen
zu dieser Entwicklung bei), um der Arbeitslosigkeit zu
entgehen.
Der Anteil der Geringverdiener unter den
Solo-Selbständigen liegt 2011 bei knapp einem Drittel
oder etwa 800000 Personen. Für viele ist die gewählte
Selbständigkeit eher eine Notlösung.
Solo-Selbständigigkeit zeichnet sich zu einem
„erheblichen Teil“ durch prekäre Beschäftigung aus.
Die geringen Einkommen sind meistens Grund, eine
abhängige und besser bezahlte Beschäftigung zu suchen.
Schwierige
Unterscheidung von Scheinselbständigen:
Die Auslagerung von Arbeitsverhältnissen und die
anschließende defacto Weiterbeschäftigung ehemaliger
Mitarbeiter/innen als Scheinselbständige, typisch
dafür sind Hausmeistertätigkeiten, Reinigungsarbeiten,
Schreibarbeiten aber auch Krankenschwestern bei
niedergelassenen Ärzten müssen gestoppt werden.
(Anm. K.A.: In Studien, Expertisen zu
Solo-Selbständigen erfolgt häufig statistische
Vermischung (Einkommen) von Freiberuflern und
Gewerbetreibenden mit den stark zugenommenen
Solo/Schein-Selbständigen wg. Arbeitslosigkeit, die
m. E. getrennt dargestellt werden müssten.
Siehe auch FAZ vom 13.2.2013 Hartz IV für 125.000
Selbständige.
Quellen: Solo-Selbständige
DIW Wochenbericht 7/2013
Solo-Selbständige und
Scheinselbständige Die Linke
WZB Datenreport
2013
Soloselbständige
in Deutschland - BMAS-Forschungsbericht 423
Siehe auch Boom bei
IT-Selbstständigen - Boom der
Scheinselbstständigkeit?
PDF
Solo-Selbständige: Allein und arm -
Starkes Beschäftigungswachstum, geringes Einkommen
Stille
Reserve des Arbeitsmarktes
Als Stille Reserve des Arbeitsmarktes werden
Arbeitslose bezeichnet, die grundsätzlich eine Arbeit
aufnehmen würden. Da sie bei der BA aber nicht als
arbeitslos gemeldet sind, werden sie nicht in der
offiziellen Arbeitslosenstatistik aufgeführt.
Zur Stillen Reserve gehören Arbeitswillige,
ohne Anspruch auf Arbeitslosenunterstützung.
Darunter fallen Arbeitslose, die sich entmutigt vom
Arbeitsmarkt zurückgezogen haben oder aus
Arbeitsmarktgründen vorzeitig aus dem Erwerbsleben
ausgeschieden sind. Ebenso Personen in
arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen und in
Warteschleifen des Bildungs- und Ausbildungssystems.
Aber auch Personen (z. B. Hausfrauen),
ohne Berufstätigkeit, sowie Studenten, Schüler
und Rentner, die zumeist eine Nebentätigkeit suchen.
Die
Stille Reserve wird mit Hilfe ökonometrischer
Modelle geschätzt (IAB der BA), oder anhand von
Bevölkerungsbefragungen ermittelt. Die "Stille
Reserve insgesamt" abzüglich der "Stillen Reserve in
BA-Maßnahmen" ergibt die "Stille Reserve im engeren
Sinne".
Stille Reserve 2013: 1,39 Millionen, davon 718000 im
engeren Sinn.
Die
Arbeit wird immer weniger
Entgegen
den Jubelmeldungen "Erwerbstätigkeit so hoch
wie nie zuvor" wird die Arbeit immer
weniger. Aufgrund der Arbeitsproduktivität sinkt das
Arbeitsvolumen in Deutschland seit 1960:
Um 10 Mrd Stunden sank es von 1960 bis 1990, um
weitere 2 Mrd Stunden von 1991 bis 2012. Die
Erwerbstätigenzahl nahm jedoch zu, durch
"unterschiedlichste" Verkürzung der Arbeitszeiten in
diesem Zeitraum auf die heutigen rund 42 Mio
Erwerbstätigen. Allerdings mit dramatischen
Verschlechterungen für die Betroffenen durch
Umwandlung von Normalarbeit in Millionen "atypischer",
prekärer Jobs wie beschrieben. Gegenwärtig würden 31,8
Mio. Erwerbstätige in Vollzeit (40 Stundenwoche) zur
Bewältigung dieses Arbeitsvolumens ausreichen. Bei
allgemeiner Einführung der 30-Stundenwoche könnten
44,5 Mio. Menschen eine existenzsichernde Arbeit
erhalten.
Mehr in Kapitel 4.4 Technischer Fortschritt -
Steigende Produktivität
1.3 Zur Situation von Hartz IV
Empfängern
Im Februar 2010 gab es 6,8 Millionen Hartz IV Empfänger,
davon 1,8 Millionen nicht erwerbsfähige, das sind fast
ausschliesslich Kinder bis 16 Jahre. Von den 5,0
Millionen erwerbsfähigen sind 2,3 Millionen
arbeitslos. Doch die restlichen erwerbsfähigen Hartz
IV Empfänger sind neben Kranken oder
Ausbildungsplatzsuchenden im wesentlichen
Ein-Euro-Jobber mit mehr als 15 Wochenstunden und
Erwerbstätige im Niedriglohnbereich deren Lage oft
nicht besser als die der Arbeitslosen ist. Weil Hartz
IV Empfänger nach einem Jahr noch immer keine
Erwerbstätigkeit gefunden haben, glauben viele
Menschen Hartz IV Empfänger sind überwiegend faul und
wollen nicht arbeiten. Dieses Misstrauen wird von
Scharfmachern der Politik, wie Koch und Westerwelle,
ständig geschürt. Doch die Wirklichkeit sieht anders
aus. Einige aufklärende Fakten und Berichte:
Hartz IV Vom Leben in Armut
Alois Muth: "Bevor jemand Leistungen aus Hartz IV
bezieht, muss er erst mal seine gesamten
Vermögensverhältnisse offenlegen und alles bis zum
Erreichen des Schonvermögens verbrauchen. So gehen
Ersparnisse, manche Lebensversicherung, die
Eigentumswohnung und das Auto zum Verwerten weg. Wer
Hartz IV bezieht, muss sich unter Umständen erst viele
Jahre selbst finanzieren, bevor er Anspruch auf
Arbeitslosengeld II hat. Er muss einbringen, was er
fürs Alter zurückgelegt hat. Das ist hart und auch
ungerecht".
Zum
vollständigen Interview der Heilbronner
Stimme vom 20.Nov.2010: Titel anklicken.
FDP-Chef will
Hartz-IV-Empfänger für Schneeräumen einsetzen.
So lägen doch beispielsweise in Berlin die Gehwege
seit Wochen unter Eis und Schnee begraben. "Da könnte
die Stadt doch junge Sozialempfänger zum Räumen der
Bürgersteige einsetzen. Wer sich dem verweigere, dem
müssten die Hartz-IV-Leistungen gekürzt werden". Dumm
nur, dass die Arbeitsagenturen in der Hauptstadt genau
dies schon geprüft haben – mit negativem Ergebnis.
Zwar können Hartz-IV-Empfänger als Ein-Euro-Jobber
seit 2005 prinzipiell für gemeinschaftsdienende
Tätigkeiten herangezogen werden. Aber nur dann, wenn
damit keine normalen Stellen gefährdet werden und
Unternehmen dadurch keine Dumping-Konkurrenz erwächst.
Beides wäre in Berlin jedoch der Fall.
Sanktionen gegen
Hartz-IV-Empfänger - Wer wird wie bestraft?- pdf
Hier die wichtigsten Zahlen und Fakten zu Hartz IV und
der Sanktionspraxis! Eine sehr informative Übersicht
von ntv über Strafen, die von Scharfmachern in Politik
und Wirtschaft ständig gefordert werden, obwohl sie
schon längst bestehen. Siehe auch BMAS zu Sanktionsrecht und
Leistungsrecht im SGB II (Hartz IV)-pdf
Nicht genügend
Arbeitsplätze im gemeinnützigen Bereich
Gemeinnützige Jobs dürfen nämlich keine regulären
Arbeitsplätze verdrängen - eine schwierige
Gratwanderung. Gerade die, oft der FDP nahe stehenden,
Verbände aus Industrie und Handwerk warnen davor,
gemeinnützige Arbeitsgelegenheiten noch weiter
auszudehnen. So auch Erich Horbrügger von der
Kreishandwerkerschaft Kassel: „Es darf zu keinem
weiteren Ausbau der Ein-Euro-Jobs kommen, weil diese
dann möglicherweise weitere Arbeitsplätze vernichten.“
Ein weiteres Problem: Die ARGE finanziert nur eine
bestimmte Zahl von Ein-Euro-Jobs. Wenn die besetzt
sind, werden keine weiteren Stellen genehmigt, auch
wenn es mehr als genug Bewerber gibt, klagt Stefan
Sigel-Schönig vom Diakonischen Werk
Hofgeismar-Wolfhagen: „Die Menschen wollen gerne
arbeiten, sie wollen in der großen Mehrheit auch gerne
Arbeitsgelegenheiten bei uns machen. Für alle diese
Menschen können wir gar keine Arbeitsgelegenheiten
anbieten.“ Und auch Dr. Gerd Landberg vom Deutschen
Städte- und Gemeindebund berichtet: „Es gibt nicht
genügend Arbeitsplätze im gemeinnützigen Bereich, und
die lassen sich auch nicht beliebig vermehren.“
Kaum neue Jobs in den
Kommunen - Beschäftigungsprogramm für Arbeitslose
floppt
Das kommunale Beschäftigungsprogramm für
Langzeitarbeitslose hat die Erwartungen nicht erfüllt.
Im Westen erwies sich das "Kommunal-Kombi" genannte
Programm von 2008 sogar als totaler Flop. Das
Bundesarbeitsministerium bestätigte dass nach diesem
Modell nur 15.825 Langzeitarbeitslose für drei Jahre
eingestellt wurden - und zwar 15.400 im Osten und 425
im Westen, statt der erwarteten Jobs für 100.000
Langzeitarbeitslose. Als Grund für die geringen
Teilnehmer-Zahlen wird vermutet, dass die
Kommunen nicht genügend Geld für die 50-prozentige
Ko-Finanzierung hatten oder sich nicht genügend
zusätzliche Aufgaben für Langzeitarbeitslose fanden.
Der Deutsche Städte- und Gemeindebund setzt sich dafür
ein, bezahlte Bürgerarbeit bundesweit
einzuführen als Ansatz, um Jobs für ältere und
wenig qualifizierte Erwerbslose zu schaffen. In
Regionen mit extrem hoher Arbeitslosigkeit könnten
Ein-Euro-Jobs, zurzeit seien dies 360.000, nicht
beliebig ausgedehnt werden. Bezahlte Bürgerarbeit
sollte sozialversicherungspflichtig sein und in
gemeinnützigen Bereichen angeboten werden. Die
Finanzierung müsse die Bundesagentur für Arbeit (BA)
übernehmen. "Dabei geht es um weit mehr als
Gelegenheitsjobs wie Schneeschippen" Ziel müsse sein,
die Berufs- und Lebenserfahrung von
Langzeitarbeitslosen sinnvoll zu nutzen. "Das kann in
Museen, Bibliotheken und Altersheimen sein. Zu tun
gibt es in unserer Gesellschaft genug."
Von der Leyens
Beschäftigungsprogramm: 34.000 gemeinnützige
Bürgerarbeitsplätze
Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen will 2011
ab Januar 34.000 gemeinnützige Bürgerarbeitsplätze für
Langzeitarbeitslose schaffen. Bis zu drei Jahre lang
erhalten sie dann 900 Euro Brutto (bei einer
30-Stunden-Woche). Der eigentlichen
Beschäftigungsphase des Programms wird ab 15. Juli
2010 eine sechsmonatige "Aktivierungsphase"
vorausgehen, in der 160.000 schwer vermittelbare
Hartz-IV-Bezieher über gezielte Fördermaßnahmen in den
regulären Arbeitsmarkt integriert werden sollen. Das Programm (Kosten 1,3
Milliarden Euro) folgt einem Pilotprojekt aus
Sachsen-Anhalt, mit dem der dortige Wirtschafts- und
Arbeitsminister Reiner Haseloff sehr zufrieden ist:
"In den Modellgemeinden konnten wir die
Arbeitslosigkeit um mehr als 50 Prozent senken".
Immer mehr
Hochschulabsolventen leben von Hartz IV
Im Dezember 2009 seien 11,3 Prozent mehr Akademiker
arbeitslos gewesen als im Januar desselben Jahres,
berichtete die "Welt" unter Berufung auf Zahlen der
Bundesagentur für Arbeit. In absoluten Zahlen bedeute
dies einen Anstieg um 17.000 auf 167.000
beschäftigungslose Hochschulabsolventen. Gleichzeitig
gibt es dem Bericht zufolge immer mehr
Hochqualifizierte, die von Hartz IV leben müssen. 2009
stieg ihre Zahl um zehn Prozent, inzwischen gelten
60.000 Akademiker als "arm".
Studie Hartz-IV-Empfänger
suchen nach Arbeit
08.02.2010
Fast alle Hartz-IV-Empfänger bemühen sich einer
DIW-Studie zufolge ernsthaft um Arbeit. Von den
Langzeitarbeitslosen unter 56 Jahre stünden 90 Prozent
für eine Beschäftigung zur Verfügung. "Das Problem ist
nicht die Arbeitsmoral". Die Hartz-Reformen haben,
anders als von der Politik erhofft, nicht zu einer
höheren Arbeitsbereitschaft geführt. Dies liege laut
DIW daran, dass die Motivation schon vor der Reform
"offenkundig kaum steigerungsfähig" gewesen sei. Dies
gelte insbesondere für die neuen Bundesländer, wo noch
weniger Erwerbslose auf einen Job verzichteten als im
Westen. Demnach sinkt nur bei den Älteren die
Bereitschaft zur Arbeitssuche dramatisch, offenbar
weil sie keine berufliche Perspektive mehr für sich
sehen. Von den 56-Jährigen und Älteren erklärten
demnach 42 Prozent, keine Stelle mehr antreten zu
wollen.
Existenzsichernde Arbeit
für Langzeitarbeitslose 17.03.2010
Experten gehen davon aus, dass etwa 400 000
Langzeitarbeitslose auch mit den Fördermitteln der
Arbeitsmarktpolitik keinen Einstieg in den Ersten
Arbeitsmarkt finden können. Die Schaffung
existenzsichernder gemeinnütziger Tätigkeiten
könnte sowohl für die betroffenen Arbeitslosen,
die Gesellschaft und die Wirtschaft einen wichtigen
Beitrag leisten. Das Gesetz sieht hierzu mehrere
Möglichkeiten vor:
o Arbeitsgelegenheiten mit Entgelt,
Beschäftigungszuschüsse bis zu 75 Prozent des Lohnes
über zwei Jahre mit der Möglichkeit der Verlängerung,
o Kommunalkombi mit Lohnkostenzuschüssen von
grundsätzlich 500 Euro pro beschäftigten
Langzeitarbeitslosen für Kommunen sowie
o Arbeitsgelegenheiten mit Aufwandsentschädigung (sog.
Ein-Euro-Jobs).
Die Gewährung der Arbeitsgelegenheiten mit Entgelt,
der Beschäftigungszuschüsse sowie des Kommunalkombi
sind an die Bedingung gebunden, dass Arbeitsplätze mit
tariflichen bzw. ortsüblichen Löhnen sowie
Sozialversicherungspflicht angeboten werden.
Das Gesetz sieht die Ein-Euro-Jobs sozusagen als
letzte Möglichkeit -als „Ultima Ratio“- der
Eingliederung Langzeitarbeitsloser vor.
Allerdings haben sie in der Praxis oberste Priorität,
andere Maßnahmen werden nicht eingesetzt. Die
betroffenen Arbeitslosen erhalten ihre Hartz IV
Leistungen weiter. Für die von den Job Centern
zugewiesene Tätigkeit zahlen ihnen die jeweiligen
Träger der Beschäftigungsmaßnahmen zwischen 1 und 1,50
Euro in der Stunde. Die finanzielle Attraktivität für
die jeweiligen Träger erhöht sich noch durch eine
zusätzliche Pauschale von mehreren hundert Euro für
sonstige Aufwendungen.
2009 wurden somit etwa 700 000 Langzeitarbeitslose in
gemeinnützige Tätigkeiten lediglich mit einer
Aufwandsentschädigung von im Allgemeinen 6 Monaten
eingegliedert. Für die betroffenen Menschen hat dies
zwar ermöglicht, dass sie für kurze Zeit aus der
Arbeitslosigkeit herauskommen konnten, allerdings
weitestgehend ohne eine berufliche Perspektive und
häufig mit erheblicher beruflicher Herabstufung. Sie
sind in der Abhängigkeit von Hartz IV geblieben und
waren bis auf wenige Ausnahmen nach dem Auslaufen
dieser Ein-Euro-Jobs wieder arbeitslos. Alarmierende
Berichte des Bundesrechnungshofes haben deutlich
gemacht, dass durch diese Maßnahmen reguläre
Beschäftigung in bis zu 80 Prozent der Fälle ersetzt
wurde.
Der Paritätische
Wohlfahrtsverband fordert den Ausbau des sozialen
Arbeitsmarktes
Verband fordert den Ausbau öffentlich geförderter,
dauerhafter, sozialversicherungspflichtiger
Beschäftigung. Vorrang habe die Integration in den
ersten Arbeitsmarkt. Da wo der reguläre Arbeitsmarkt
verschlossen bleibt, muss der Staat Alternativen
schaffen. Ohne einen Ausbau des sozialen
Arbeitsmarktes lässt sich Langzeitarbeitslosigkeit
nicht nachhaltig bekämpfen."
Mittelschicht-Familie - Haus und Ersparnisse weg
Hartz-IV-Familie tut alles, damit ihre beiden ältesten
Kinder studieren können. Wie eine
leistungsorientierte, fleißige Familie aus der
Mittelschicht abstürzen kann, zeigt das Beispiel von
Familie V. Der Mann ist darüber psychisch krank
geworden. Die finanziellen Sorgen wollen und wollen
nicht enden. Kurze Zeit nach dem günstigen Hauskauf
verlor der Familienvater seinen Job, konnte auf dem
Arbeitsmarkt im Alter Anfang 50 nicht mehr Fuß fassen.
Als ALG I auslief musste das Haus verkauft werden,
bevor der Familie für ihren Lebensunterhalt Hartz
IV geleistet wurde. Nicht nur das Kindergeld für die
beiden studierenden Kinder wird auf Hartz IV
angerechnet, auch das in der Regel zur Hälfte als
Darlehen gewährte Bafög wird abgezogen, dabei
brauche... Artikel Heilbronner Stimme vom
22.11.2012
Kritik an Hartz IV
Millionen Menschen sind immer noch ohne Arbeit, die
Langzeitarbeitslosigkeit zu reduzieren ist bisher
nicht erreicht. Auch konnten Langzeitarbeitslose
bislang nicht effektiver vermittelt werden. Das Kürzen
von Leistungen als "Anreiz zur Eigeninitiative" wurde
umgesetzt, das "Fördern" bei weitem nicht. Hartz IV
treibt breite Bevölkerungsschichten in Armut,
besonders Kinder und kinderreiche Familien.
Arbeitssuchende, die im höheren Alter arbeitslos
wurden und deswegen schlechter eine neue Stelle
finden, erhalten - trotz jahrzehntelanger
Beitragszahlung in die Arbeitslosenversicherung -
gleich niedrige Leistungen wie, die nie oder nie
längere Zeit gearbeitet haben.
Mehr in den Quellen: Armut und
Sozialstaatsentwicklung-butterwegge
Wikipedia-Hartz Wikipedia-ALGII
Landeszentrale für politische Bildung
B-W
Der Staat verzerrt den gesamten Arbeitsmarkt
Telepolis, Oktober 2012
Das Tückische liegt darin, dass sich speziell in
Deutschland die ganze Diskussion um das
Existenzminimum auf die Regelsätze von Menschen ohne
Arbeit konzentriert, statt auf existenzsichernde
Löhne. Armutslöhner beziehen deshalb die
Auseinandersetzung nicht auf sich, sondern denken, das
betreffe nur Arbeitslose oder Randgruppen und werden
sogar abgeschreckt, aufstockende Leistungen zu
beantragen. Dabei würden sie bei höheren Regelsätzen
durch viele Freibeträge, besonders den
Steuerfreibetrag, auch profitieren, was ihnen aber
nicht erklärt wird. So gibt es zu viele Möglichkeiten,
die insgesamt wachsende Armutsbevölkerung politisch
gegeneinander auszuspielen. Deswegen werden
Protagonisten, die 5 Euro in der Stunde verdienen und
beteuern, sie würden sich schämen, dem Staat auf der
Tasche zu liegen, zwar doppelt ausgebeutet, aber von
Politik und vielen Medien sehr geschätzt... Mehr
Kap.2 Wir
erwirtschaften genug für alle - es geht um die Verteilung
2.1
Teilhabe für alle
Alle Menschen haben am technischen Fortschritt
mitgewirkt, alle Menschen haben ein Anrecht bei der
Verteilung der Fortschrittsgewinne beteiligt zu sein(*. Der technische
Fortschritt ermöglicht, dass wir alle weniger arbeiten
müssen zur Erhaltung unseres Lebensstandards. Der
gemeinsam erwirtschaftete Reichtum muss allen zugute
kommen.
Es geht nicht um Verteilung zwischen Arm und Reich,
Stark und Schwach, Besserverdiener und ALG2-Bezieher,
es geht nicht um Almosenverteilung. Es geht um die
Verteilung der gemeinsam erwirtschafteten
Produktivitätsgewinne. Leistung muss sich für
alle lohnen. Wir alle bringen unsere Leistungskraft
zum Wohle unserer Firmen ein, wir alle haben auch ein
Anrecht an den Ergebnissen entsprechend beteiligt zu
werden. Technischer Fortschritt, der hochwertige
Produkte mit immer weniger Arbeitsaufwand ermöglicht,
darf nicht zum einseitigen Unternehmensvorteil
missbraucht werden. Gutverdienende Unternehmen zahlen
durch Arbeitsplatzabbau immer weniger in die
Sozialkassen und entziehen sich ungehindert ihrer
sozialstaatlichen Verpflichtung. Zur Teilhabe an den
Produktivitätsgewinnen gehört auch die Einbeziehung
der lohnextensiven Milliardengewinne der
Finanzwirtschaft einschliesslich des wachsenden
riesigen Vermögens, das sich zunehmend in Händen
weniger Privatpersonen konzentriert.
Was
gemeinsam erwirtschaftet wurde muss allen zugute
kommen:
Die
Wiederherstellung der Steuergerechtigkeit ist
Voraussetzung damit unserer Staat volkswirtschaftlich
notwendige wirksame Regelungseingriffe durchführen
kann und Arbeit finanziert anstatt Arbeitslosigkeit
und ihre Folgekosten.
Eine weitere Voraussetzung ist die angemessene
Aufteilung der Produktivitätsgewinne für:
- unternehmerischen Gewinn zum einen
- Arbeitnehmer-Beteiligung zum andern in Form
von
o angemessener Entlohnung und
Verkürzung der Arbeitszeit
o Ausgleich (Wertschöpfungsabgabe) für die
mit den Arbeitsplätzen weg fallenenden Sozialbeiträge.
Ganz besonders gilt das für Unternehmen, die aufgrund
von Rationalisierungen immer weniger Arbeitnehmer
beschäftigen und dadurch immer ungenügender an den
Sozialstaatskosten beteiligt sind. Eine
Wertschöpfungssteuer entlastet auch alle
lohnintensiven Unternehmen und Betriebe wie zum
Beispiel das Handwerk. Entsprechende Regelungen
belasten Firmen auch nicht anders als Lohnerhöhungen,
deren Notwendigkeit allgemein akzeptiert wird. VW hat
mit der Einführung der Vier-Tage-Woche, wie einige
andere Unternehmen, vorgeführt und bewiesen, dass das
möglich ist und die Konkurrenzfähigkeit nicht wirklich
geschwächt hat. Diese notwendigen Schritte bewirken
erhebliche Verbesserungen der Ertragslage von
Wirtschaft und Staat.
Eine andere wesentliche Voraussetzung sind
internationale Regelungen. Soziale und ökologische
Mindeststandards als Voraussetzung für einen
freien Welthandel. Der Abbau von Schutzzöllen für
einen freien Welthandel ist richtig. Er setzt aber
voraus das Produkte, die durch Ausbeutung von Mensch
und Natur (Hungerlöhne ohne soziale Mindestabsicherung
und Produktion ohne mindeste ökologische
Rücksichtnahme) nicht zu konkurrenzlos niedrigen
Preisen importiert werden können. Eine solch
ungezügelte Profitmaximierung hat selbst in
Niedriglohnländern zu Produktionsverlagerungen in noch
ärmere Länder geführt. Da dies ein Problem aller
Beschäftigten auf der ganzen Welt ist und die
Volkswirtschaften aller Staaten schädigt, sind
entsprechende internationale Schutzmaßnahmen längst
überfällig.
(* Diese doch
eigentlich selbstverständliche Erkenntnis ist keineswegs Gedankengut eines
"überholten Sozialstaatsverständnisses" oder
"kommunistischer Ideologie". Um vorzubeugen in
entsprechenden Schubladen ad acta gelegt zu werden
möchte ich hierzu aus
"Über
die menschliche Arbeit" Enzyklika Laborem
exercens
von Papst Johannes Paul II aus dem Jahr 1981 zitieren
(obwohl ich selbst weder katholisch noch besonders
religiös bin). Papst und katholische Kirche sind
sicher nicht "kommunistischer Umtriebe" verdächtig.
- Zitatanfang
12. Der Vorrang der
Arbeit
"...ein Prinzip in Erinnerung rufen, das die Kirche immer
gelehrt hat: das Prinzip des Vorranges der Arbeit
gegenüber dem Kapital. Dieses Prinzip betrifft direkt den
Produktionsprozeß, für den die Arbeit immer eine der
hauptsächlichen Wirkursachen ist, während das Kapital, das
ja in der Gesamtheit der Produktionsmittel besteht, bloß
Instrument oder instrumentale Ursache ist. Dieses Prinzip
ist eine offensichtliche Wahrheit, die sich aus der ganzen
geschichtlichen Erfahrung des Menschen ergibt.
Die folgenden Gedanken zu diesem Problem sollen uns
bestärken in der Überzeugung vom Vorrang der menschlichen
Arbeit gegenüber dem, was mit der Zeit allmählich als
»Kapital« bezeichnet wurde. Wenn nämlich zum
Bedeutungsbereich dieses Begriffes außer den uns zur
Verfügung stehenden Naturschätzen auch das Gesamt all
jener Mittel gehört, durch die der Mensch sie sich zu
eigen macht und seinen Erfordernissen entsprechend
umwandelt, wobei er sie so in gewissem Sinne
»humanisiert«, dann muß man bereits hier feststellen, daß
diese Gesamtheit der Mittel das geschichtlich gewachsene
Erbe menschlicher Arbeit ist. Alle Produktionsmittel, von
den primitivsten bis zu den ultramodernen, sind nach und
nach vom Menschen erarbeitet worden, von seiner Erfahrung
und seiner Intelligenz. Auf diese Weise entstanden nicht
nur die einfacheren Werkzeuge, die zur Bebauung der Erde
dienen, sondern - dank des entsprechenden Fortschritts der
Wissenschaft und Technik - auch die moderneren und
komplizierteren: Maschinen, Fabriken, Laboratorien und
Computer. So ist alles, was zur Arbeit dient, alles, was
beim heutigen Stand der Technik ihr immer vollkommeneres
»Werkzeug« darstellt, eine Frucht der Arbeit.
Dieses gigantische und mächtige Werkzeug - die Gesamtheit
der Produktionsmittel, die in gewissem Sinne mit dem
»Kapital« gleichgesetzt werden - ist Frucht der
menschlichen Arbeit und trägt deren Zeichen. Wenn der
Mensch, das Subjekt der Arbeit, beim heutigen Ausmaß
technischen Fortschritts, sich dieser Gesamtheit moderner
Instrumente, der Produktionsmittel also, bedienen will,
muß er sich zuerst die Frucht der Arbeit jener Menschen
geistig aneignen, die diese Instrumente erfunden, geplant,
konstruiert und vervollkommnet haben und dies noch
weiterhin tun. Die Arbeitsfähigkeit, das heißt die
Fähigkeit wirksamer Teilnahme am modernen
Produktionsprozeß, erfordert eine immer bessere
Vorbereitung und vor allem eine entsprechende Ausbildung.
Natürlich bleibt bestehen, daß jeder Mensch, der am
Produktionsprozeß teilnimmt - auch dann, wenn er nur eine
solche Arbeit verrichtet, für die weder eine besondere
Ausbildung noch spezielle Voraussetzungen erforderlich
sind -, in diesem Prozeß als echtes Subjekt wirksam ist,
während sämtliche Instrumente, seien sie als solche auch
noch so vollkommen, einzig und allein dem menschlichen Tun
untergeordnete Werkzeuge sind."
- Ende des Zitats
2.2 Der Reichtum der Bundesrepublik
Deutschland ist – gemessen am Bruttoinlandsprodukt
(BIP) – im weltweiten Vergleich ein sehr reiches Land.
Das Bruttoinlandsprodukt stieg um 16 %, von 1710
Mrd € (1991) auf 1980 Mrd € in 2001.
Das private Geldvermögen stieg um 80 %, von 2000 Mrd €
(1991) auf 3600 Mrd € in 2001.
Das private Geldvermögen in Deutschland Ende 2007
beträgt 4560 Milliarden Euro.
Der Zuwachs des privaten Geldvermögens allein in 2007:
150 Milliarden Euro (Bundesbank).
Es ist davon auszugehen, dass die veröffentlichten Angaben
zum Reichtum in Wirklichkeit viel zu niedrig
sind, siehe
Kasten "Wachsendes Privatvermögen - Hohe
Steuerverluste".
|
Wachsendes
Privatvermögen - Hohe Steuerverluste
Unübersehbar ist die Tatsache, dass Reiche und
Unternehmen seit vielen Jahren
außerordentliche Gewinnzuwächse zu verzeichnen
hatten. Verstärkt durch parteipolitisch
motivierte Unternehmens-Steuersenkungen
und vielfach geduldete illegale
Steuerhinterziehung. Das weltweite
Finanzvermögen ist seit 1980 um das über
15fache, auf gigantische 150.800 000 000
000 (150,8 Billionen) Euro gewachsen. Statt
die Arbeitnehmer an den gemeinsam
erwirtschafteten Rationalisierungsgewinnen
anteilig zu beteiligen, wurde das so
gewachsene Vermögen in die aus dem Ruder
laufenden Finanzmärkte gespeist. Und das in
einer Zeit weltweit wachsender
Massenarbeitslosigkeit. In der uns wg.
„schlechter Wirtschaftslage aufgrund der
Globalisierung" Sozialleistungen und Löhne
gekürzt wurden.
Dem Staat gehen jährlich Milliarden durch
Steuerhinterziehung, Subventionsbetrug,
Schattenwirtschaft und Vollzugsdefizite
verloren. "Deutschland ist eine Steueroase für
Großunternehmen", urteilt der Wiesbadener
Steuerexperte Lorenz Jarass. "Normalverdiener
werden ausgeplündert." Kein vergleichbares
Land in der Welt bietet so viele Möglichkeiten
einer "legalen" Steuerflucht wie Deutschland.
Steuerhinterziehung - Betrug zu Lasten der
Gesellschaft - wird als Kavaliersdelikt
heruntergespielt.
|
Das gesamte Privatvermögen (Brutto) in Deutschland im
Jahr 2007 betrug rund 8 Billionen Euro oder 8000
Milliarden Euro, davon Grund und Immobilien 5,3
Billionen Euro.
Wichtig ist auch ein Blick auf die Vermögensverteilung
in Deutschland:
Die reichsten 10 % verfügten über 61,1 % des gesamten
Vermögens.
Die reichsten 20 % verfügten über 80,1 % des gesamten
Vermögens.
Die reichsten 30 % verfügten über 91,2 % des gesamten
Vermögens.
Die unteren 70 % verfügten über 6,0 % des
gesamten Vermögens (Differenz u.a. durch
Verschuldung).
Quelle: Vermögensverteilung Bundeszentrale für
politische Bildung/DIW
Anmerkungen:
Es besteht ein hohes West-Ost-Gefälle der
Vermögensverteilung.
Vermögen unterliegt z. B. in USA und Großbritannien
einer Vermögensteuer.
Kritische Anmerkung zum "Bruttogeldvermögen für
Vermögensvergleiche"
In Deutschland wird die
Vermögensteuer seit 1997 nicht mehr erhoben
Die Ungleichheit wächst
- Immer mehr auf der hohen Kante PDF
Reichtums- und Schuldenuhr
Erläuterungen zur
Reichtums- und Schuldenuhr (siehe Textende)
|
Große
Vermögen besteuern jetzt, zur
Unterschriften-Aktion:
|
Finanzpolitik
der leeren Kassen
Mehrere Hundert Milliarden Euro entgehen unserem Staat
jährlich durch Steuerhinterziehung,
Steuerschlupflöcher, Wirtschaftskriminalität und
Vollzugsdefizite. Dazu kommt eine Politik, die seit
vielen Jahren einseitig Einkommen aus
Unternehmertätigkeit und Vermögen steuerlich
begünstigt.
Geld ist vorhanden - aber
unsozial verteilt Überlegungen zum Reichtum
unseres Landes
Dem
gegenüber steht
- eine Staatsverschuldung von 1.502 Mrd. € in 2007
von 2.071,5 Mrd. € in 2011
- 400 Mrd Bürgschaften + 80
Mrd Direkthilfe (ARD) PDF für
Bankenrettungspaket 2008 der Finanzmarktkrise
- 379 Milliarden Euro (Dez.2011)
Haftungssumme für den EU-Rettungsschirm
- 86 Milliarden hohe Kosten der
Arbeitslosigkeit
PDF in
2004.
- eine wachsende Verschuldung vieler Kommunen
wg. mangelhaftem Steueraufkommen.
- erheblicher Personal-Fehlbestand im
öffentlichen Dienst (Schulen, Justiz, Sicherheit,
Finanzen...)
----------------------------------------------------------------------------------------------------
Nachstehende Tabelle aus Mit Sozialkapital 1,7
Billionen Euro Staatsschulden tilgen? PDF
Vergleich der Entwicklung
von Steuerarten in Prozent des
Gesamtsteueraufkommens 1950 und 2009
| Steuerart |
Prozent
der Gesamtsteuer 1950 |
Prozent
der
Gesamtsteuer 2009 |
Unterschied
in Prozent
|
| |
|
|
|
| Umsatzsteuer |
21,7 |
33,77 |
+64,25 |
| Einkommensteuer |
9,89 |
5,04 |
-49,4 |
| Vermögensabgabe |
8,8 |
0 |
-100 |
| Lohnsteuer |
8,56 |
25,79 |
+301 |
| Körperschaftssteuer |
6,87 |
1,46 |
-78,7 |
| |
|
|
|
| Grundsteuer |
5,45 |
2,08 |
-61,84 |
| Gewerbesteuer |
4,94 |
6,18 |
+25,1 |
| Total (in Mrd. Euro) |
10.783 |
524.001 |
|
Quelle: Bundesministerium
der Finanzen, Tabellen 1950-1953 und 2006-2009
----------------------------------------------------------------------------------------------------
Seit Jahren fordern Union und FDP Steuerentlastungen
für Unternehmen und "Leistungsträger".
Wie aber sieht es aus mit der Steuerbelastung? Wer
zahlt wieviel Steuern?
Das gesamte Steueraufkommen (Bund,
Länder, Gemeinden) in Deutschland 2007 beträgt 538,2
Mrd. €, gemäß Steuerschätzung im Oktober 2012 beträgt
das Steueraufkommen 601,5 Mrd. €.
Eine detaillierte und neuere Aufstellung wie sich das
Gesamtsteueraufkommen verteilt (wer genau zahlt
wieviel Steuern), entsprechend der oben dargestellten
Vermögensverteilung konnte nicht gefunden werden.
Ersatzweise einige Meldungen zum Thema:
Wer Deutschland finanziert
Etwa ein Viertel der deutschen Steuerzahler
erbringen fast 80 Prozent der jährlichen Einkommensteuereinnahmen. So oder
ähnlich wurde eine Studie in 2008 des Statistischen
Bundesamtes für das Jahr 2004 in den Medien vielfach
zitiert. Beispiel focus
PDF
Diesen Meldungen bedarf es einiger korrigierender
Anmerkungen:
Obwohl vielfach unterstellt, sind es bei
Monats-Einkünften über 3000 Euro längst nicht nur
Spitzenverdiener und Vermögende. Millionäre erbringen
lediglich 5% der
jährlichen Einkommensteuereinnahmen.
Die Lohn- und Einkommenssteuer beträgt nur einen Teil
der gesamten Steuereinnahmen. Einen noch größeren Anteil am
Gesamtsteueraufkommen als die
Einkommensteuer haben in Summe MWSt (Umsatzsteuer) und
Bundessteuer (Energiesteuer,Tabaksteuer,..) Den
erbringt als Endverbraucher die große Masse der
Gering- und Durchschnittsverdiener, 73% der
Steuerpflichtigen. Dabei werden gerade kleinere
Einkommen proportional stärker belastet, da fast alles
für den Lebensunterhalt weggeht.
Mit 315 Mrd (Bundes-, Umsatz- und
20% Eink-Steuer) an der Gesamtsteuer von
601,5 Mrd in 2012 beträgt der Anteil für
73% der Steuerpflichtigen über 50 %.
Die "fast 80% der Einkommensteuereinnahmen" schrumpfen
auf 25% der Gesamtsteuer.
Dass 73% der Steuerpflichtigen nur noch 20% der Lohn-
und Einkommenssteuereinnahmen erbringen, ist eine
direkte Folge der Steuerausfälle durch
Arbeitslosigkeit, prekärer Arbeit und gesunkener
Einkommen.
Privater
Reichtum und öffentliche Armut -
Handlungsoptionen der deutschen Steuerpolitik
Hartnäckig wird von den Unternehmerverbänden und ihrer
mächtigen Lobby in Wissenschaft, Medien und Politik
von der hohen Steuerlast in Deutschland und von dem
dramatischen Einbruch der Gewinne berichtet. Ein Blick
auf die Realität, d.h. die Volkswirtschaftlichen
Daten, die Steuerstatistik und die Konzernbilanzen
zeigt, dass die Gewinne insgesamt auch von 2000 bis
2003 weiter gestiegen sind, die tatsächliche
Steuerzahlung aber ...
Zur Quelle Jarass DGB_Steuerpolitik.pdf
OECD-Studie
- Steuerlast in Deutschland besonders ungerecht
verteilt. Mai 2009
In Deutschland ist nicht nur die Steuerbelastung so
hoch wie in kaum einem anderen Industrieland, die
Steuern und Abgaben sind auch noch besonders ungerecht
verteilt. Das ist das Ergebnis einer Länderstudie der
Organisation für wirtschaftliche Entwicklung und
Zusammenarbeit (OECD), die in Paris veröffentlicht
wurde. Demnach müssen Geringverdiener in Deutschland
mehr Steuern und Abgaben schultern als in den meisten
anderen Industrieländern. Auch Singles und
Doppelverdienerhaushalte werden in Deutschland stärker
zur Kasse gebeten als in den meisten anderen der 30
OECD-Staaten. Bei Spitzenverdienern sinkt dagegen die
Belastung wieder. Zum Zeit-Artikel
PDF
Auch
das Handelsblatt berichtet am 17.10.2007:
„Durch hohe Sozialabgaben werden Erwerbseinkommen und
damit der Faktor Arbeit besonders stark zur
Finanzierung staatlicher Aufgaben herangezogen.
Gleichzeitig wird die Last auf mittlere und untere
Erwerbseinkommen konzentriert“
Schön
reich. Steuern zahlen die anderen
Wer zahlt in Deutschland eigentlich Steuern? Vor allem
die Arbeitnehmer. Denen wird jeder Cent sofort vom
Lohn abgezogen. Für Millionäre ist Deutschland eine
Steueroase. Denn die Finanzämter können schon längst
nicht mehr gründlich prüfen. Lasche Gesetze, zu wenig
Personal. So haben die Politiker selbst die
milliardenschwere Steuerflucht der Reichen
organisiert. Die Parteien überschlagen sich mit
Vorschlägen für Steuerreformen, was nicht diskutiert
wird: Weil sich die Reichen so einfach der Besteuerung
entziehen können, entgehen dem Staat jährlich rund 72
Milliarden Euro... Mehr
Reiche
wollen mehr Steuern zahlen Oktober
2005
In einem offenen Brief hat sich eine Gruppe von
Vermögenden, Schriftstellern und Wirtschaftsexperten
für eine Erhöhung der Vermögens- und Erbschaftssteuern
ausgesprochen.
„Wenn Sie die Massenkaufkraft stärken wollen, wenn Sie
Arbeitsplätze schaffen wollen, dann schaffen Sie das
Steuerparadies für wirklich Reiche in Deutschland ab
und sorgen Sie für eine gerechte Besteuerung“, heißt
es in dem an die CDU-Vorsitzende Angela Merkel und den
SPD-Chef Franz Müntefering gerichteten Schreiben.
...„belasten Sie die Vermögenden statt den
Arbeitnehmern und Rentner weitere Opfer
abzuverlangen“. Deutschland benötige bessere Schulen
und eine gute Kinderbetreuung - „aber kein
Steuerparadies für Reiche mitten in Europa“. Aufruf im Wortlaut
Reiche
wollen immer noch mehr Steuern zahlen 4.10.2012
Möbel-Millionär Krieger sieht Reiche in der
Pflicht.
Kurt Krieger, einer der reichsten Deutschen, ist
Besitzer des hinter Ikea zweitgrößten deutschen "Möbel
Höffner". Zitate aus dem Interview: "Und wenn es zur
Sanierung der öffentlichen Haushalte etwas mehr sein
sollte, dann bin ich auch dabei. Natürlich, so wie wir
alle in Deutschland für die Einheit mit dem Soli
belastet werden. Wenn für die Sanierung der Haushalte
eine weitere Abgabe erforderlich ist – warum nicht?
Wir haben eine Situation, in der man Schulter an
Schulter stehen muss. Und da müssen die, die mehr
haben, auch mehr in den Topf geben. So einfach ist
das.
Die Leistungsfähigkeit von Unternehmen und
Unternehmern muss auf Dauer erhalten werden.
Gleichzeitig sollten all diejenigen, die wohlhabend
sind, ermutigt werden, Solidarität zu zeigen. Das
würde auch jene ermuntern, die nichts oder wenig
haben. Die würden sehen: 'Aha, es sind nicht nur wir,
die Opfer bringen müssen.’
Krieger zur Frage: Was halten Sie von Leuten, die ihr
Geld außer Landes schaffen, um dem Fiskus zu entgehen?
Krieger: Also dafür würde ich glatt auf die Barrikaden
steigen, mit der großen Fahne vorne weg. Im Ernst: Man
geht doch von 340 Milliarden Euro deutschem
Schwarzgeld in der Schweiz aus. Da können Sie sich
vorstellen, dass alle, die in Deutschland ihre Steuern
zahlen, das nicht so toll finden."
Zum Originalbericht
Möbel-Millionär Krieger sieht Reiche in der Pflicht.
Staatsverschuldung durch
Sonder-Vermögensabgabe tilgen
Alexander Dill, Leiter des alternativen Basler Instituts für Gemeingüter und
Wirtschaftsforschung arbeitet an
einer Entschuldung der Bundesrepublik. Er will einen
Vorschlag machen, wie sich Deutschland seines 1,7
Billionen Euro Problems entledigen kann, nämlich eine
radikale Soforttilgung: Der Staat soll sich mit einem
Schlag von all seinen Krediten befreien. Und zwar per
Vermögensabgabe.
Weil das private Nettovermögen der Deutschen
nach Dills Berechnungen bei 8,2 Billionen Euro
liegt, kämen die 1,7 Billionen Euro durch eine
Abgabe in Höhe von gut 20 % zusammen. Diese
müsste auf jeglichen Besitz erhoben werden - vom
Festgeldkonto über das Aktiendepot bis hin zur
Immobilie. Weil den reichsten zehn % der Deutschen
gut 60 % des gesamten Vermögens gehören,
würden sie die Hauptlast bei der
Schulden-Weg-Aktion tragen.
Dills Vorhaben klingt verwegen. Man hört schon den
Aufschrei "Enteignung!", "Kommunistische Umtriebe!"
Was Dills Plan aber erwähnenswert macht, ist sein
Vorbild: Konrad Adenauer.
Der erste Kanzler der Bundesrepublik, eher als
Kommunistenfeind denn Sowjetfreund bekannt, führte
Anfang der fünfziger Jahre zur Finanzierung des
sogenannten Lastenausgleichs unter anderem eine
Vermögensabgabe ein. Damit sollten die Menschen
entschädigt werden, denen der Krieg die
Existenzgrundlage entzogen hatte. Der Staat erhob die
Abgabe bis in die siebziger Jahre. Weil es hohe
Freibeträge gab, mussten gerade diejenigen zahlen, die
trotz des Kriegs noch über große Vermögen verfügten.
Es traf vor allem Eigentümer von Immobilien. Ein
historisches Vorbild macht allerdings noch keinen
realistischen Plan für die Gegenwart. Dabei wäre
dieser dringend notwendig. Denn die Schuldenlast des
Staates ist enorm.
Die Aussichten sind verlockend: Wären die
Staatsschulden tatsächlich von jetzt auf gleich
Geschichte, sparten Bund, Länder und Gemeinden mehr
als 60 Milliarden Euro pro Jahr an Zinszahlungen. In
der Folge könnten die Steuern und Sozialabgaben
drastisch sinken. Quelle Spiegel
Zur Originalquelle Basel Institute of Commons and Economics AG -
Dills Entschuldungskonzept
(PDF)
|
Kritik von E. W. Kreutzer
auf http://www.egon-w-kreutzer.de/0PaD2010/35.html PDF
Auszug:
Offenbar hat sich bisher niemand der Mühe
unterzogen, Herrn Dill zu erklären, dass zur
Tilgung von Schulden Geld benötigt wird.
Keine Aktien, keine Pfandbriefe, keine
Villen, keine Wälder, keine
Eigentumswohnungen, keine Kfz-Briefe. Wer
tilgen muss, hat's auch mit dem Sparbuch
schwer, denn der Gläubiger nimmt nur
Bargeld, also Münzen, Banknoten und
Sichtguthaben auf Girokonten. Fazit: Die von
Alexander Dill vorgeschlagene 20 % ige
Vermögensabgabe ist mangels Liquidität
undurchführbar. Der Versuch, wenigstens das
Machbare (also etwa 15 %) auch zu machen,
führt durch vollständigen Liquiditätsentzug
direkt in den vollständigen Zusammbruch des
Wirtschaftens.
Email an Egon W Kreutzer vom
18.9.2010
Hallo Herr Kreutzer,
jetzt bin ich aber enttäuscht. Erst vor
kurzem bin ich auf den Spiegel-Artikel und
Ihre Reaktion, Herr Kreutzer, auf Dills
kühne Absicht "Deutschland durch eine
Vermögensabgabe zu entschulden" gestoßen.
Eine wunderschöne Idee von Alexander Dill,
sprühend von sozialem Charm! Sollte sie
nicht Anerkennung und vor allem -
konstruktive - Kritik, gerade auch von
anerkannten Querdenkern verdienen?
Nutzniesser von Steuerschlupflöchern,
ausgebremstem Steuervollzug,
Spekulationsgewinnen, Steueroasen und und
und, zu schonen ist wohl gängige Praxis aber
nicht unbedingt sozial oder gar gerecht.
Warum nicht auch mal diese Nutzniesser
verstärkt, zumindest aber angemessen, sozial
einbinden?
"Entschuldung auf einen Schlag" ist doch ein
attraktiver mediengerechter Aufmacher.
Entsprechende Resonanz in unserer
Presselandschaft ist vorsichtshalber (fast)
ganz unterblieben. Ich vermute mal, auch Sie
hat großes Mitleid erfasst mit unseren
geplagten Besserverdienern, Millionären und
Milliardären, die immer wieder geschockt und
gebeutelt werden von solchen und anderen
"kommunistischen" Ansinnen wie
Steuergerechtigkeit oder
Wertschöpfungssteuer oder gar
Verteilungsgerechtigkeit (mehr auf
zukunft--der--arbeit.de). Es wäre ja auch
ganz schlimm für unsere bemitleidenswerten
Superreichen, wenn öffentlich diskutiert
würde, dass mit einigen kleinen Änderungen
wie zum Beispiel Ergänzung der
Vermögensabgabe mit entsprechenden
Freibeträgen (welche Normal- und
Geringverdiener außen vor lassen), einer
zeitlichen Streckung der Abgabensatz von gut
20 auf wenige Prozent sinkt und damit als
höchst praktikables Konzept den letzten
Ungläubigen / Medienkampagnen - Verwirrten
von der realen Machbarkeit überzeugt...
Freundliche Grüße Knut Albrecht
Antwort von Herrn Kreutzer per Email
vom 18.9.2010
Sehr geehrter Herr Albrecht, es dauert mich,
dass Sie die Kritik an der undurchführbaren
Idee des Herrn Dill als Zustimmung zu allen
Fehljustierungen unserer Gesellschaft
ansehen.
Ich hatte inzwischen Kontakt mit Alexander
Dill, der sich weit weniger
zynisch-sarkastisch äußerte, ja er stimmt
mir sogar zu, dass seine Lösung nichts
anderes darstellt, als eine gigantische
Umschuldung - auch mit der Folge, dass die
volkswirtschaftlich relevante Zinslast
dadurch steigen wird, wenn der AAA-Schuldner
Staat ausssteigt und sich neue Schuldner mit
schlechterem Rating in die Bresche werfen
müssen. Dill sieht in der Entschuldung des
Staates einen Wert an sich. Den kann ich
nicht erkennen. Das ist der zentrale Punkt
dieser Auseinandersetzung. Mit besten
Grüßen Egon W. Kreutzer
|
2.3 Einkommens-Umverteilung 1980 bis
heute -
"Lambsdorff-Papier"
und
"Diktat der leeren Kassen"
Unternehmensgewinne und Vermögen der Reichen sind
immens gestiegen, nicht zuletzt durch Steuerent-
lastung, Steuerschlupflöcher, Duldung von
Steuerhinterziehung.
Gleichzeitig aber wird der Staat gezielt ausgezehrt
und die große Mehrheit von der Teilhabe am wachsenden
Reichtum schleichend ausgeschlossen.
Unter dem Schlagwort "mehr Eigenverantwortung" wird
unsere soziale Sicherung ebenso wie unsere
Existenzgrundlage, die Erwerbstätigkeit (durch Steuer-
und Abgabenlast, Lohnniveausenkung und Prekarisierung)
von der Politik seit dreissig Jahren scheibchenweise
demontiert.
Unübersehbar ist die Tatsache, dass Unternehmen und
reiche Oberschicht seit vielen Jahren immense
Gewinnzuwächse zu verzeichnen haben. Statt die
Arbeitnehmer an den gemeinsam erwirtschafteten
Rationalisierungsgewinnen zu beteiligen, wurde das so
gewachsene Vermögen in die aus dem Ruder laufenden
deregulierten Finanzmärkte gespeist. In dieser Zeit
wurden uns hier, im Lande des Exportweltmeisters, wg.
"schlechter Wirtschaftslage aufgrund der
Globalisierung" Sozialleistungen und Löhne gekürzt.
Solcherart
praktizierte Umverteilung hängt unmittelbar zusammen
mit der Veränderung der Arbeitswelt:
Die abnehmende Erwerbstätigkeit aufgrund des
technischen Fortschritts bei gleichzeitigem Ausschluss
der Beschäftigten von den Produktivitätsgewinnen.
Während
viele Mittelschichtsangehörige missgünstig auf die
soziale Unterstützung von Arbeitslosen und Hartz IV
ler (meist nur Opfer der politisch verursachten
Prekarisierung) schauen, erkennen sie nicht dass es
ihre - der Mehrheit unter den rund 70 Millionen
Sozialversicherten - ureigenste soziale Absicherung im
Alter, bei Krankheit oder Arbeitslosigkeit ist, die
die Politik systematisch abbaut. Viele der
Mittelschicht realisieren nicht, dass auch ihre
Existenzsicherheit - Arbeitsplätze und Einkommen -
bedroht ist. Durch Lohndumping, Umwandlung von
sozialversicherter Beschäftigung in unterbezahlte,
befristete Jobs, durch politisch verweigerten
Ausgleich der Sozialbeiträge, die durch millionenfache
Wegrationalisierung und Prekarisierung von
Arbeitsplätzen fehlen. Das ist die Umverteilung, der
Sozialabbau, von dem hier die Rede ist. Viele erkennen
nicht, dass die Politik ihnen zunehmend die Steuerlast
aufbürdet, von der Reiche und Unternehmen permanent
entlastet wurden.
-----------------
Viele der Mittelschicht (eigenes Haus oder
Eigentumswohnung und 100 oder 200 Tausend Euro auf
dem Konto) unterliegen dem Wahn sie gehören zu den
bevorzugten „Reichen“. Diese Umverteilungs-Politik
aber ist primär für Großkonzerne und die superreiche
Oberschicht gemacht. Das wirklich Fatale: Bei den
Wahlen unterstützt die Mittelschicht diese auch
gegen sie gerichtete Politik.
-------------------
Diese Politik der Umverteilung, unter der
Schmidt-Regierung von der FDP forciert, wurde von den
Folgeregierungen Kohl, Schröder und Merkel in
wechselnden Koalitionen von CDU CSU FDP GRÜNE SPD bis
heute fortgesetzt. Es ist eine Entwicklung
eingetreten, die sich auffallend mit den Zielsetzungen
im "Lambsdorff-Papier" deckt,
ebenso im "Diktat der leeren
Kassen".
Sozialabbau und Umverteilung unter
Merkel. Zur Bundestagswahl 2005
eröffnete die Union unter Kanzlerkandidatin Merkel
"Reformen" in nahezu allen Politikbereichen, die sich
über Merkels gesamte Regierungszeit (von 2002/2005)
bis heute erstrecken. Auch die Deregulierung des
Finanzmarktes wurde von der CDU/CSU-SPD-Regierung
unter Merkel weiter betrieben unter Mithilfe von FDP
und Grüne. Mit "Rettungsmilliarden" für Banken,
Wirtschaft und EU hat Merkel die Staatsverschuldung in
nie gekannter Höhe getrieben.
Im krassen Widerspruch zu Angela Merkels ständigen
hohen Politiker-Beliebtheitswerten
steht Merkels Umverteilungspolitik zum Nachteil von
Arbeitnehmern, Rentnern und Arbeitslosen der
Mittelschicht und darunter. Angefangen bei ihrer
eisernen Ablehnung von Mindestlöhnen sowie Senkung der
Lohnnebenkosten (verantwortlich für sinkendes Lohn-
und Rentenniveau und Schwächung der gesetzlichen
Alterssicherung wie der Krankenversicherung),
Einführung der Rente mit 67, ihrer Unternehmen und
Reiche begünstigenden Steuer- und Abgabenpolitik, über
ihrer 480 Milliarden schweren "Bankenrettung", ihrer
europaweiten Umverteilung und Senkung sozialer
Leistungen unter dem Druck gigantischer
Rettungsschirm-Milliardenbeträge für Banken und
Hedgefonds bis zur - von Anfang an - betriebenen
Zerschlagung der gesetzlichen Krankenversicherung
mittels "Kopfpauschale" und last
not least ihrer Unterstützung von internationalen
Bundeswehr-Kriegseinsätzen in Afghanistan und
anderswo, wie von Rüstungsexporten in
Weltrang-Spitzenposition. Alles wesentliche
Politikinhalte, die von der Bevölkerung mehrheitlich
abgelehnt werden. Dass hier Kräfte ihre Hand im
(Medien-)Spiel haben, die Haupt-Nutzniesser dieser
Politik sind, drängt sich geradezu auf. Besonders
angesichts der Tatsache, dass die einzige Partei im
Bundestag, die auch diese Merkel-Politik konsequent
ablehnt und fundierte Alternativen anbietet, wenn
überhaupt einer breiten Öffentlichkeit inhaltlich
wahrnehmbar, als höchst unbeliebt bewertet wird. Wie
auch immer, in dieser Dokumentation zählen
schonungslose Fakten
Mit beispielsloser Hartnäckigkeit treibt
Bundeskanzlerin Merkel den Sozialabbau als Spardiktat
unter dem Druck der "Rettungsschirme" auch in Europa
voran.Die "Schuldenbremse" des Fiskalpakts wirkt
effektiv als "Haushaltsdeckel", der den Druck
steigert, mehr Sozialabbau durchzusetzen, Löhne im
öffentlichen Sektor zu senken und öffentliche
Investitionen zurückzufahren. Sinnvolle öffentliche
Ausgaben sollen gekürzt werden, während gleichzeitig
(und primär) die Banken mit Milliarden gerettet
werden.
Der Fiskalpakt setzt nicht an den wesentlichen
Krisenursachen an: Deregulierung der Finanzmärkte und
Finanzinstitutionen, die unverantwortliche Risiken
eingehen, Steuerwettlauf nach unten, immer weiter
auseinanderklaffende Einkommens- und
Vermögensverteilung. Er bezieht sich nur auf die
Ausgabenseite und verlangt drastische Kürzungen. Diese
treffen zusätzlich zur Steuerungerechtigkeit in aller
Regel auch wieder die Bevölkerung am unteren Ende der
Einkommensskala.
Mehr auf Einkommens-Umverteilung
1980 bis heute - "Lambsdorff-Papier" und "Diktat
der leeren Kassen". Ausführlich und gründlich
recherchiert, mit vielen Fakten und Quellenangaben.
Kap.3 Maßnahmen zur
Überwindung der Erwerbskrise - Notwendige
Regelungseingriffe
3.01 Vorbemerkung
Es bleibt festzuhalten: Unserer Wirtschaft geht es
blendend im internationalen Vergleich. Hohe
Exportzahlen unserer Firmen belegen das nach wie vor
überdeutlich. Natürlich gibt es auch wirtschaftliche
Einbrüche, firmen- und branchenspezifische Probleme.
In den letzten Jahrzehnten ging es unserer Wirtschaft
blendend. Seit Jahrzehnten belegen wir bis heute einen
Spitzenplatz in der Welt-Export-Rangliste, über viele
Jahre als Export-Weltmeister. Selbst gegenüber den
viel größeren Wirtschaftsgiganten USA und China.
Unübersehbar ist die Tatsache, dass Unternehmen seit
den 1980er Jahren gigantische Gewinnzuwächse zu
verzeichnen hatten. Verstärkt durch
Unternehmens-Steuersenkungen und vielfach geduldete
illegale Steuerhinterziehung. Das weltweite
Finanzvermögen ist seit 1980 um das über 15fache, auf
gigantische 150.800 000 000 000 (150,8 Billionen bzw.
150 800 Milliarden) Euro gewachsen. Statt die
Arbeitnehmer an den gemeinsam erwirtschafteten
Rationalisierungsgewinnen zu beteiligen, wurde das steigende Vermögen in die aus dem Ruder
laufenden Finanzmärkte gespeist. Und das in
einer Zeit weltweit wachsender Massenarbeitslosigkeit.
In der uns wg. „schlechter Wirtschaftslage aufgrund
der Globalisierung" Sozialleistungen und Löhne gekürzt
wurden.
Existenzgefährdungen oder Massenentlassungen durch
strukturelle Veränderungen sind am ehesten vermeidbar.
Strukturelle Veränderungen brechen nicht über Nacht
herein. Sie sind frühzeitig abzusehen und erlauben es
Unternehmern und Politikern, denen es Ernst ist mit
ihrer sozialen Verantwortung, rechtzeitig
sozialverträgliche Anpassungsprozesse einzuleiten.
Absatzmärkte bedingen Kaufkraft oder schlichter: Wer
verkaufen will braucht Käufer.
Teilhabe an den Unternehmensgewinnen ermöglichte die
Kaufkraft, die einen Binnenmarkt schafft, der
ebenfalls Voraussetzung einer konkurrenzfähigen
Industrie und Wirtschaft ist. Hier können Produkte
entwickelt und gefertigt werden, hohe Anwendungsreife
erlangen und die überzeugendsten Verkaufsreferenzen
für den internationalen Markt geboten bekommen. Doch
unser Binnenmarkt schwächelt seit den Jahren der
Massenarbeitslosigkeit: Wer wenig hat, kann kein Auto
kaufen. Und auch wer um seinen Arbeitsplatz bangen
muss fährt sein Auto lieber solange wie möglich, bevor
Schulden für ein neues gemacht werden. So einfach ist
das; einseitige Einschnitte haben Folgen und
vermeintliche Vorteile ziehen erhebliche
Verschlechterungen nach sich.
Auf dem heimischen Markt sind die Lohn- und
Sozialkosten für alle gleich und hier erst recht kein
Konkurrenznachteil. Doch trotz billiger Importware
schwächeln selbst große Handelsketten. Hier zeigt sich
ebenfalls, dass nicht unser „zu hohes“ Gehalts- und
Sozialkosten-Niveau Grund für die Binnen-Marktschwäche
sein kann. Es ist auch nicht die „Kaufunlust“. Es ist
schlicht und einfach die volkswirtschaftliche Folge
von immer hemmungsloser werdender Profitmaximierung:
Wer arbeitslos ist oder Angst um seinen Arbeitsplatz
hat, wem der Lohn gekürzt wird und wer vom Staat immer
mehr zur Kasse gebeten wird, der kann nicht so viel
ausgeben.
Wenn Betriebswirtschaftler so kurzsichtig denken und
handeln… Politiker unserer Regierung, wie aller
Parteien, die viel Geld erhalten um unabhängig und
verantwortungsvoll auf volkswirtschaftliche
Erfordernisse zu reagieren sind hier zu allererst
gefordert.
3.02
Existenzsicherung bei abnehmender Erwerbstätigkeit
und zunehmender Ruhestandszeit.
Direkt damit zusammenhängende Veränderungen der
Lebensgestaltung erfordern langfristig neue
gesellschaftliche Förderstrukturen, mehr im Kapitel 6 Ausblick.
Dringend nötig ist auch eine entsprechende
Weltwirtschaftsordnung. Immer engere internationale
wirtschaftliche Verflechtungen machen weltweit
wirksame Regularien dringend, um Ausbeutung zu
stoppen, unvertretbare Ungleichgewichte zu überwinden,
mehr in Kapitel 3.6 Internationale Regelungen.
Es geht um Entschärfung der
Existenzbedrohung, um die Verhinderung zunehmender
Verarmung.
Es geht um die sozialverträgliche Anpassung an ein
Leben mit immer weniger Erwerbsarbeit.
Eine offene, ehrliche öffentliche Diskussion ist
unabdingbare Voraussetzung für effektive, nachhaltige
Regelungseingriffe, die einen sanften Übergangsprozess
realisieren. Das ist in bisheriger öffentlicher
Darstellung, in den Medien, insbesondere in den
zahlreichen TV-Diskussionsforen, weitgehend
ausgeklammert oder unterdrückt worden.
Langfristig,
wenn die Erwerbstätigkeit weiter zurückgegangen ist
und die darauf basierende soziale Sicherung kaum noch
aus Arbeitnehmer- und Arbeitgeber-Beiträgen finanziert
wird, ist eine grundlegende Neuordnung zu gestalten.
Vorerst brauchen wir uns nicht mit dem
"bedingungslosen Grundeinkommen" und ähnlichem konkret
beschäftigen. Im Moment scheint das eher eine Chimäre
zu sein zur Installierung von allgemeinem Elend nach
dem Motto "Armut für (fast) alle". Mehr hierzu unter Kap.3.5 Soziale Sicherung
zukunftssicher gestalten.
Deshalb gilt es, die ganz profanen Lösungsschritte,
wie hier im folgenden konkret angesprochen, erst
einmal umzusetzen.
|
Wie
lange es bis zum globalen "Ende der Arbeit"
dauern kann, sei dahingestellt.
Wir leben in der Zeit des Umbruches, der
ständigen Abnahme der Erwerbstätigkeit. Die
Zukunft der Arbeit hat bereits begonnen. Für
diese (Übergangs-) Phase brauchen wir
zuallererst wirksame und nachhaltige
Lösungen. Sie bereiten den
sozialverträglichen Weg in eine Zukunft, in
der Erwerbstätigkeit als Lebensgrundlage
ihre heutige Bedeutung verloren hat.
Ich sehe das auch für die nächste Zukunft
durchaus im Einklang mit der Feststellung
von Dr. Corinna Heintze in
"Ausbau öffentlicher und
gesellschaftsnaher Dienstleistungen" (siehe Kap. 3.4
Staatliche Maßnahmen):
"Das Problem besteht darin, dass
traditionelle Nachfragepolitik und Ansätze
zur Arbeitsumverteilung durch Verkürzung der
Wochen-, Jahres- und Lebensarbeitszeit je
für sich nur einer von mehreren Bausteinen
einer erfolgreichen Arbeitsmarkt- und
Beschäftigungspolitik sein können. Das
Konzept traditioneller keynesianischer
Nachfragepolitik vernachlässigt eine der
Hauptursachen der heutigen
Massenarbeitslosigkeit, nämlich den
arbeitsplatzvernichtenden technischen
Fortschritt (Automatisierung und
Computerisierung) und den Wettbewerb
auf dem Weltmarkt bei einfachen
Fertigungsprozessen. Allerdings, auch der
Verweis auf „Technischen Fortschritt und das
Ende des Normalarbeitsverhältnisses““ greift
als Erklärung zu kurz. Der Ansatz kann nicht
erklären, warum in technologisch wenig
entwickelten Ländern die Arbeitslosenquote
teilweise das Vielfache des EU-Durchschnitts
ausmacht und sie kann gleichfalls nicht
erklären, warum verschiedene europäische
Länder ihr Arbeitsvolumen (in Std. gemessen)
trotz arbeitssparendem technischen
Fortschritts konstant halten oder sogar
steigern, während dies Deutschland nicht
gelingt. Die intuitiv eingängige These,
wonach das in Deutschland dauerhaft sehr
hohe Arbeitslosigkeitsniveau die Konsequenz
des technischen Fortschritts sei, der
aufgrund steigender Automatisierung
Arbeitskräfte überflüssig macht sowie eines
Strukturwandels der Erwerbsarbeit, der zur
Abnahme gesicherter abhängiger Beschäftigung
ebenso führt wie zu einer steigenden
Erwerbsbeteiligung von Frauen, führt zu der
Diagnose: Vollbeschäftigung gehöre der
Vergangenheit an. Empirisch ist diese
Diagnose widerlegt".
|
3.03 Volkswirtschaftlich notwendige
Weichenstellungen erfordern einen verstärkten
Eingriff des Staates auf allen Handlungsebenen
Die bisherigen Rezepte und Maßnahmen unserer Regierung
, insbesondere Regierungsprogramme von CDU/CSU und der
FDP "zur Förderung der Wirtschaft", haben in über
dreissig Jahren keine nachhaltige Überwindung der
Massenarbeitslosigkeit erbracht. Sie sind mehr oder
weniger kläglich gescheitert, das ist die traurige
Realität. Unternehmer wollen Gewinne machen, darauf
ist ihr Denken und Handeln begrenzt. Deshalb greifen
betriebsswirtschaftliche Maßnahmen zu kurz. Auch die
"Selbstregelungskräfte des Marktes" sind hier
überfordert.
Durch die nachfolgend aufgeführten Maßnahmen können
Arbeitslosigkeit wie prekäre Beschäftigung und ihre
Folgekosten entscheidend gesenkt werden. Doch auch die
Ergänzung von staatlicher Erwerbstätigkeit, wie
nachstehend erläutert, ändert nicht, dass durch die
technische Entwicklung auch künftig immer mehr
Arbeitsplätze wegfallen. Die gesamte Gesellschaft ist
in die Finanzierung durch entsprechende zweckgebundene
Steuern und Abgaben einzubeziehen. Alle Unternehmen,
Kapitaleinkünfte, hohe Einkommen sowie eine
Wertschöpfungsabgabe sind ebenfalls, neben den
abhängig beschäftigten Beitragszahlern, zur
Finanzierung des Sozialhaushaltes angemessen zu
beteiligen.
Maßnahmen - Übersicht
3.1 Steuer- und
Finanzpolitik: Handlungsfähigkeit des Staates wieder
herstellen
3.1.1 Angemessene Besteuerung
von Unternehmensgewinnen und Vermögen
3.1.1.1 Steuerreform -
Steuergerechtigkeit herstellen
3.1.1.2 Vollzugsdefizite
beseitigen
3.1.1.3 Steuerhinterziehung
bekämpfen
3.1.2 Wirtschafts-Subventionen
abbauen
3.1.3 Einführung einer
Wertschöpfungsabgabe
3.1.4 Finanzmärkte regulieren
3.2 Arbeitszeitverkürzung
3.3 Mindestlöhne
flächendeckend - Arbeit muss sich wieder lohnen
3.4 Staatliche Maßnahmen
3.4.1 Arbeitsplätze schaffen
durch öffentliche Aufträge
3.4.2 Personalbedarf anpassen
im öffentlichen Dienst
3.4.3 Unterbezahlte Arbeit
und private Leiharbeit minimieren
3.4.4 Staat als Miteigentümer
3.4.5 Staat als Vorreiter
3.5 Soziale Sicherung
zukunftssicher gestalten
3.6 Internationale Regelungen
3.1 Steuer- und
Finanzpolitik: Handlungsfähigkeit des Staates wieder
herstellen.
Unser Staat braucht hinreichende Finanzmittel, um
seine Aufgaben erfüllen zu können.
|
Die
Finanzkrise der öffentlichen Haushalte ist –
ganz im Gegensatz zur herrschenden Meinung -
nicht allein durch gestiegene Ausgaben,
sondern wesentlich durch zu geringe
Einnahmen verursacht. Mehr
unter Kap. 4.8
|
Nicht
der Sozialstaat ist zu teuer, sondern die
Arbeitslosigkeit und ihre Folgekosten. Seit vielen
Jahren haben wir eine - politisch gewollte -
Unterfinanzierung des Staates: Rund 240 Mrd Euro
entgehende Steuereinnahmen wg. fehlender oder
ungenügende Besteuerung, Steuerflucht, Steuerbetrug,
Wirtschaftskriminalität sowie Schwarzarbeit wurde von
Becker bereits 2005 (PDF) beziffert.
Dazu addierten sich 86 Mrd Euro Kosten der
Arbeitslosigkeit PDF in
2004.
Die Massenarbeitslosigkeit muss endlich wirksam
minimiert werden. Statt Arbeitslosigkeit muss Arbeit
finanziert werden. Ein hoher Beschäftigungsgrad mit
existenzsichernden Einkommen entlastet den
Staatshaushalt durch entfallende soziale Folgekosten
und zunehmende Steuereinnahmen und Sozialbeiträge.
3.1.1 Angemessene Besteuerung von
Unternehmensgewinnen und Vermögen
Besonderer Beachtung gebührt an dieser Stelle auch dem
Vorschlag des Alexander Dill:
Deutschlands Billionen hohe Staatsverschuldung
mit einer Vermögensabgabe zu tilgen
Wurde bereits unter Adenauer praktiziert durch eine 50
prozentige Abgabe auf Vermögen, in 120 Raten gestreckt
über 30 Jahre vom 1. April 1949 bis zum 31.März 1979.
Natürlich sind zuvor die Voraussetzungen -siehe
nachfolgend - zu erfüllen, um nicht anschließend
eine erneute Staatsverschuldung dieses völlig
inakzeptablen Ausmaßes zu verursachen.
3.1.1.1 Steuerreform -
Steuergerechtigkeit herstellen
Eine umfassende Steuerreform, seit Jahren überfällig,
muss endlich wieder Steuergerechtigkeit herstellen und
ausreichende Staatseinnahmen sicherstellen. Jahr für
Jahr wird mehr Steuergerechtigkeit von Steuerexperten
wie vom Bundesrechnungshof angemahnt.
Prof. Dr. Jarass in der
Börsen-Zeitung - Zeitung für die Finanzmärkte vom
05.05.2010:
Die tatsächlich bezahlte Steuerbelastung auf
Unternehmens- und Vermögenseinkommen, u.a. durch
Einkommen-, Körperschaft- und Gewerbesteuer sowie
durch Grund- und Erbschaftsteuer, betrug 2009 mit rund
20% nur knapp die Hälfte der Belastung von
Lohneinkommen, die fast 50% betrug.
Eine Besteuerung von international tätigen Konzernen
ist in den einzelnen Nationalstaaten möglich, wenn
deren gesamte im Inland erwirtschaftete Wertschöpfung
an der Quelle einem generellen Steuerabzug unterliegt,
unabhängig vom Sitz des Betriebseigentümers.
Auf das Nettovermögen sollte eine Vermögensteuer von
1% entrichtet werden; dadurch wären je nach
Ausgestaltung jährlich 10 Mrd. bis 40 Mrd. Euro zu
erzielen.
Durch eine generelle Erbschaftssteuer von 15% wären
jährlich über 20 Mrd. Euro Steuermehreinnahmen zu
erzielen. Zur
Quelle Wie höhere Staatseinnahmen
Wachstum und Beschäftigung fördern
Zur steuerfinanzierten Stabilisierung der bisher rein
lohnbeitragsfinanzierten Sozialversicherung ist eine
Wertschöpfungsabgabe ergänzend zu erheben. Mehr siehe Kap. 3.1.3 Einführung einer Wertschöpfungsabgabe
.
Lorenz Jarass Steuermaßnahmen zur nachhaltigen
Staatsfinanzierung 2012
Zusammenfassung
Steuer- & Sozialabgabenbelastung
Die öffentlichen Haushalte sind strukturell
unterfinanziert. Nicht zu niedrige Steuersätze sind
die Hauptursache dafür, sondern eine Steuerpolitik,
die seit Jahrzehnten die Effekte der Globalisierung
nicht berücksichtigt hat: Nach der aus vorglobalen
Zeiten überkommenen Systematik und Praxis der
Steuererhebung können heute erhebliche Anteile von
großen in Deutschland erworbenen Einkommen dem
deutschen Fiskus entzogen werden, teils legal durch
Steuervermeidung, teils illegal durch
Steuerhinterziehung. Angesichts wachsender Aufgaben
bei der Kinderbetreuung, im Jugend- und
Bildungsbereich, im Bereich der öffentlichen Ordnung
und zur Erhaltung und zum Ausbau der Infrastruktur ist
eine Reform von Steuersystem und Steuererhebung
erforderlich, die nachhaltiges staatliches Handeln
wieder finanzierbar macht... mehr
3.1.1.2 Vollzugsdefizite beseitigen.
Der Fiskus prüfe im Schnitt jährlich nur 15 Prozent
der Einkunftsmillionäre, kritisiert der
Bundesrechnungshof bereits 2006 und 2008
(PDF). Dabei gebe
es gravierende Unterschiede zwischen den
Bundesländern. Eine konsequentere Prüfung sei „allemal
lohnend“, denn jede Sonderprüfung habe Mehreinnahmen
von durchschnittlich 135 000 Euro ergeben.
OECD fordert besseren Steuervollzug von Deutschland
Der Steuerexperte der Organisation für wirtschaftliche
Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD), Jeffrey
Owens, hat die Bundesregierung aufgefordert, die
Steuerprüfung in Deutschland zu verschärfen und Banken
strenger zu kontrollieren. Investitionen in die
Steuerverwaltung seien Investitionen mit hohen
Renditen. Den Banken sei es derzeit möglich, durch
zahlreiche Umgehungsmöglichkeiten ihre Steuerlast zu
reduzieren, so Owens gegenüber der
"Berliner Zeitung"
(PDF). Der Staat
verliere so jedes Jahr mehrere Milliarden Euro an
Einnahmen. "Effektiv zahlen die Banken weniger Steuern
als andere Branchen". Indirekt forderte Owens die
Bundesregierung auf, die Finanzverwaltung für große
internationale Konzerne zu zentralisieren.
Der Bundesrechnungshof rügt
in einem vertraulichen Prüfbericht für das
Bundesfinanzministerium schwere Versäumnisse bei der
Verbrechensbekämpfung. In Deutschland müssten
Kriminelle, die von der Justiz erwischt werden, die
nachträglich fälligen Abgaben auf illegale Geschäfte
in Milliardenhöhe nur selten zahlen….
Aufgabe der Steuerfahndungsstellen
der Finanzämter ist beispielsweise der Schwarzarbeit,
der Geldwäsche oder dem verborgenen Internethandel
auch außerhalb der Strafverfolgung nachzugehen. Nicht
wenige Fahndungsstellen üben kaum oder keine
Steueraufsicht aus. Eine behörden- und
ressortübergreifende Zusammenarbeit findet nur selten
statt bemängelt der Bundesrechnungshof. In
Deutschland fehlten mindestens 6.000
Steuerprüfer/innen und über 300 Steuerfahnder/innen.
Am schlechtesten ausgestattet seien die reichen
Bundesländer im Süden.
Arbeitnehmern werden Monat für Monat ihre Steuern
abgezogen.
Bei den Unternehmen ist das anders: Unternehmen werden
nur selten geprüft. Große im Durchschnitt alle fünf
Jahre, mittlere sogar nur alle zwölf Jahre. Regelmäßig
versuchen sie, Steuern in Milliardenhöhe „zu sparen“.
13 Milliarden Euro sammelten die 11.000 Betriebsprüfer
2002 insgesamt an zusätzlichen Einnahmen ein. Das sind
1,2 Millionen Euro Mehrsteuern je Prüfer.
Immer wieder wird bekannt,
dass hohe zu versteuernde Einkommen verschont
werden:
Strafanzeige gegen Mappus
und Goll - Baden-Württemberg soll keine Steueroase
sein
Zur Begründung seiner Strafanzeige teilte MdB Lange
mit, die Weisung von Ministerpräsident Stefan Mappus
und Justizminister Ulrich Goll an die nachgeordnete
Staatsanwaltschaft sei „rechtswidrig“ gewesen. „Die
Weisung führe dazu, „dass wissentlich und absichtlich
die strafrechtliche Verfolgung der auf der CD
verzeichneten Steuersünder vereitelt wird, obwohl
Mappus und Goll mittels ihrer dienstaufsichtlichen
Möglichkeiten dafür sorgen müssen, dass erhebliche
Straftaten auch verfolgt werden“.
Steuerfahnder-Affäre Hessen
21. Juli 2009. Steuerfahnder-Affäre in Hessen: Mit
fragwürdigen psychiatrischen Gutachten aus dem Dienst
entfernt: Wie die hessische Finanzverwaltung
Steuerfahnder ausbremste, die große Kreditinstitute
und vermögende Steuerhinterzieher kontrollieren
wollten. Ab dem Jahr 2001 war den Fahndern die
Verfolgung von großen Verdachtsfällen zunehmend
erschwert worden. Einige wollten dies nicht
akzeptieren - sie vermuteten die politische Absicht,
Hessen mit einer wenig effektiven Steuerfahndung als
Wirtschaftsstandort attraktiv zu machen. Mit Gutachten
des Psychiaters H. waren in den vergangenen Jahren
mehrere unliebsame Steuerfahnder als "Querulanten" in
den Ruhestand versetzt worden.
FR-Dossier zur Steuerfahnder-Affäre
Hessen
entlässt seine besten Beamten. Was steckt hinter der
Steuerfahnder-Affäre?
Schadensersatz für kaltgestellte
Steuerfahnder
Telepolis, 18.12.2015. Psychiatrischer Gutachter
Thomas H. muss 226.000 Euro Schadensersatz zahlen. Das
OLG Frankfurt/Main hat entschieden, dass den vier
Steuerfahndern Schadensersatzansprüche zustehen. Die
Urteile stellen auch fest, dass dreien der Kläger
weitere Zahlungen zustehen könnten, über die in
weiteren Verfahren entschieden wird.
Liechtenstein-CD-Steuerhinterziehungsfälle
FR Dez.2009. Hessens Finanzminister Weimar ließ
Liechtenstein-CD-Fälle unbearbeitet. Im Frühjahr 2000
erhielt die Bochumer Staatsanwaltschaft eine CD-Rom,
welche die Vermögenden in D. - Großunternehmer
und vemögende Mitglieder des Hochadels - in Panik
versetzte. In Bochum wurden 200 Millionen Euro
Schwarzgeld aufgedeckt, im Durchschnitt der 119 Fälle
wurden ein- bis zweistellige Millionenbeträge
hinterzogen. Die Frankfurter Steuerfahnder erfuhren
von etlichen Frankfurter Fällen auf der CD. Es sind
exakt die Fahnder, die später mit falschen
psychiatrischen Gutachten geschasst werden. Warum sie
die Fälle nie bearbeiten durften, darüber dürfen die
Fahnder bis heute nicht sprechen.
Mit skandalöser Anweisung
schützen hessische Behörden wohlhabende
Steuerhinterzieher - Spiegel.
Kurz vor Einführung der Zinsabschlagsteuer 1993
hatten viele deutsche Anleger mit Hilfe ihrer Banken
am Fiskus vorbei hohe Vermögenswerte ins Ausland
transferiert - Experten taxierten den Geldstrom damals
auf etwa 300 Milliarden Mark. Als im Juni 1998 rund
300 Steuerfahnder dann nach vielen anderen Banken auch
die Deutsche Bank durchsuchten, schien festzustehen,
dass der Fiskus zahlreichen Steuerhinterziehern dicht
auf den Fersen war - den Verdächtigen auf die
Pelle rücken durften die Fahnder nicht. Grundlage
dafür ist die Amtsverfügung 2001/18 des Finanzamts
Frankfurt V. In dem Papier vom 30. August 2001
verdonnerte Amtschef Jürgen Schneider-Ludorff in
Absprache mit der Oberfinanzdirektion und dem
Hessischen Finanzministerium unter seinem Chef
Karlheinz Weimar (CDU) seine rund 50 Steuerfahnder,
die nur mit Bankenverfahren beschäftigt waren, quasi
zum Nichtstun - und gewährte den Verdächtigen so eine
Amnestie durch die Hintertür.
Steuerhinterziehung-Verfassungsrichterin
K.Wolski -
Hausfrauenregel
- Urteil und Rücktritt
Süddeutsche Dez.2009.
Ein neues Haus, eine Wohnung auf Mallorca, ein
Ferrari: Richterin Karin Wolski profitierte von
Millionengeschenken, ohne dafür Steuern zu zahlen.
Doch die Justiz verfolgt nur ihren Mann. Es geht um
Steuerhinterziehung, Untreue, Betrug und andere
Delikte, um das jahrelange Versagen von Justiz- und
Finanzbehörden und auch um möglichen Filz in Hessen.
Die Juristin ist Vizepräsidentin des Darmstädter
Verwaltungsgerichtes und Richterin am hessischen
Staatsgerichtshof. Den Posten verdankt sie der CDU,
die sie im Parteispendenskandal beriet. Diverse
Merkwürdigkeiten: So muss sich Karin Wolski nicht vor
Gericht verantworten, obwohl sie gemeinsam mit ihrem
Mann zur Einkommensteuer veranlagt wurde. Angeblich
wusste sie von allem nichts. Die in privaten
Steuerangelegenheiten sich unbedarft gebende Ehefrau
entscheidet andererseits als Richterin mit, wenn es
um die Verfassungsmäßigkeit des hessischen
Staatshaushalts geht. Noch seltsamer ist, dass die
Wolskis von 1999 bis 2004 keine Steuererklärung
abgaben, ohne dass sich das Finanzamt daran gestört
hätte. Ihnen wurden keine Sanktionen angedroht, wie
dies säumigen Steuerzahlern gemeinhin widerfährt.
Die hessische Verfassungsrichterin Karin Wolski tritt
nach der Verurteilung im März 2010 zu zwei Jahren und
zehn Monaten Haft ihres Ehemannes wegen
Steuerhinterziehung zurück. Karin Wolski hat nach
Auffassung des Gerichts massiv davon profitiert, dass
ihr Mann sich die mehr als 25 Jahre ältere, reiche
Geschäftsfrau Margit C. gefügig gemacht, ihr Vermögen
um Unsummen geplündert und dabei 1,1 Millionen Euro
Steuern hinterzogen hat. Wolski ist ungeachtet ihres
Rücktritts aus dem Staatsgerichtshof noch
Vizepräsidentin des Frankfurter Verwaltungsgerichtes.
Hessens Finanzminister
Weimar: Abgang nach Steuervollzugs-Affären
Juli 2010. Weimar stolperte von Affäre zu Affäre. Der
Bundesrechnungshof bescheinigte Weimar 2006 das
Versagen bei der Steuergerechtigkeit am Beispiel des
Finanzamtes Bensheim, das für 100 Einkommensmillionäre
zuständig ist, jahrelang aber keinen einzigen davon
prüfte: "Die Prüfung unterblieb selbst in den Fällen,
in denen die Notwendigkeit eindeutig erkennbar war",
dies habe zu "erheblichen Steuerausfällen" geführt.
Maßnahmen zugunsten eines
effektiven Steuervollzugs:
- Länderspezif.
Regelungen vermeiden durch Bundessteuerverwaltung,
siehe Kienbaum-Gutachten.
- Einheitliche Verwaltungsgrundsätze und
Vollzugsziele für Bund und Länder.
- Zusammenarbeit und Informationsaustausch
der Länder verbessern.
- Weisungsrechte (§21a FVG) des BM
Finanzen gegenüber Ländern konsequent anwenden.
- Vor dem Länderfinanzausgleich
Steuervollzugskosten abziehen (Motivierung der
Länder).
- Personelle Verstärkung von Betriebs- und
Umsatzsteuerprüfung, Steuerfahndung.
- Unternehmen und Steuerpflichtige mit
hohen Einkünften oder Vermögen stärker kontrollieren
3.1.1.3 Steuerhinterziehung bekämpfen
Der Bundesfinanzminister im Mai
2009: "Der deutsche Staat wird durch Steuerhinterziehung
jährlich um schätzungsweise 100 Milliarden Euro
betrogen (PDF).
Steuerbetrug und Steuerhinterziehung seien kriminell
und müssten wirksam bekämpft werden." Die
Steuerhinterziehungs-Bekämpfung ist zwar eine
Angelegenheit von Bund und Ländern, doch für den
Vollzug sind die Länder allein verantwortlich. Als in
Nordrhein-Westfalen ein Zentralfinanzamt zur
Steuerbetrugsbekämpfung
eingerichtet werden sollte, haben die meisten
Länder eine zentrale Steuerfahndung vehement
abgelehnt..
Um Steuerhinterziehung systematisch zu bekämpfen
schlägt der Steuerexperte Prof. Dr. L. Jarass vor:
Internationale Vereinbarungen sind nur zu erreichen,
wenn man gegenüber den durch 13 Steueroasensysteme
bisher begünstigten Staaten ein Drohpotenzial aufbaut,
so dass diese Staaten dann ein Eigeninteresse
entwicklen, konstruktiv zu kooperieren. Erreichbar ist
das mit nationalen Maßnahmen, wie sie z.B. im Entwurf
für ein Steuerhinterziehungsbekämpfungsgesetz
niedergelegt sind... Zur Quelle Jarass
Ohne sich in die Details des Steuerrechts oder der
Steuerfahndung vertiefen zu müssen, ist
offensichtlich, dass das geradezu zu einem Grundrecht
hochstilisierte Steuer- und Bankgeheimnis
der Schutzschild für Steuerhinterziehung und für die
Verlagerung von Geld und Vermögen in Steueroasen ist: „Das
Bankgeheimnis ist letztlich ein
Steuerhinterziehungsgeheimnis“ Dabei wird unter dem
Pathos des Schutzes der „Privatsphäre“ vertuscht, dass
das Steuergeheimnis nur eine Einkommensform
privilegiert, nämlich die aus Geld- und
Kapitaleinkommen. Jeder normale Gehalts- und
Lohnempfänger ist in seinen Einkommensverhältnissen
bereits heute vor den autorisierten Steuerbehörden
„gläsern“. zur Quelle nds
Bundestagsdrucksachen
zum Thema
16/11389 - Antrag CDU/CSU und SPD: Steuerhinterziehung
bekämpfen (PDF)
16/11734 - Antrag FDP: Steuervollzug effektiver machen
(PDF)
16/9836 - Antrag FDP: Umstellung der Umsatzsteuer von
der Soll- auf die Istbesteuerung (PDF)
16/9479 - Antrag DIE LINKE:: Bundesverantwortung für
den Steuervollzug wahrnehmen (PDF)
16/9166 - Antrag DIE LINKE.: Steuermissbrauch wirksam
bekämpfen - Vorhandene Steuerquellen
erschließen
(PDF)
16/9168 - Antrag DIE LINKE.: Steuerhinterziehung
bekämpfen - Steueroasen austrocknen (PDF)
16/9421 - Antrag BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN: Keine
Hintertür für Steuerhinterzieher (PDF)
3.1.2 Wirtschafts-Subventionen abbauen
Zitat
Bundesfinanzministerium: "Im Interesse einer
transparenten, wettbewerbsneutralen und sozial
gerechten Besteuerung ist es unerlässlich, dass der
Wildwuchs ökonomisch und ökologisch fragwürdiger und
ungerechter Steuersubventionen entschlossen und mit
Nachdruck gelichtet wird, Gestaltungsanreize beseitigt
und Besteuerungslücken geschlossen werden".
Im Jahr 2009 summierten sich die
Unternehmens-Subventionen allein auf insgesamt 114,8
Milliarden Euro. Die vom Institut für Weltwirtschaft
(IfW) genannte Gesamtsumme von 164,7 Milliarden Euro
beinhaltet allerdings "Subventionen in weiter
Abgrenzung", darunter fallen z.B. Finanzhilfen und
Steuervergünstigungen für Krankenhäuser, gesetzliche
Krankenversicherungen, Kindertagesstätten und
-krippen, Museen, oder Pflegeeinrichtungen. Es
erfordert nicht allzuviel soziale Sensibilität hier
nicht unter dem Schlagwort "Subventionsabbau" gerade
Sozialausgaben zu kürzen. Die Widerstände gegen Abbau
von Unternehmens-Subventionen sind verständlicherweise
groß. Ein zeitlich gestreckter Abau lässt allen
Nutzniessern ausreichend Zeit sich finanziell auf
höhere angemessene Steuerbelastungen einzustellen,
scheint mir ein akzeptabler Vorschlag: Noch ab 2010
jede Wirtschafts-Subvention jährlich um 10% kürzen.
Dann sind 2019 alle Subventionen auf 0 reduziert.
Ausnahme: Steuerliche
Subventionierung des Exports von Arbeitsplätzen
(s.K.5.1) sofort streichen.
Keine steuerliche Förderung von
Fertigungsverlagerungen in EU-Länder und in das
Ausland. Keine steuerliche Verrechnung von Verlusten
im Ausland mit Gewinnen im Inland von internationalen
Konzernen. "Unternehmen dürfen sämtliche Kosten, die
bei der Auslandsinvestition anfallen, Kreditzinsen für
die üblich hohe Fremdfinanzierung und den Bau von
Fabriken, „Beraterhonorare“ etc hierzulande in ihrer
Steuererklärung geltend machen. Im Gegenzug müssen sie
im Ausland erzielte Gewinne in Deutschland mit 5%
versteuern. Würde diese Subventionierung des
Arbeitsplatzexports abgeschafft, brächte das dem
Fiskus direkte Mehreinnahmen von fünf Mrd. Euro
zusätzlich zu den Steuereinnahmen und Sozialbeiträgen
aus den hier verbleibenden Arbeitsplätzen."
Wir erinnern uns, unter dem
Schlagwort Subventionsabbau kam nach Angela Merkels
Regierungsantritt zuallererst für alle Arbeitnehmer
die Kürzung von Km-Pauschale, Sparerfreibetrag,
Streichung der Absetzbarkeit des Arbeitszimmers und
der Bergmannsprämie. Ein Abbau der
Wirtschafts-Subventionen erfolgte nicht.
Siehe auch UMWELTSCHÄDLICHE
SUBVENTIONEN IN DEUTSCHLAND
3.1.3
Einführung einer Wertschöpfungsabgabe
|
Wertschöpfungsabgabe
- was ist darunter zu verstehen?
Wertschöpfungsabgabe ist eine
Steuer/Abgabe
bezogen auf die Wirtschaftskraft eines
Unternehmens,
in Ergänzung der seither ausschliesslich auf
den Lohn
bezogenen Beiträge zur
Sozialversicherung.
Die Abgabenhöhe wird
nach gesetzlich festzulegenden
Vorgaben erhoben. Zu berücksichtigen
dabei sind u.a.:
Gewinn, Aufwendungen, Anschaffungskosten
(AfA), etc.
In verschiedenen
Studien wurde nachgewiesen, dass die
Wertschöpfungabgabe gut geeignet - geradezu
notwendig - ist, um die langfristige
Finanzierbarkeit der Sozialversicherungen,
z.B. Gesetzliche Rentenversicherung, zu
gewährleisten.
Eine ausgewogene
Gesetzgebung schützt vor
überproportionaler Belastung .
|
Eine
Wertschöpfungsabgabe ist notwendig als Ausgleich für
die mit den Arbeitsplätzen wegfallenden
Sozialbeiträge. Ganz besonders gilt das für
Unternehmen, die aufgrund von Rationalisierungen immer
weniger Arbeitnehmer beschäftigen und dadurch immer
ungenügender an den Sozialstaatskosten beteiligt sind.
Sie nimmt den eigentlichen Verursacher, die wachsende
Produktivität aufgrund des technischen Fortschrittes,
in die Pflicht. Entsprechende Regelungen belasten
Firmen auch nicht anders als Lohnerhöhungen, deren
Notwendigkeit allgemein akzeptiert wird. Mit dem
Vorteil, daß Kostenverzerrungen vermieden werden, die
nicht nur zu einseitigen Belastungen der Versicherten
führen, sondern auch bei lohnintensiven Betrieben von
Handwerk, Kleingewerbe und Mittelstand.
So
werden endlich wieder finanzkräftige Konzerne, Banken
und Versicherungen, die bei ihrem Personalabbau hohe
Kursgewinne an ihre vermögenden Aktionäre als
Dividende ausgeschüttet haben, an den von Ihnen
verursachten steigenden Sozialstaatskosten angemessen
beteiligt.
Wer mit
immer weniger Personalaufwand - aufgrund des von allen
erwirtschafteten technischen Fortschritts - Gewinne
erzielt, muss davon auch einen Teil an die
Gemeinschaft zurückgeben.
Erstaunlich
die schon fanatisch
anmutenden Widerstandsergüsse (PDF) von Wirtschaft und Politik: Begriffe
wie "wirtschaftsfeindlich, Fortschritt hemmend,
Kapitalflucht, Technlogiefeindlichkeit" usw., werden
sofort beschworen.
Tatsächlich wird niemand über Gebühr belastet. Es geht
um ausreichende soziale Gerechtigkeit, um die
grundrechtlich verbriefte Sozialstaatlichkeit
"Eigentum verpflichtet".
1983 rief Österreichs Sozialminister
Dallinger mit Überlegungen über eine
"Maschinen- Steuer"
zur Finanzierung der
Sozialabgaben umgehend in der Wirtschaft helle
Empörung hervor.
2006 gab es einen Vorstoß des französischen
Staatspräsidenten Jaques Chirac für eine
grundlegende Reform der Finanzierung der
Sozialversicherungen. Bemessungsgrundlage für die
Unternehmerbeiträge sollen nicht länger die so
genannten Lohnnebenkosten, sondern die gesamte
Wertschöpfung der Unternehmen sein. Kapital- und
technikintensive Unternehmen zahlen höhere Beiträge,
während arbeitsintensive Unternehmen entlastet würden.
Staatspräsident Chirac zog sich unverzüglich die
Kritik der Arbeitgeber, Teilen der
Wirtschaftswissenschaftler und sogar Teilen der
Gewerkschaften zu, die vor den Folgen für innovative
Firmen warnten. Im Unterschied zu Frankreich werden
wir leider noch nicht Zeugen einer Auseinandersetzung
um eine nachhaltige Reform der Finanzierung der
Sozialversicherungssysteme.
2008 fordert der Ärztekammerpräsident in
Österreich eine Wertschöpfungsabgabe
Wertschöpfungsabgabe:
Sinnvolle Ergänzung oder Alternative zur
Finanzierung der Sozialversicherung? (PDF)
Diese Studie aus (dem vergleichbaren)
Österreich von 2003 der Uni Linz und der
Oberöstereichischen Gebietskrankenkasse kommt zu dem Ergebnis:
Die Wertschöpfungsabgabe erscheint ein geeignetes
Instrument zu sein, die langfristige Finanzierung
der Sozialen Sicherheit in Österreich abzusichern.
Die Verteilung der Finanzierungslast würde
sinnvoller und leistungsgerechter auf arbeits- und
kapitalintensive Branchen verteilt werden, was zu
einer Entlastung des Faktors Arbeit führt.
Bedenken gegen eine Wertschöpfungsabgabe sind in
aller Regel unspezifisch und ohne weitere
Begründung: Für die Befürchtung einer Kapitalflucht
bzw Technlogiefeindlichkeit fehlen nachvollziehbare
Hinweise. Die Wertschöpfungs- Abgabe würde nur
geringe Beschäftigungs- Effekte zeigen, ihr
Kernmotiv ist aber auch die Finanzierungssicherung
und –gerechtigkeit der Sozialsysteme. Die Einhebung
(Erhebung) dürfte aber – eine sinnvolle Umsetzung
und enge Anlehnung an das Steuerrecht vorausgesetzt
– keine besonderen Schwierigkeiten bereiten.
Wertschöpfung-Telepolis
2006 (PDF)
Plädoyer für eine
Wertschöpfungsabgabe VDK (PDF)
Die Wertschöpfungsabgabe -
Zitate und Artikel (PDF)
Sozialstaat -
Zukunftsmodell Wertschöpfungsabgabe G. Müller (PDF)
3.1.4
Finanzmärkte regulieren
Absichtserklärungen und Vorschläge gibt es reichlich,
konkret getan hat sich bisher so gut wie nichts.
Finanzmarktregulierung
Status September 2012 Frankfurter Rundschau
Erklärung unterstützt von
WirtschaftswissenschaftlerInnen. (PDF)
Finanztransaktionssteuer
jetzt! von Prof.Dr. Rudolf Hickel
Finanzmaerkte regulieren
Süddeutsche Mai 2010
3.2
Arbeitszeitverkürzung
Weniger
Arbeit für alle
Das ist eine effektive und schnellwirksame Lösung.
Umverteilung der vorhandenen Arbeit auf mehr
Arbeitsplätze durch generelle Arbeitszeitverkürzung.
In der Wirtschaft wie im öffentlichen Dienst. Die
35-Stundenwoche wurde flächendeckend in Italien und
Frankreich bereits vor Jahren eingeführt. Seinerzeit
gab es Bestrebungen in der EU eine generelle
Arbeitszeitverkürzung in Form der 35-Stundenwoche
einzuführen. Trotz der wirtschaftlichen Stärke in der
EU war die deutsche Regierung einer der stärksten
Gegner. Aufruf Arbeit fair teilen
Bedarfsgerechte Begrenzung von Überstunden,
indem nur Überstunden zulässig sind, die
ausschließlich durch Zeitausgleich mit entsprechenden
Zuschlägen abgegolten werden. Durch gesetzliche
Regelung sicherstellen. Gesetzliche Regelungen müssen
bei Massenarbeitslosigkeitaufgrund ihrer immensen
Auswirkung auf das soziale Gefüge und den
Staatshaushalt Vorrang vor der "Tarifautonomie"
erhalten, wenn keine Tariflösungen in bestimmter Frist
erzielt werden.
Diese Regelung ermöglicht die (durch
Überstunden-Ausbau) ausgedünnte Stammbelegschaft
wieder auf ein gesundes Maß aufzustocken. Aus meiner
Sicht der effektivere Weg (für Belegschaft und
Unternehmen) als die Beibehaltung exzesssiver
Überstunden-Praxis durch das Konzept
"Beschäftigung von
Arbeitslosen statt bezahlter Überstunden" IAB-Studie
2002
Lebensarbeitszeit begrenzen:
Das Renteneintrittsalter herabsetzen. Die
beabsichtigte Heraufsetzung auf 67 Jahre verstärkt die
Arbeitslosigkeit und belastet den Staat zusätzlich
durch die steigenden Kosten der Arbeitslosigkeit und
Altersarmut. Ein ganz anderes wichtiges Argument für
die Herabsetzung des Renteneintrittsalter ist der
ständig steigende Leistungsdruck und die Belastungen
durch zunehmende Schicht- und Feiertags - Arbeit. Die
stark zugenommenen psychosomatischen Erkrankungen und
ihre Folgewirkungen belasten zusätzlich die Kosten der
sozialen Sicherung.
In Frankreich gilt Rente ab 60. Geschätzte 2 Millionen
Franzosen protestieren im Juni 2010 gegen Rentenpläne des
französischen Präsidenten das Mindestalter für den
Renteneintritt bis 2018 schrittweise von 60 auf 62
Jahre zu erhöhen. Zwischenzeitlich eingeführt wurde
die Änderung von Nachfolger Hollande wieder zurück
genommen.
Für die Finanzierung längerer Altersruhezeit sind
nachhaltige Lösungen erforderlich; es gibt andere,
bessere Möglichkeiten als Rentenkürzungen, die
Altersarmut erzeugen oder vergrößern. Siehe dort.
3.3 Mindestlöhne
flächendeckend - Arbeit muss sich wieder lohnen
Grundvoraussetzung für eine gesunde
Volkswirtschaft ist ein Lohnniveau dass sicherstellt,
dass von der Erwerbstätigkeit der Lebensunterhalt
bestritten werden kann, Familien nicht in Armut leben.
Ein unverzichtbarer Schritt dahin ist die generelle
Einführung des Mindestlohnes. Union und
FDP lehnen einen flächendeckenden Mindestlohn ab. Doch
Mindestlöhne sind auf dem
Vormarsch , verstärkt
durch den nahenden Termin 1. Mai 2011. Ab dann gilt
fast uneingeschränkte Freizügigkeit für Arbeitnehmer
aus den anderen EU-Staaten. Mindestlohn ist in anderen EU-Staaten längst
Realität: Insgesamt gibt es in 20 der 27 EU-Staaten
einen gesetzlichen Mindestlohn. In Westeuropa liegt er
im Schnitt über acht Euro. Spitzenreiter bleibt
Luxemburg.
Siehe hierzu auch Kap. 3.4.3 Unterbezahlte Arbeit und
private Leiharbeit minimieren.
3.4 Staatliche Maßnahmen
Alles staatliche Bemühen um Vollbeschäftigung mit
existenzsichernden Löhnen muss absoluten Vorrang vor
privaten Wirtschaftsinteressen haben! Der Staat hat
die Verpflichtung einzugreifen, wenn Markt -
Selbstregulierung nicht (mehr) funktioniert. Das gilt
für die Beschäftigung ebenso wie für Kosten- und
Preisentwicklungen lebenswichtiger Grundversorgung.
Das setzt allerdings einen Staat voraus, der als
primäres Ziel das Gemeinwohl des Staatsvolkes verfolgt
und diesem alle anderen Ziele unterordnet.
Der Staat selbst muss handeln! Wer sonst als der
Staat ist in der Lage volkswirtschaftliche
Erfordernisse umzusetzen, mit sozialverträglichen
Regelungseingriffen auf Fehlentwicklungen und
strukturellen Veränderungen zu reagieren und
rechtzeitig gegenzusteuern. Eine der wichtigsten
staatlichen Maßnahmen ist Arbeitsplätze schaffen. Bei
dieser Thematik ist oft zu hören: "Der Staat kann
keine Arbeitsplätze schaffen, das könne nur die
Wirtschaft". Das wird von interessierter Seite immer
wieder behauptet und von vielen unreflektiert
übernommen. Es wirkt mittlerweile wie ein kein
Widerspruch duldendes Dogma. Dem ist aber ganz und gar
nicht so. Es kann durch viele Argumente widerlegt
werden. Der Staat ist mit rund 4,6 Millionen
Beschäftigten im öffentlichen Dienst im Jahre 2011
(1991: 6,7 Millionen) der größte Arbeitgeber in
Deutschland (PDF). Obwohl in
der Vergangenheit viele staatliche Arbeitsstellen, vor
allem durch die "Privatisierung", bereits
abgebaut wurden. Obwohl in der Zwischenzeit durch
Verlängerung der Arbeitszeit im öffentlichen Dienst
die Arbeitslosigkeit vergrößert wurde. Obwohl
mittlerweile in vielen Bereichen des ö. D. ein
gravierender Mangel an Personal inakzeptable Nachteile
zur Folge hat: Lehrermangel, Justiz, Sicherheit,
Finanzämter.
Vollbeschäftigung ist auch heute realisierbar. Verlust
der Vollbeschäftigung über einen solch langen Zeitraum
ist längst nicht zwangsläufig in anderen Ländern. Er
ist nicht Schicksal, nicht gottgewollt und auch nicht
wirtschaftlich zwingend. Es ist eine Frage des
politischen Wollens. Besonders in skandinavischen
Ländern ist Vollbeschäftigung - und zwar ohne prekäre
Beschäftigung eines zunehmenden Niedriglohn -
Arbeitsmarktes wie in Deutschland - der Normalzustand.
Selbst in Österreich und der Schweiz ist die
Beschäftigungslage deutlich besser als hierzulande.
In diversen Studien hat die Dipl. Politologin
Dr. Cornelia Heintze aufgezeigt, wie in
skandinavischen Ländern im Unterschied zu Deutschland
Vollbeschäftigung sichergestellt wird.
Mehr auf Mehr statt weniger Staat - Vom Vorrang
öffentlicher Beschäftigung
3.4.1 Arbeitsplätze schaffen durch
öffentliche Aufträge
Ausbau einer umweltfreundlichen, dezentralen
Energieversorgung ohne Atomstrom:
Kraftwärmekopplung, lokale Fernwärmenetze,
Energieeinsparung und Nutzung regenerativer
Energieträger. Die Umwelttechnik mit Anlagen
Schadstoff- und abfallarmer Kreislaufprozesse ist in
der Bundesrepublik zu einem hohen Stand entwickelt
worden und bietet entsprechend hohe
Wettbewerbsvorteile. Förderung von Entwicklung und
Anwendung regenerativer Energietechnik und Technik zur
Energieeinsparung.
Ausbau des Schienenverkehrs für Personen und Güter.
Ganz besonders in Hinblick auf die prognostizierte
demographische Entwicklung und der prognostizierten
Zunahme des Güterverkehrs. Der Ausbau des
Schienenverkehrs, insbesondere des ÖPNV wie des
Güterverkehrs, schafft hierzulande Arbeitsplätze und
Verkaufsreferenzen sowie wirtschaftliche Stückzahlen
als Basis für wettbewerbsfähigen Export. Das gleiche
gilt für die Förderung energiesparender
Kraftfahrzeugtechnik, der Umstellung auf
Elektroantriebe, Aggregate zur Stromerzeugung
(Brennstoffzellen, ...) wie elektrischer Speicherung
und Solarzellen.
3.4.2
Personalbedarf anpassen im öffentlichen
Dienst
Zum Beispiel zur Bekämpfung von Wirtschafts- und
Umweltkriminalität, Steuerhinterziehung und
Steuerflucht. Zur Verbesserung der Sicherheit im
Straßenverkehr wie der öffentlichen Sicherheit. Im
öffentlichen Bereich besonders gefährdeter Orte, im
ÖPNV (in den Zügen, Bahnhöfen und Haltestellen)
besonders gefährdeter Tages- bzw. Nachtzeiten.
Erhöhter Schutzbedarf für Beschäftigte, insbesondere
Frauen durch verlängerte Öffnungszeiten im
Einzelhandel und Ausweitung der Schichtarbeit.
Das schafft nicht nur Arbeitsplätze und reduziert
Kosten der Arbeitslosigkeit und soziale Folgekosten
von Unfällen, Umweltschädigungen und Gewalttaten.
Personelle Aufstockungen im Justiz- und Finanzbereich
führen auch zu vielen Milliarden jährlicher
Steuermehreinnahmen durch Abbau von Vollzugsdefiziten
bei der Bekämpfung der hohen Steuerhinterziehung und
Wirtschaftskriminalität.
Und ganz besonders positiv wirkt sich die verbesserte
soziale Sicherheit durch Abbau der Arbeitslosigkeit
auf die Kaufkraft und damit die Wirtschaftslage des
Binnenmarkts und die Steuer-Mehreinnahmen aus. Weit
stärker als der Finanzierungsbedarf zusätzlicher
Stellen im gesamten öffentlichen Dienst erfordert.
Öffentliche Dienstleistung statt
Privatisierung - Mehr statt weniger Staat.
Die Privatisierung
öffentlicher Einrichtungen ist inzwischen zu einem
Desaster geworden und muss gestoppt und rückgängig
gemacht werden.
Auch Unternehmen der öffentlichen Hand können bei der
Produktion von Waren und Dienstleistungen gleich
effizient arbeiten wie ein privates Unternehmen. Im
Gegenteil: Liberalisierung kombiniert mit
Privatisierungen führt - wie immer mehr Beispiele
zeigen - zu ineffizienten privaten, Markt
beherrschenden Unternehmen und faktischen Kartellen,
die für mehr Geld weniger Leistungen anbieten, da sie
die renditehungrigen Shareholder durchfüttern müssen.
Effiziente, öffentliche Betriebe müssen kein Geld in
überflüssige Werbekampagnen und doppelte
Infrastrukturen stecken. Anstatt zum Beispiel
möglichst viel Strom und Gas teuer zu verkaufen,
können staatliche Energieversorgungs- Unternehmen,
zusätzlich zur Versorgung mit Strom und Gas, Beratung
und Maßnahmen zur Energieeinsparung anbieten und
entsprechende Geschäftsbereiche ausbauen und
zusätzliche Vollerwerbsstellen mit Lebensstandard
sichernden Einkommen schaffen.
3.4.3
Unterbezahlte Arbeit und private
Leiharbeit minimieren
Seit Jahren wächst der Anteil prekärer
Beschäftigung und unzureichender Entlohnung mit
staatlicher Förderung. Keine Arbeit mehr für
Niedrigqualifizierte? Unter den Millionen
Arbeitsuchenden, den Arbeitslosen und
Unterbeschäftigten, sind längst nicht nur
Niedrigqualifizierte sondern zunehmend Fachkräfte mit
solider beruflicher Ausbildung bis hin zum
Hochschulabschluss. Eine Umkehr wieder hin zu einer
gerechten Entlohnung, von der wir wieder unsere
Existenz und die unserer Familien angemessen absichern
können, muss und kann vom Staat sehr effektiv
gefördert werden:
Staat als Arbeitgeber für Vermittlung und
Beschäftigung
Neu zu schaffende staatliche Betriebe als Vermittler
und zusätzlich als Anbieter von entsprechenden
Dienstleistungen, sowie von Leiharbeitsvermittlung.
Übernahme aller Beschäftigungen, die auf dem freien
Markt keine existenzsichernde Entlohnung bieten.
Angebot und Ausführung von Arbeiten, die auf dem
freien Markt häufig zu nicht existenzsichernder
Entlohnung führen.
Allgemeines staatliches Zeitarbeits-Angebot
(Leiharbeit) durch staatliche Betriebe für alle
übrigen Berufe und Qualifikationen. Diese Leiharbeit
intern und extern zu gleichen Löhnen und gleichen
Sozialleistungen einschliesslich Betriebsrenten, bzw
-Ersatzleistungen, etc. wie für Vollzeitarbeit bzw.
für Stammbelegschaften plus "Leihkosten- Aufschlag".
Private Leiharbeit (PDF) unter
entsprechend gleichen Vorgaben gesetzlich regeln.
Das beinhaltet ganz erhebliche Vorteile:
Vermeidung der Sozialkosten durch Arbeitslosigkeit
oder prekärer Beschäftigung und Vermeidung von
Mitnahmeeffekten staatlicher Zuschüsse durch die
Privatwirtschaft. Und es ermöglicht eine gravierende
Reduzierung der Arbeitslosigkeit mit allen weiteren
Vorteilen für die Betroffenen und den Staatshaushalt.
Öffentliche
Beschäftigung statt Arbeitsgelegenheiten mit
Mehraufwand
Februar 2008. Derzeit
finanziert die Bundesagentur für Arbeit
(BA) 282.000 sogenannte „Arbeitsgelegenheiten“
für Bezieher von Arbeitslosengeld II, darunter 265.000
Ein-Euro-Jobs. Das sind Arbeiten, für die von der BA
pro Stunde ein Euro oder etwas mehr zusätzlich zum
Arbeitslosengeld II gezahlt wird. Mit diesem Antrag
möchte das Erwerbslosen Forum Deutschland die
Stadt Bonn und die ansässigen Wohlfahrtverbände,
Vereine auffordern, dass sie auf die
Arbeitsgelegenheiten verzichtet und stattdessen die
Menschen regulär beschäftigen. Dies ist möglich, für
die Träger der Arbeitsgelegenheiten entstehen nur
geringe Mehrkosten.
Kosten für Ein-Euro-Job (Beispiel: Alleinstehender)
897,90 € Gesamtkosten für die Grundsicherung für
Arbeitssuchende plus mind.300 € Euro
Maßnahmenkostenpauschale plus 126 € Euro
Mehraufwandsentschädigung für 126
Arbeits-Stunden/Monat ergibt
Gesamtkosten von 1.323 Euro für gemeinnützige,
unproduktive Arbeit, ohne jegliche Wertschöpfung.
Würde man diesen Arbeitslosen für das gleiche Geld,
also für 1.323 Euro, eine versicherungspflichtige
Arbeit geben, würde sich folgendes ergeben:
Brutto-Lohn
1.323,00
(Kosten
Arbeitgeber 1.600,00)
Steuer und Sozialabgaben
371,54
Vorteile:
1. 371,54 Euro würden in Form von Steuern und
Sozialabgaben wieder an den Staat und in die
Sozialkassen zurück fließen.
2. Der Arbeitslose hätte 145 Euro mehr im Monat und
würde mit einem versicherungspflichtigen Job wieder
zur Gesellschaft gehören und nicht ausgegrenzt werden.
3. Die Kaufkraft wird gestärkt und damit die
Binnennachfrage angekurbelt
4. Langzeitarbeitslose würden wieder resozialisiert
werden und integriert werden.
5. Die Motivation des Arbeitenden steigt, im Gegensatz
zu einem 1 Euro Jobber der ohne Motivation ist.
6. Eine Produktive Arbeit bringt eine Wertschöpfung
und damit auch Konjunktur.
7. Der Arbeitslose kann eine Lohnabrechnung nachweisen
und ist bei einer Bank wieder kreditwürdig.
8. Der Arbeitgeber müsste nur eine geringen Zuschlag
auf das Gehalt zahlen. Damit würden aber die
Mitnahmeeffekte vieler professioneller
Beschäftigungsträger sofort eingedämmt.
Bei dem Bruttolohn von 1.323 Euro ergibt sich bei 126
Arbeitsstunden ein Stundenlohn von 10,50 Euro. Damit
würden wir gemäß der europäische Sozialcharta, zu der
sich die Bundesrepublik Deutschland bereits 1964
(BGBl. 1964 II,1261), bekannt hat, gerecht werden.
Nach der
Spruchpraxis des Sachverständigenausschusses des
Europarats muss das angemessene (Mindest) Entgelt
68% des nationalen Durchschnittslohns entsprechen. Gemäß
dem Statistischen Bundesamt liegt der
Durchschnittslohn für Arbeiter bei 15,89 Euro brutto,
68 % davon sind 10,80 Euro. Somit wäre in
Deutschland ein Mindestlohn 10,80 Euro anzusetzen.
Paritätischer fordert sozialen Arbeitsmarkt
18.03.2010. Knapp eine Million Menschen sind länger
als ein Jahr ohne Arbeit. Ursache ist weniger ein
Vermittlungsproblem, sondern fehlende Arbeitsplätze
und fehlende passgenaue Hilfen. Der Verband fordert
den Ausbau öffentlich geförderter, dauerhafter,
sozialversicherungspflichtiger Beschäftigung.
Überfällig sei die gesetzliche Absicherung von
Beschäftigungsunternehmen, die sich in der Praxis als
erfolgreiches Modell zur Wiedereingliederung von
Langzeitarbeitslosen erwiesen haben. Ihre Leistung
müsse anerkannt und auf eine solide gesetzliche und
finanzielle Basis gestellt werden. Von den bundesweit
ca. 1000 Beschäftigungsunternehmen gehören rund 350
zum Paritätischen. Insgesamt arbeiten in den
Beschäftigungsunternehmen der Freien Wohlfahrtspflege
mehr als 250.000 Menschen. Zur Quelle
Leiharbeit in der AWO -
Anspruch und Wirklichkeit. Nov.2010
3.4.4 Staat als
Miteigentümer
Staatliche Beteiligung an Großkonzernen,
insbesondere der gesellschaftlichen Grundversorgung
und der Pharma-, Finanz- und Versicherungswirtschaft.
Zur Kostendämpfung und wirksamen Umsetzung sozialer
und ökologischer Standards.
Mittel- bis langfristig nach fortgeschrittenem Erwerbstätigkeitsrückgang
wird der Schritt zur Umstellung von
marktwirtschaftlicher zu ausschließlich staatlicher
Daseinsvorsorge/Grundversorgung, Versorgung von
Nahrung, Pharmaprodukten und Konsumgütern immer
zwingender.
Rekommunalisierung und Verstaatlichung* (zumindest ethische
Kontrolle und soziale Einflussnahme durch staatliche
Unternehmensbeteiligung / Aktienmehrheit) von
marktbeherrschenden, multinationalen Konzernen ist
unabdingbar für eine sozialverträgliche Gestaltung
der Zukunft, in der Erwerbstätigkeit als
Lebensgrundlage ihre heutige Bedeutung verloren hat.
*Verstaatlichung
unter den Bedingungen einer absolut
transparenten demokratischen Kontrolle
Verstaatlichung
neuerdings modisch auch als Vergesellschaftung
bezeichnet. Warum? Bekennen wir uns doch wieder
zum Staat!
>>>In
Bearbeitung
3.4.5
Staat als Vorreiter
AZV und Mindestlohn im öffentlichen Dienst und
Berücksichtigung bei Vergabe öffentlicher Aufträge.
(Berücksichtigung der Sozialkostenbelastung des
Staates). Der Staat setzt nicht nur die
Rahmenbedingungen, er kann auch als Arbeitgeber
von rund 5 Millionen Beschäftigten im öffentlichen
Dienst eine höchst wirksame Vorreiterrolle übernehmen!
3.5 Soziale Sicherung zukunftssicher
gestalten
Die
gesamte Gesellschaft ist in die Finanzierung durch
entsprechende zweckgebundene Steuern und Abgaben
einzubeziehen. Gutverdienende Unternehmen zahlen durch
Arbeitsplatzabbau (Rationalisierung und Auslagerung)
immer weniger in die Sozialkassen und entziehen sich
ungehindert ihrer sozialstaatlichen Verpflichtung. Zur
Finanzierung des Sozialhaushaltes sind auch
Kapitaleinkünfte heranzuziehen, sowie hohe Einkommen
ebenfalls angemessen zu beteiligen. Eine Erhöhung der
Mehrwertsteuer wäre wenig hilfreich, da Endverbraucher
und damit die Versicherten hauptsächlich betroffen
wären.
Einführung einer Wertschöpfungsabgabe in D und
EU-Ländern zur Kompensation der Mehrbelastung der
Sozialversicherungen, insbesondere der Rentenkassen
wegen der abnehmenden Beschäftigung wie auch längerer
Ruhestandszeiten. Mehr unter Kap. 3.1.3 Einführung
einer Wertschöpfungsabgabe
Finanzierung der Alterssicherung auf stabile und
breitere Basis stellen:
Staatliche Regelungseingriffe zur Überwindung der
Erwerbskrise, siehe Kapitel 3.
Heranziehung von Tobinsteuer und
Wertschöpfungsabgabe, s.o.
Entlastung der sozialen Sicherungssysteme von versicherungsfremden Leistungen.
Erweiterung der Gesetzlichen
Rentenversicherung auf alle
Beschäftigten: Selbstständige, Beamte, Politiker und
abhängig Beschäftigte in einer GRV für alle.
Die "Erweiterung der Gesetzlichen Krankenversicherung
GKV zu einer Bürgerversicherung für alle,
auch Selbstständige, Politiker und Beamte und
Einbeziehung aller Einkünfte in die Finanzierung"
wollen Linke,
SPD
und Grüne
(ebenso wie VdK
KAB, SoVD und DGB).
Zur Quelle
(siehe Kasten "Kopfpauschale bzw. Gesundheitsprämie
der CDU")
Kosten im Alter senken durch
Bedarfsgerechte Regelungen für freie Nutzung
öffentlicher Verkehrsmittel, Preisermäßigung bei
Kleidungs- und Nahrungskauf und Besuch von
Veranstaltungen (Kultur, Bildung, Hobby, Sport,..),
usw.
Öffentlicher Ausbau oder Verstaatlichung von
Dienstleistungen und Einrichtungen der Versorgung,
Pflege und Betreuung. Kostenfreie bzw. kostengünstige
Wohnungen, insbesondere kostengünstige Altenwohn- bzw.
Pflegeheime, gebaut und verwaltet von staatlichen
Betrieben ohne Gewinnerzielung. In Konkurrenz zu
Privateinrichtungen, die gleichen Mindeststandards und
Kontrollen bei Leistung und Kosten unterliegen.
Organisation und Ausbau eines "Sozialen Jahres" oder
ähnlichem, bei normaler versicherungspflichtiger
Entlohnung, zur Erbringung von Pflege- und
Betreuungsleistung bei Hilfssbedürftigkeit Älterer.
Langfristig, wenn die Erwerbstätigkeit weiter
zurückgegangen ist und die darauf basierende soziale
Sicherung kaum noch aus Arbeitnehmer- und
Arbeitgeber-Beiträgen finanziert wird, ist eine
grundlegende Neuordnung für die Gesamtbevölkerung
Deutschlands, oder dann gegebenenfalls als EU weite
und letzlich global wirkende Lösung, zu gestalten.
Dazu gehören aus meiner Sicht als weitere
Voraussetzungen dass die Erwerbstätigkeitspotenziale
global weitgehend ausgeschöpft sind und der globale
Anpassungsprozess auf ein gemeinsames menschenwürdiges
Sozialniveau weit vorangeschritten ist.
Utopien, utopische Modelle sind reichlich
vorhanden.
Vorerst brauchen wir uns nicht mit dem "bedingungslosen
Grundeinkommen" und ähnlichem konkret
beschäftigen. Im Moment scheint das eher eine Chimäre
zur Installierung von allgemeinem Elend nach dem Motto
"Armut für (fast) alle" zu sein. Ausführlicher auf BGE nee Linke Okt.2010
Deshalb gilt es, die ganz profanen Lösungsschritte,
wie insgesamt hier angesprochen, erst einmal
umzusetzen. Realitätsbezogene Lösungen der Zukunft
sind von der zwischenzeitlichen Entwicklung abhängig.
Diese Entwicklung genau zu verfolgen ist
Voraussetzung, damit wir alle die erforderlichen
Weichenstellungen mitbestimmen und ihre korrekte
Umsetzung kontrollieren.
3.6 Internationale
Regelungen
Der Abbau der globalen wirtschaftlichen und
sozialen Ungleichheit ist auch die Chance für uns
alle. Der Abbau insbesondere von Auslandsschulden,
Agrar-Dumping, Börsenspekulationen auf Grundnahrung,
Korruptions - Duldung, Ausbeutung durch multinationale
Konzerne wie auch durch korrupte nationale
Herrschaftsausübung ist Voraussetzung zur Überwindung
von Hunger und Armut in den Ländern des Südens.
Gleichzeitig muss für die Opfer jegliche Hilfe,
humanitärer und technischer Art, geleistet werden.
"Es geht nicht darum, den Völkern des Südens mehr zu
geben, es geht darum, ihnen weniger zu stehlen".
Ein gewaltiges Potential an Arbeit und Produktion
beinhaltet der Nachholbedarf in den "armen Ländern"
zur Angleichung an den Lebensstandard in den
Industrieländern. Das ist auch möglich ohne Zerstörung
kultureller Identität. Wir dürfen uns nicht weiter
glauben machen lassen, das sei nur möglich, wenn wir
alle arm werden. Bzw. eine Zerstörung von Natur und
Umwelt sei damit zwangsläufig. Die Mittel und Wege
einer umweltverträglichen Energieversorgung und
industriellen Wirtschaft sowie einer ökologischen
Landwirtschaft stehen längst zur Verfügung und
brauchen nur konsequent angewendet werden.
Soziale
und ökologische Mindeststandards als Voraussetzung
für einen freien Welthandel.
Wirtschaftshilfe ist nur unter entsprechenden
Bedingungen zu gewähren. Keine öffentliche Förderung
für Firmen, die Arbeitsplätze ins Ausland verlagern.
Der Abbau von Schutzzöllen für einen freien Welthandel
ist richtig. Er setzt aber voraus das Produkte, die
durch Ausbeutung von Mensch und Natur (Hungerlöhne
ohne soziale Mindestabsicherung und Produktion ohne
mindeste ökologische Rücksichtnahme) nicht zu
konkurrenzlos niedrigen Preisen importiert werden
können. Eine solch ungezügelte Profitmaximierung hat
selbst in Niedriglohnländern zu
Produktionsverlagerungen in noch ärmere Länder
geführt. Da dies ein Problem aller Beschäftigten auf
der ganzen Welt ist und die Volkswirtschaften aller
Staaten schädigt, sind entsprechende internationale
Schutzmaßnahmen längst überfällig; zum Beispiel
durch Besteuerung von Importen aus Ländern
ohne verbindliche und nachkontrollierbare soziale und
ökologische Mindeststandards.
Zur Einführung sozialer und ökologischer
Mindeststandards gegen erbitterte Widerstände sind
entsprechende Strategien gefragt. Mögliche Ansätze:
1. Schritt Einführung in EU:
Kennzeichnung der Produkte und Kontrollmöglichkeit der
Lieferanten und der Produzenten vor Ort.
Umsatzsteuer-Senkung für diese Produkte gemäß dieser
Standards bzw. Umsatzsteuer-Erhöhung für Produkte ohne
Berücksichtigung dieser Standards.
Umsatzsteuer-Erhöhung gezielt verwendet für die
soziale Sicherung.
2. Schritt: Einführung in beitretenden weiteren
Staaten.
Begleitende Schritte:
o Hilfeleistung und Entwicklungshilfe nur
kontrolliert durchführen. Nachweispflicht eingesetzter
Mittel durch das Empfängerland
o Internationale Besteuerung von
Kapital-Transaktionen zur Mitfinanzierung der
sozialen Sicherung (attac).
|
Der jährliche
Hungertod von mehreren zehn Millionen
Menschen ist der Skandal unseres
Jahrhunderts.
Alle fünf
Sekunden verhungert ein Kind unter zehn
Jahren.
"Ein Kind, das
am Hunger stirbt, wird ermordet."
Jean Ziegler nennt Banken und
Konzerne „Massenmörder“. Zehn
weltumspannende Konzerne kontrollieren 85
Prozent der weltweit gehandelten
Grundnahrungsmittel. Seit Sommer 2011
herrscht in fünf Ländern am Horn von Afrika
die tödliche Bedrohung einer Hungersnot. Der
World Food Report der UNO sagt, dass die
Weltlandwirtschaft heute problemlos fast 12
Milliarden Menschen, also fast das Doppelte
der Weltbevölkerung, ernähren könnte.
Ziegler führt unter anderem das
Spekulationsverbot für Lebensmittel, eine
Ratifizierung des Rechtes auf Nahrung,
Verbot der Herstellung von Biokraftstoffen
aus Nahrungspflanzen und die Zerschlagung
des globalen Kartells der Kraken des
Agrarrohstoff- und Nahrungsmittelhandels als
Waffen gegen den Hunger an.
Aber
„Was vor allem fehlt, ist der Wille der
Staatengemeinschaft.
Der Schweizer Soziologe und
Globalisierungskritiker Jean Ziegler in
seinem September 2012 herausgegebenen Buch
"Wir lassen sie verhungern - die
Massenvernichtung in der Dritten Welt"
|
Kap.4 Ursachen
der Massenarbeitslosigkeit - Was muss geändert
werden
Mitte
der sechziger Jahre befürchteten immer mehr Fachleute,
dass die voranschreitende Automatisierung der
Produktion große Entlassungswellen und bisher nicht
gekannte Brüche in den Erwerbsbiografien mit sich
bringen wird. In den 90er Jahren beherrschte das Thema
Arbeitsplatzverluste durch die Globalisierung bis
heute die öffentliche Diskussion. Es entsteht heute
leicht den Eindruck, "die Chinesen" seien an der
deutschen Arbeitslosigkeit schuld. Tatsächlich gehen
aber mehr Arbeitsplätze dadurch verloren, das z.B.
große Automobilfirmen jährliche
Produktivivtätszuwächse von 5% verzeichnen.
|
Fachkräftemangel trotz
Massenarbeitslosigkeit?
Der von Wirtschaft und einvernehmlicher
Politik seit Jahren beschworene
Fachkräftemangel steht auch aktuell im
Widerspruch zur Realität: Millionenfache
Arbeitslosigkeit und prekäre Beschäftigung
von der auch viele hochqualifizierte
Fachkräfte, Ingenieure und andere
MINT-Berufe betroffen sind. Anzeichen für
einen Fachkräftemangel können z. B.
überdurchschnittliche Gehaltsentwicklungen
einer Fachrichtung sein. In der
marktwirtschaftlichen Praxis liegen diese
Anzeichen regelmäßig nicht vor. Im
Gegensatz zum fast täglichen
Medien-Bombardement von "Jobwunder" und
"Fachkräftemangel" werden nachstehend
Berichte und Studien angeführt, die mit
Fakten belegt das Fazit ziehen: "Es gibt in Deutschland
keinen generellen Fachkräftemangel".
Der
Mehrzahl der Berichte, Studien und Analysen
zum Fachkräftemangel sind oft zwei Auffälligkeiten gemein:
1. Fachkräftemangel wird für die Zukunft
prognostiziert, dann aber als aktuelles
Problem behandelt.
2. Die Prognosen stützen sich schlicht auf
den demografischen Wandel mit der schon fast
selbstverständlich scheinenden
Unterstellung, dass damit
Arbeitskräftemangel und resultierend
Fachkräftemangel zwangsläufig sei.
Die Tatsache auch
zukünftig fortschreitender
Produktivitätssteigerung mit weiter
steigender Verdrängung menschlicher
Erwerbstätigkeit durch Automatisierung und
elektronische Datenverarbeitung, d.h. auch
künftig zunehmende Arbeitslosigkeit wird in
solchen Arbeiten unzulässigerweise schlicht
ignoriert... zum vollständigen
Bericht
|
Die
dramatischen Veränderungen der Arbeitswelt betreffen
alle Industrieländer. Nicht nur in ganz Europa sondern
weltweit wurden Werke geschlossen, Arbeitsplätze
abgebaut und Löhne reduziert. Japan erlebt Anfang der
1990er Jahre eine Talfahrt, einschließlich
Werkschließungen: In 1992 und 1993 mussten 275
Präsidenten der 2114 börsennotierten Konzerne ihren
Hut nehmen.
Seit den 1970er Jahren nimmt die Beschäftigung nicht
mehr mit dem Wirtschaftswachstum zu. Steigende Umsätze
bedeuten nicht automatisch zunehmende
Beschäftigungszahlen.
Viele Einflüsse wirken auf den Arbeitsmarkt:
Konjunkturschwankungen, Wirtschaftskrisen,
Strukturveränderungen, Globalisierung, Arbeitskosten,
steigende Frauen-Erwerbstätigkeit, Arbeitsmarktöffnung
für Ausländer, Schwarzarbeit, Finanz/Steuerpolitik,
der technische Fortschritt.
Ihre Einflüsse werden im nachfolgenden beschrieben und
gewertet.
Das zentrale Anliegen ist das Herausarbeiten der
wesentlichen Ursache für die mittlerweile über 30
Jahre andauernde Massenarbeitslosigkeit und wachsender
prekärer Beschäftigung als Voraussetzung nachhaltige
Lösungen zu ihrer Überwindung zu finden und in einer
breiten öffentliche Diskussion ihre politische
Umsetzbarkeit zu erreichen.
4.1 Lohn und Lohnnebenkosten
- Scheinlösung Billiglöhne
Mit der
Senkung der Lohnkosten könnten wieder
wettbewerbsfähigere Preise gemacht, neue Aufträge
hereingeholt und so Arbeitsplätze gesichert werden.
Politiker fordern statt Lohnsenkungen lieber eine
Senkung von „Lohnnebenkosten“. Das lässt sich leichter
vermitteln. Tatsächlich ist es gleich, ob man die
„Lohnnebenkosten“ oder gleich die Löhne senkt. Sobald
man die gesamtwirtschaftlichen Folgen einbezieht wird
klar: Löhne sind nicht nur Kosten. Sie bestimmen
gleichzeitig die gesamtwirtschaftliche Nachfrage.
Ebenso wie sinkende Löhne vermindern sinkende
„Lohnnebenkosten“ die gesamtwirtschaftliche Nachfrage.
Die Beiträge zur Sozialversicherung fließen über die
Sozialversicherungen direkt in Form von
Arbeitslosengeld oder Renten den Haushalten zu, die
damit ihre Nachfrage finanzieren. Oder mit ihnen
werden Sachleistungen wie Rollstühle oder Krankenhaus
- Aufenthalte finanziert. Kürzungen führen also sofort
zu Einschnitten bei der Binnennachfrage.
Der Niedriglohnsektor in Deutschland wächst. Nach
Untersuchungen des IAB hat sich der
Niedriglohnbereich seit 1997 kontinuierlich erhöht
und umfasste 2001 bereits 17,4 % der
Vollzeitbeschäftigten. Im europäischen Vergleich
liegt der Niedriglohnsektor in Deutschland mit 0,7 %
über dem europäischen Durchschnitt, allerdings ist
jedoch die Möglichkeit, aus dem Niedriglohnsektor
auszusteigen im Vergleich zu anderen EU-Staaten am
niedrigsten. Die im Niedriglohnsektor Beschäftigten
sind auch nicht nur gering qualifiziert (was die
Ausgangsposition der Lohnsenkungsverfechter ist),
sondern verfügen oft über eine Berufsausbildung oder
einen Hochschulabschluss.
Zwei Drittel der Niedriglohnbeschäftigten haben
eine abgeschlossene Berufsausbildung und nur ein
Viertel übt tatsächlich eine einfache Tätigkeit aus.
Der Anteil der ausländischen Beschäftigten im
Niedriglohnbereich macht nur knapp neun Prozent aus.
Zwei Drittel der Niedriglohnbeschäftigten sind älter
als 30 Jahre. Vor allem entscheidet die Beschäftigung
in bestimmten Wirtschaftsbereichen über die
Einkommenshöhe. Gut 80 % der Niedriglohnbeschäftigten
arbeitet in Klein- und Kleinstbetrieben, 63 % im
Dienstleistungssektor, etwa 17 % in Privathaushalten.“
Zur Quelle
Kombilohn - Subventionierung des
Niedriglohnsektors.
Der Kombilohn soll sicherstellen, dass einfache
Arbeiten auch dann existenzsicherndes Einkommen
abwerfen, wenn eine aus Arbeitgebersicht akzeptable
(rentable) Entlohnung nicht ausreicht. Der Staat
erhöht das Arbeitseinkommen durch einen Zuschuss.
Vordergründig profitiert der Betroffene, weil er etwas
mehr Lohn erhält. Dafür hat er kaum noch eine Chance,
aus dem Niedriglohnsektor herauszukommen, weil
Unternehmen diese Billigjobs gerne nutzen. Ein
riesiger dauerhafter Subventionsbedarf würde
entstehen. Hohe Anfälligkeit gegen Missbrauch
(Entlassungen, um die Betroffenen mit Kombilohn wieder
reinzuholen) und Mitnahmeeffekte. Die Gefahr ist groß,
die Niedriglöhne noch
mehr abzusenken.Tariflandschaft gerät unter
die Lohndrückerei. Zur Quelle
Unser hoher Exportanteil belegt die hervorragende
internationale Konkurrenzfähigkeit heimischer
Produkte. Bei allem hinlänglich bekannten Gejammer
unserer Unternehmer, besonders zu Zeiten auslaufender
Tarifverträge, dürfen wir nicht übersehen, dass
heimische Produkte immer noch hervorragende
konkurrenzfähige Verkaufschancen bieten und seit
Jahrzehnten bis heute einen oberen Platz in der
Export-Weltrangliste sichern. Wir sollten uns nicht
Glauben machen lassen, der Weltuntergang sei nahe,
wenn andere Länder auch einmal mit dem einen oder
anderen Produkt bessere Geschäfte machen.
Lohnnebenkosten - maßlose Überschätzung des
Einflusses auf die Arbeitslosigkeit.
Es ist mittlerweile zum Schlagwort geworden, daß die
Lohn- und Lohnzusatzkosten in Deutschland die
Beschäftigung beeinträchtigen. Die Fakten sehen anders
aus:
Seit 1995 nehmen die Lohnstückkosten - der Maßstab für
die Arbeitskostenbelastung der Unternehmen - in
Deutschland deutlich weniger zu als in allen führenden
Industrieländern mit Ausnahme des krisengeschüttelten
Japans. Durch die hohe Arbeitsproduktivität waren
Lohnstückkosten in D immer niedriger als im EU-Schnitt
und in vielen konkurrierenden Industrie-Staaten.
Trotzdem wurde die Lohnhöhe in Deutschland stark
abgesenkt in den letzten Jahren, siehe OECD-Vergleich.
Nachbarländer wie Frankreich beanstanden mittlerweile
Wettbewerbsverzerrungen durch das niedrige Lohnniveau
in D. Zudem haben wir in Deutschland ein hohes
Preisniveau. Viele Produkte, auch Mieten, Immobilien
sind im Ausland preisgünstiger. Auch wird die Qualität
des Standortes Deutschland neben den Lohnkosten vor
allem von den vorteilhaften Infrastrukturgegebenheiten
und dem hohen Qualifikationsstand der Arbeitnehmer
bestimmt.
Lohnnebenkosten könnten um 7 bis 8
Beitragssatzpunkte sinken
Merkwürdige politische Zurückhaltung.
Die Größenordnung der als versicherungsfremd
angesehenen Leistungen beziffert Schmähl* für 1995 im
Gesamtvolumen auf 135 Mrd. DM... mehr
*Winfried Schmähl,
Wirtschaftsprofessor, 1986 bis 2000 Vorsitzender des
Sozialbeirates der Bundesregierung.
Warum 2%
Senkung der Lohnnebenkosten die Wettbewerbsfähigkeit
verbessern sollen, eine Verteuerung des Euro um
29% trotzdem einen Exportrekord zulässt?
Aus Nachdenkseiten.de,
erstellt am 19.04.2005
Der gesamte Personalaufwand aller deutschen
Unternehmen betrug 2001 17,4% des Umsatzes. Eine
2%-ige Senkung der Lohnebenkosten schlüge mit 0,35%
der unternehmerischen Kostenrechnung zu Buche. Die
Senkung der Lohnnebenkosten wird in der politischen
Debatte und in der Agenda 2010 als eines der
wichtigsten Ziele zur Verbesserung der
Wettbewerbsfähigkeit behandelt. Der Euro hatte von
2002 auf 2003 einen Wertzuwachs gegenüber dem
US-Dollar um 29% . Trotz der verteuerten Exporte war
das Jahr 2004 für die deutsche Exportwirtschaft
dennoch ein absolutes Rekordjahr. Offenbar wird bei
der Wettbewerbsfähigkeit mit zweierlei Maßstäben
gemessen....
Die
Handwerkskammern in Bayern veranschlagten 2003
die Kosten für eine Handwerkerstunde auf 43 Euro.
Würde man die Sozialabgaben, wie von der Union
gewollt, um 2 Prozentpunkte senken, würde dies die
Kosten einer Handwerkerstunde um ganze 25 Cent senken.
Die Nachfrage nach Handwerkerleistungen würde das kaum
erhöhen. zur Quelle
Billigwaren zerstören unsere
Existenzgrundlage.
Heimische wie Importprodukte, die zu Hungerlöhnen,
ohne vergleichbare soziale Leistungen, hergestellt
wurden, können in Billiglohnländer wegen dadurch
fehlender Kaufkraft kaum abgesetzt werden. Bei uns
zerstören sie unsere Erwerbsgrundlage und die
Existenzgrundlage unserer Firmen, die nicht mit
solchen Preisen konkurrieren können. Billiglöhne sind
keine Lösung. Nicht für Menschen, die aus der
Erwerbstätigkeit ihr Dasein zu bestreiten haben und
auch nicht für funktionierende Volkswirtschaften.
Solche volkswirtschaftlich schädlichen
Verhaltensweisen gehören in die öffentliche Kritik.
Wenn alle Unternehmer sich so volkswirtschaftlich
schädlich verhielten, wäre der heimische Binnenmarkt
bald zerstört. Im Billiglohnland müssten dann entweder
vergleichbare Löhne und Gehälter gezahlt werden oder
die Existenzgrundlage geht verloren. Ein langsamer
Prozess neuer Ausbeutung der, zugegeben, etliche Zeit
saftige Profite ermöglicht. Da dies alle Länder und
nicht nur Deutschland betrifft, bestehen eigentlich
gute Gründe solchen Versuchungen einen für alle
geltenden Riegel vorzuschieben. Konzerne oder der
Markt sind hier überfordert. Es ist müßig auszumalen
welches Elend und Not mit oben genannten ungebremsten
Prozessen über alle Länder käme und die letztlich auch
zu (dann aber vielleicht blutigen) Korrekturen
führten. Volkswirtschaftliche Vernunft sollte zu
gemeinsamen Lösungen von Politik und Wirtschaft über
alle Grenzen hinweg gegen dieses Fehlentwicklung fähig
sein. Lösungen können nur von einer
verantwortungsvollen gemeinsamen Politik geleistet
werden.
4.2 Längere Arbeitszeit?
Verlängerung
der Wochen-Arbeitszeit
Arbeitszeitverlängerung erhöht die Arbeitslosigkeit
und senkt die Einkommen. Bei längerer Arbeitszeit wird
für die gleiche Arbeit weniger Personal benötigt.
Arbeitszeitverlängerung dient im Wesentlichen dazu,
die Arbeitskosten zu senken, denn für die Verlängerung
der Arbeitszeit soll es ja keinen Lohnausgleich geben.
Das heißt, die Stundenlöhne oder auch die
Lohnstückkosten sinken.
Verlängerung der Lebens-Arbeitszeit - Rente ab 67
Ab dem Jahre 2012 soll die Regelaltersgrenze von heute
65 Jahre in Stufen auf 67 Jahre (ab 2029) angehoben
werden. Wer früher in Rente geht (in der Regel wird
dies frühestens nach Vollendung des 63. Lebensjahres
möglich sein), erhält pro Monat vorverlegten
Rentenbezugs eine dauerhafte Kürzung der Altersbezüge
um 0,3% - maximal also 14,4%.
Es geht nicht darum, bis 67 zu arbeiten, es geht darum
erst mit 67 Rente zu bekommen. Millionen von Menschen
erreichen nicht mal das bisherige Renteneintrittsalter
... Die erwartete Entlastung von 0,25 % für
Arbeitnehmer steht in keinem Verhältnis zu den
resultierenden Nachteilen. Was in der Rentenkasse
eingespart werden soll, wird von den höheren
Arbeitslosenkosten und Beschäftigungsfördermassnahmen
wieder "aufgefressen", letzlich Kostenschieberei "von
der linken in die rechte Tasche" des Sozialbudgets. Mehr
Überstunden
Laut DIW sank
der Anteil der voll bezahlten an allen geleisteten
Überstunden von rund 50 Prozent Anfang der 90er Jahre
auf 15 Prozent im Jahr 2005. Ein Drittel der
Mehrarbeit wurde überhaupt nicht kompensiert, sondern
durch unbezahlte Überstunden erbracht.
Ähnlich rechnete im Februar 2009 auch das Institut für
Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB). Das IAB
bezifferte das Volumen der pro Jahr geleisteten
Überstunden auf 1,32 Milliarden Stunden: "Dazu kommen
unbezahlte Überstunden in ungefähr der gleichen
Größenordnung." WSI-Leiter Hartmut Seifert kam im
April 2008 zu dem Schluss, dass der Trend zu längeren
Arbeitszeiten "seit gut fünf Jahren ungebrochen"
anhält und im Durchschnitt "jeder Beschäftigte pro
Woche 0,7 Überstunden leistet, die nicht vergütet
werden". Aus: "Arbeit zum Nulltarif"
Thorsten Stegemann 16.03.2009
Welt, 3.März 2008. Die Zahl der Überstunden in
Deutschland ist nach Berechnungen des Nürnberger
Arbeitsmarkt-Instituts IAB im Jahr 2007 auf rund drei
Milliarden Überstunden, den höchsten Stand seit fünf
Jahren, gestiegen. Laut der Erhebung ist die Zahl der
bezahlten Überstunden um rund fünf Prozent auf 1,477
Milliarden gestiegen. Dazu kommen den IAB-Experten
zufolge unbezahlte Zusatzstunden in mindestens der
gleichen Größenordnung. Jede zweite Überstunde leisten
die Arbeitnehmer demnach, ohne dafür bezahlt zu
werden. Unbezahlte Überstunden fallen nach Angaben von
DIW-Experten vor allem in Handel, Gastronomie, Banken
und Versicherungen an. Rechnerisch leiste damit jeder
Vollzeitbeschäftigte zwei Überstunden pro Woche.Doch
liegt die tatsächliche Belastung von
Vollzeitbeschäftigten mit Mehrarbeit eher bei sechs
Stunden in der Woche. Denn nicht jeder Beschäftigte
leistet überhaupt Überstunden. zur Quelle
4.3
Globalisierung
Der
weltweit intensivierte Waren- und Wirtschaftsverkehr
ist grundsätzlich ein notwendiger und zwangsläufiger
weltweiter Anpassungsprozess. Die Kritik richtet sich
nicht gegen das "ob" sondern gegen das "wie". Der
Export-Weltmeister Deutschland ist einer der Gewinner
der Globalisierung. Er ist auf ausländische Kunden
angewiesen. Wer Märkte erweitern oder neue erschließen
will, muss gegebenenfalls auch vor Ort investieren, um
kundennah agieren zu können. Damit stärkt ein
Unternehmen seine internationale Wettbewerbsfähigkeit
und sichert auch Arbeitsplätze.
Entscheidend ist, warum sich ein Unternehmen im
Ausland engagiert. Geht es darum, mehr Produkte
überall auf der Welt abzusetzen, dann hat das meist
keine nachteiligen Folgen für den hiesigen
Arbeitsmarkt. Im Gegenteil.
Die Drohung von Wirtschaftsfunktionären aber, Firmen
gingen weg, wenn die Lohnkosten nicht noch weiter
gedrückt würden, hat Porsche-Chef Wendelin Wiedeking
jüngst so kommentiert: "Wir verarmen, wenn wir
asiatisch werden wollen." Soll heißen: Es ist
volkswirtschaftlicher Unsinn, hierzulande Niedriglöhne
zu zahlen, weil dann die Kaufkraft sinkt und die
Hersteller ihre Waren nicht loskriegen.
Für transnationale Unternehmen mit Sitz in Deutschland
oder in einem anderen Industrie- Land ist die
Verlagerung der gesamten Herstellung nach Osteuropa
oder in Entwicklungsländer (vornehmlich nach China)
sehr vorteilhaft: Der Rückgriff auf Subunternehmer
ermöglicht eine Senkung der Kosten und eine Steigerung
der Flexibilität, weil viele Risiken auf die
abhängigen Zulieferer abgewälzt werden können.
Zugleich ist das "out-contracting" ein geeignetes
Mittel, um sich der rechtlichen Verpflichtungen und
der Verantwortung für all jene Arbeitskräfte zu
entledigen, die zwar ökonomisch von den
"Führungsfirmen" abhängig, in einem rechtlichen Sinne
jedoch als unabhängig gelten. Die Verletzung von
international geltenden "Kernarbeitsnormen" und von
national geltendem Arbeits- und Sozialrecht bei
Zuliefererbetrieben kann dann dem unterentwickelten
Rechtsverständnis und defizitären Aufsichtsstrukturen
in den so genannten "Billiglohnländern" angelastet
werden.
Die Krise der globalen Arbeit besteht daher nicht
allein in einer historisch einmalig hohen
Arbeitslosigkeit (von 190 Millionen offiziell
registrierten Arbeitslosen), sondern mehr noch darin,
dass die Hälfte der Arbeiterschaft in der Welt (1,4
Mrd.) trotz z.T. härtester Arbeit nicht genügend
verdient, um es über die Armutsgrenze von 2 Euro pro
Tag und Person zu bringen. Aus "Arbeit und
Globalisierung" von Dr. Birgit Mahnkopf
Auslagerung
der Produktion ins Ausland
Die Globalisierung ist der Jobkiller Nummer 1 und
Hauptursache der Massenarbeitslosigkeit glauben viele.
Die FAZ berichtete
am 14. Juni 2005 in einem Artikel über
Globalisierungsauswirkungen auf die Textilindustrie:
"Die Billigkonkurrenz aus Osteuropa und Asien hatte
einen dramatischen Aderlaß in der Textil- und
Bekleidungsindustrie zur Folge. „In den zehn Jahren
bis 2003 gingen in Europa eine Million Stellen
verloren. Im Jahr 2004 waren es nochmals 165000
Stellen", so derTextilverband Euratex. Die
einstmals so stolze Branche - ein Schatten ihrer
selbst - beschäftigt in ganz Europa noch 2,5 Millionen
Menschen und setzt rund 215 Milliarden Euro um.
Hiesige Textil- und Bekleidungsindustrie - in 35
Jahren ist die Mitarbeiterzahl um vier Fünftel
geschrumpft. Von 385.000 Beschäftigten im Jahr 1970
sind heute noch 42.500 übrig geblieben - mit weiter
sinkender Tendenz. „Die Bekleidungsindustrie
produziert heute zu 95 Prozent im Ausland”.
Was allerdings nicht im Bericht erwähnt ist: Diese
Arbeitsplatzverluste beinhalten erhebliche
Automatisierungs- und Rationalisierungseffekte der
Textilindustrie, die bereits im heimischen Markt
wirksam wurden.
Zum Beispiel Textilbetrieb F. A. Kümpers, Rheine,1984:
>>Mehr als 120 moderne Webmaschinen sind im
Einsatz, 15 weitere Maschinen neuester Bauart, Marke
"Sulzer", werden gerade aufgestellt. Sie weben bis zu
60 000 Meter Stoff am Stück auf gewaltige Tuchrollen,
sechs Tage in der Woche, insgesamt 144 Stunden lang.
Kaum noch 100 Beschäftigte kümmern sich in vier
Sechs-Stunden-Schichten um die Produktion. Rund 20
Millionen Mark hat Kümpers in den letzten Jahren in
neue Maschinen, Automaten, Roboter und Computer
gesteckt. Die Belegschaft der Spinnerei und Weberei
wurde, bei gleichbleibender Produktion, seit 1970 von
1700 auf 800 gedrückt. Auch künftig will Kümpers
Personal durch Rationalisierung einsparen, zur
"weiteren Steigerung unserer Produktivität".<<
Zur Quelle
(PDF)
Zu welchen Arbeits- und Lebensbedingungen die
Billiglohn-Produktion realisiert wird, berichtet die FAZ im Mai 05 am Beispiel der
jungen Chinesin Frau Li: Sie ist fleißig, schläft in
einem Schlafsaal neben der Fabrik und fährt nur in der
"Golden Week" für ein paar Tage in ihr Heimatdorf.
Sechs Tage in der Woche arbeitet sie für einen guten
Euro pro Stunde unter Neonlicht, vor ihr und hinter
ihr die Reihen der anderen Näherinnen... Und es
geht um den Marktkampf zwischen China und dem
Westen...
4.4 Technischer Fortschritt - Steigende
Produktivität
Wachstum
ohne Beschäftigung
Die technische Entwicklung ermöglicht nie gekannte
Produktivitätssteigerungen. Die fortschreitende
Automatisierung betrifft alle Bereiche, Industrie,
Dienstleistung und Landwirtschaft. Hochintegrierte
Mikroelektronik ermöglicht Entwicklung neuer Produkte
mit dramatisch abnehmendem Fertigungsinhalt.
Fortschreitende Automatisierungen der
arbeitsintensiven Fertigungsprozesse führen zusätzlich
zu Arbeitsplatzreduzierungen und Konzentrationen auf
immer weniger Standorte. EDV-Programme ersetzen
zunehmend geistige Routinearbeiten und damit
Beschäftigte in Industrie, Verwaltung, Versicherungs-
und Finanzwirtschaft, Dienstleistungsgewerbe bis in
Handwerker-Büros. Die Zunahme hochautomatisierter
Produktionsanlagen, großer Datenbanken, überhaupt
kapitalintensiver Einrichtungen, erhöht den Anteil an
Schichtarbeitsplätzen.
Der Fortschritt der Informationstechnologie hat diesen
Prozess wesentlich verstärkt, so dass der
Dienstleistungssektor nicht wie vor Jahren noch
propagiert "freigesetzte" Arbeitnehmer aufnehmen
kann. Es fallen nicht nur einfache Arbeitsplätze mit
Routinetätigkeiten in Fabrikation und Büros weg, auch
komplette Verwaltungsebenen, komplette Fabriken und
auch komplette Firmen durch den aufgrund von
Überkapazitäten verschärften Wettbewerb. Steigende
Umsätze bedeuten nicht automatisch zunehmende
Beschäftigungszahlen. Das ist der wesentliche
Unterschied zu früheren Zeiten: Technische Erfindungen
und Verbesserungen sind von Anfang an mit der
menschlichen Entwicklung verknüpft, wenn auch in
diesen Ausmaßen erst im 18. und 19. Jahrhundert mit
der ersten industriellen Revolution. Bisher konnten
diese Produktivitätsfortschritte durch mehr Umsatz
oder Ausweichen in andere Tätigkeitsfelder
ausgeglichen werden. Heute würde Vollbeschäftigung
durch Produktivitätssteigerung Wachstumsraten
erfordern, die ein hohes Produkt-Überangebot zur Folge
hätte.
Die Zeiten, in denen die Zahl der bei einem
Konjunkturaufschwung neugeschaffenen Arbeitsplätze
größer war als die Zahl der zuvor durch
Rationalisierungen vernichteten Arbeitsplätze (oder
zumindest gleich groß), sind seit Mitte der 1970er
Jahre vorbei. Unter dem Strich nimmt die Arbeit ab:
Das Arbeitsvolumen ist kontinuierlich
gefallen, trotz parallel deutlich steigender
Wertschöpfung. Häufig wird Produktivität
und Arbeitsmarkt-Entwicklung dargestellt auf Basis der
Arbeitsplatz-Zahlen. Das ist nicht eindeutig
aussagekräftig, weil nicht bekannt ist, wie vielen
Arbeitstunden der gezählte Arbeitsplatz entspricht.
|
Aufgrund der Arbeitsproduktivität
sinkt das Arbeitsvolumen in Deutschland
seit 1960.
Das Arbeitsvolumen sinkt, wenn die gesamte
Wirtschaftsleistung eines Landes (BIP)
langsamer wächst als die
Arbeitsproduktivität (AP =
Wirtschaftsleistung der Beschäftigten pro
Stunde). Dies war in Deutschland langfristig
seit 1960 immer der Fall, d.h. die
Arbeitsproduktivität ist im Dekadenvergleich
immer schneller gewachsen als das BIP.
Diese Entwicklung hatte zur Folge, dass das
Arbeitsvolumen
von 1960 mit 57 Mrd Stunden bis 1990
auf rund 47 Mrd Stunden sank
im vereinigten Deutschland von 1991
mit 60 Mrd bis 2012 auf rund 58 Mrd
Stunden sank.
Die Erwerbstätigenzahl nahm jedoch
zu, durch "unterschiedlichste" Verkürzung der
Arbeitszeiten in diesem Zeitraum:
Von 1960 mit ca 26 Millionen bis
auf ca 30 Millionen in 1990
Von ca 39 Millionen in 1991 auf
ca 41 Millionen in 2011. (2013:
41,8 Millionen)
(Mehr hierzu unter
"Arm trotz Arbeit -Prekäre Beschäftigung" in
Kap.1.2)
Produktivitätssteigerung im Export führte
2006 zur Entlassung von 33.000
Mitarbeitern in Deutschland.
„Das exportorientierte verarbeitende Gewerbe
hat durch enorme Produktivitätssteigerung mit
seinen 5,9 Mio. Beschäftigten im Jahr 2006 den
Gesamtumsatz um 6,5 % erhöht. Das führte
trotzdem zur Entlassung von 33.000
Mitarbeitern.“
(Andererseits wäre ohne die Beschäftigung im
Exportgewerbe die Arbeitslosigkeit hierzulande
noch höher).
Gegenwärtig würden 31,8 Mio. Erwerbstätige
in Vollzeit (40 Stunden /Woche) zur
Bewältigung des Arbeitsvolumens ausreichen,
so dass ca. 13 Mio. Menschen von offener
Arbeitslosigkeit betroffen wären.
Bei einer seit 2005 in der Diskussion
befindlichen Verlängerung der regulären
Arbeitszeit auf 48 Stunden pro Woche (analog
1956) wäre die Zahl der Arbeitslosen noch
höher (ca. 18,5 Mio.).
Hingegen würde eine Gleichverteilung von
Arbeit bei einem aktuellen
Erwerbspersonenpotential von 44,5 Mio.
Menschen zu einer Wochenarbeitszeit von ca. 30
Stunden führen.
Quellen: Wikipedia Sozialpolitik
aktuell
|
Steigende
Produktivität der Arbeit führt immer weniger dazu,
dass neue, qualitativ hochwertige Arbeitsplätze
entstehen. Ganz im Gegenteil, tagtäglich ist in den
Zeitungen zu lesen, dass namhafte deutsche
Unternehmen, die Milliardengewinne einfahren,
Stellenstreichungen ankündigen, die oftmals weit mehr
als 10 Prozent der Belegschaften betreffen. Wenn indes
neue Stellen geschaffen werden, weisen diese in aller
Regel ein oder gleich mehrere Merkmale der Prekarität
auf; vor allem aber liegen die Verdienste bei den
neuen Jobs meist unter den Einkommen, die auf den
"guten", nunmehr wegrationalisierten Arbeitsplätzen
erzielt wurden.
Einige
Daten und Angaben zum technischen Fortschritt und
Verlust von Arbeitsplätzen
Die Erwerbsarbeit
wird weniger. Von den etablierten Parteien und der
Wirtschaft wird das marginalisiert oder
totgeschwiegen. Allenfalls wird die stärkere Abnahme
"niedrigqualifizierter Arbeit" mit Hinweis auf
"Zunahme höher qualifizierter Arbeit" vernebelt. Bei den Recherchen
über quantitative Aussagen und Statistiken zu
Produktivitätsentwicklung und technischem
Fortschritt war auffällig, dass fast keine aktuellen
Daten öffentlich zugänglich sind. Eine
Bibliotheksrecherche hierzu bei der Friedrich Ebert
Stiftung verlief ergebnislos. Dokumentationen des Mainstreams,
professoralen Gutachten und Wirtschaftsstudien ist
oft ein Phänomen gemeinsam: Nach dem obligatorischen
Dementi zum dominierenden Einfluss der Produktivität
auf die Massenarbeitslosigkeit, folgt eine
ausgiebige Auseinandersetzung mit möglicher
künftiger Ersatzbeschäftigung für sozialversicherte
Erwerbstätigkeit.
|
Zweifellos ist der Arbeitsmarkt vielen
Einflüssen mehr oder weniger ausgesetzt:
Dominierenden Einfluss auf
die Massenarbeitslosigkeit hat die
technische Entwicklung mit stetig
zunehmender Produktivität:
Wachstum ohne Beschäftigung.
Es kann immer
mehr produziert werden mit immer weniger
Menschen.
Das Arbeitsvolumen nimmt ab trotz
steigender Wertschöpfung.
|
Kontinuierliche
Abnahme der gesellschaftlich notwendigen Arbeit (im
Sinne der Erwerbsarbeit) in unserer hochentwickelten
Gesellschaft in Folge einer enormen
Produktivitätssteigerung:
In der Zeit von 1970 bis 1995 ist in Deutschland das
Sozialprodukt pro Kopf der Bevölkerung um 60%
gestiegen, gleichzeitig ist die dafür notwendige
Arbeitszeit um über 20% gesunken
(Kommission fürZukunftsfragen der Freistaaten Bayern
und Sachsen, Teil 2 1997)
In den
20 größten Volkswirtschaften der Welt wurden zwischen
1995 und 2002 in der Produktion 31 Mio Stellen
gestrichen. Im gleichen Zeitraum verlor China über 15
Millionen Fabrikarbeitsplätze.
Quelle: "Das Ende der Arbeit und ihre Zukunft" Buch
von Jeremy Rifkin, 2005*.
Jeremy Rifkin ist ein
US-amerikanischer Soziologe, Ökonom, Publizist . Er
unterrichtet unter anderem an der Wharton School der
Universität von Pennsylvania und ist Berater
diverser Regierungen und auch der EU-Kommission.
Lothar
Späth und der frühere McKinsey-Manager Herbert A.
Henzler haben im Jahr 1993 eine Berechnung angestellt:
Was würde passieren, schöpfte man das technisch
machbare Automationspotenzial in der Bundesrepublik
voll aus? Die Antwort: Eine Arbeitslosigkeit von 38
Prozent wäre normal.
Eindrucksvoll bestätigte eine weitere Studie der
Universtität Würzburg im Jahr 1998 die Annahme der
Autoren: Allein im Bankensektor liegt das
Automationspotenzial bei mehr als 60 Prozent, im
Handel immer noch bei mehr als der Hälfte des
gegenwärtigen Beschäftigungsstands. In diesen und
vielen anderen Sektoren ist es nur eine Frage der
Zeit, bis die Potenziale ausgenutzt
werden. mehr
Maschinen statt Menschen - eine Automatisierungswelle
rollt durch die deutschen Unternehmen. Computer,
Roboter, Automaten - die Chip-Revolution hat
Deutschlands Industrie mittlerweile voll erfaßt. Es
wird rationalisiert wie wohl noch nie, die
Intelligenz-Maschinen nehmen den Menschen die Arbeit
ab. Spiegel, 1984 zur Quelle
Nach dem industriellen Kahlschlag im Osten fallen nun
auch im Westen Hunderttausende von Arbeitsplätzen weg.
1993 sind es mehr als 35 000 in der chemischen
Industrie, bis zu 80 000 in der Elektrobranche und
mindestens ebenso viele in den Autofirmen.
Stahlkonzerne, der Bergbau und die Textilindustrie
schrumpfen weiter. Selbst gut verdienende
Dienstleistungszweige wie Banken und Versicherungen
machen in dem bedrückenden Wettlauf mit; straffere
Organisation und Einsatz von Computern kippen in den
nächsten Jahren Zehntausende von Jobs. Spiegel,
1993 zur Quelle
Die 20-80
Gesellschaft
Als die Digitale Revolution und die Globalisierung in
den 1990er Jahren ihren Siegeszug antraten, sagten
Zukunftsforscher den Weg in eine 20:80 Gesellschaft
voraus.
Nur 20 Prozent der arbeitsfähigen Bevölkerung
würden im 21. Jahrhundert ausreichen, um die
Weltwirtschaft in Schwung zu halten. 80 Prozent der
Bevölkerung wären demnach arbeitslos.
Als geistiger Vater der 20:80 Gesellschaft
gilt der amerikanische Ökonom Jeremy Rifkin, der in
seinem Buch "Das Ende der Arbeit" die Folgen des
technischen Fortschritts analysierte und dabei zu dem
Schluss kam, dass die Arbeit sich selbst abschafft.
Die fortschreitende Rationalisierung der Prozesse im
Produktions- und Dienstleistungsbereich und der
weltweite Einsatz der Informationstechnologien führen
laut Rifkin zu einem Produktivitätsschub, der viele
Millionen Arbeitsplätze überflüssig macht. Die
kapitalistische Logik, nach der technologischer
Fortschritt und gesteigerte Produktivität zwar alte
Jobs vernichten, dafür aber mindestens genauso viele
neue schaffen würden, hält Rifkin für einen
Trugschluss. Es sei keine Frage, ob die 20:80
Gesellschaft kommt, sondern wie wir damit umgehen,
denn die Entwicklung sei unumkehrbar - langfristig
wird die Arbeit verschwinden.
Quelle: Von der
Finanzkrise in die 20:80 Gesellschaft - telepolis -
Jens Berger 09.12.2008
Die Erwerbstätigkeit schwindet - Pseudotheorien
der Politik zur Erwerbskrise
US-Ökonom Jeremy
Rifkin: Deutschland führt (eine)
Scheindiskussion.
Die Arbeit verschwindet. Das will kein Politiker
seinen Wählern erzählen.
Statt dessen betet man immer wieder dieselben drei
Pseudotheorien herunter:
Erstens: Wir verlieren in unserem Land
Jobs, weil die bösen Unternehmer Stellen ins Ausland
verlagern.
Zweitens: Wir haben genug Jobs, die Leute sind nur
nicht richtig ausgebildet.
Und drittens: Wir haben zu wenig Jobs, weil die
Sozialabgaben zu teuer sind.
Alle drei Argumente sind absurd:
Erstens:
Die Zahl der Jobs die in Deutschland verschwinden weil
sie zum Beispiel nach Osteuropa oder China verlagert
wird, ist verschwindend gering. Sie macht gerade mal
ein Prozent der abgebauten Stellen aus. Der wirkliche
Jobkiller ist der technologische Fortschritt. Aber
davon hören Sie von den Politikern kein Wort.
Maschinen machen sich als Buhmann eben schlechter als
Chinesen oder Polen.
Was ist das zweite Pseudoargument?
Das ist auch so eins für die Wahlreden: Wir müssen die
Leute nur richtig ausbilden oder weiterbilden und
schon ist das Beschäftigungsproblem gelöst.
Nehmen wir mal an, man könnte tatsächlich alle fünf
Millionen Arbeitslosen in Deutschland so fortbilden,
wie sich die Politiker das vorstellen. Was wäre denn
dann? Es gebe immer noch nicht genug Jobs.
Die Zeiten der Massenarbeit ist vorbei. Wir werden nie
wieder Tausende von Leuten sehen, die aus den
Fabriktoren strömen. In Zukunft wird Arbeit etwas für
die Eliten sein. Für besondere Aufgaben wird man immer
noch die Top - Ärzte, Top - Anwälte oder Top -
Designer brauchen. Aber Durchschnittsqualität (und schon bald auch
höhere Qualität, der Webmaster) kann ein Computer oder ein
Roboter billiger liefern.
Wo liegt der dritte Fehler?
Ah, die sozialen Systeme. Darüber sprechen Sie hier
schon seit Jahren, nicht wahr?
Nun, ich will nicht sagen, dass es in Deutschland
keinen Reformbedarf gibt. Aber wenn jemand daran
denkt, den Weg der USA einzuschlagen, dann kann ich
davor nur warnen. Je härter sie die Sozialsysteme
beschneiden, desto eher tauchen die Probleme an
anderer Stelle wieder auf. Schlechtere Gesundheit,
größere Armut, weniger Sicherheit, mehr Kriminalität.
Natürlich ist die US Arbeitslosenquote niedriger als
die deutsche. Aber bei uns sitzen allein zwei
Millionen Leute in den Gefängnissen. Meinen Sie, das
ist keine versteckte Arbeitslosigkeit? Glauben Sie
mir, sie sind hier immer noch besser dran.
Mehr unter „Langfristig wird die
Arbeit verschwinden“. US-Ökonom Jeremy Rifkin
|
Globale
Arbeitslosigkeit
Grund für die globale Arbeitslosigkeit
bleibt völlig unberücksichtigt in fast
allen Debatten und Diskussionen.
Der Wohlstand wächst nicht länger
mit der Produktivität
Das Industriezeitalter hat ausgedient. Die
klassische Erwerbsarbeit, als Säule der
Existenzsicherung, wird zunehmend ein
Privileg für eine kleine elitäre,
hochqualifizierte Arbeitnehmerschicht. Nur
diese wird es zukünftig noch schaffen, von
ihrem erwirschafteten Lohn/Gehalt
tatsächlich ein selbstbestimmtes würdevolles
Leben führen zu können. Automatisation, neue
intelligente Software und Technologien
werden in Bereichen eindringen, die auch die
Facharbeiter und selbst so manche
spezialisierten Arbeitnehmer zunehmend
überflüssig machen.
Doch wie soll die Masse, der große
Rest zukünftig ihr Brot verdienen?
Was ergeben sich daraus für Konsequenzen?
Zumindest diese: Mit den bisherigen
Konzepten und denen, die von der
erzkonservativen Wirtschafts- und
Volkswissenschaft unisono vorgeschlagen
wird, kommen wir nicht weiter. Sie tragen
nur dazu bei, die alte Ordnung mit ihrer
Machtverteilung zu sichern. Genau da findet
man auch die wirklichen Besitzstandswahrer,
deren Berharrungswillen jeden Gewerkschafter
um Längen übertreffen. Denn seit zwanzig
Jahren wird eine Wirtschafts- und
Finanzpolitik betrieben, die zuvorderst die
Interessen der Wirtschaft bedient, aber
nichts zur Verbesserung der Situation
beigetragen hat. Im Gegenteil, das
Ungleichgewicht zwischen Arbeitgebern und
Arbeitnehmern ist mittlerweile so groß
geworden, dass Arbeitnehmer sich nur noch
erpreßt sehen und zähneknirschend immer mehr
bereit sind zu akzeptieren. Selbst wenn die
Vorteile oftmals in keinem Verhältnis mehr
dazu stehen. Von den 440 Milliarden Euro, um
die Deutschland in den letzten 10 Jahren
reicher geworden ist, ist bei ihnen
jedenfalls kaum etwas angekommen.
Wenn der Schlüssel zur Schaffung neuer
Arbeitsplätze nämlich nur in der Umsetzung
der ständig geforderten Reformen liegen
würde, müßten beispielsweise in Amerika
paradiesische Zustände herrschen und eine
traumhafte Beschäftigungsrate. Dort wurde
und wird alles radikal umgesetzt, was der
Marktfundamentalismus hergibt. Dank Bush
gibt es da ja nun kaum noch Schranken. Doch
die simple Wahrheit ist, auch amerikanische
Arbeitnehmer - und eben auch Arbeitnehmer
fast aller nationaler Ökonomien der Welt -
machen harte Zeiten durch.
Weltweit gehen Millionen von
Arbeitsplätze verloren
Denn Fakt ist, weltweit gehen Millionen von
Arbeitsplätze verloren. Und selbst in
Ländern wie China, gehen Millionen Jobs in
Fabriken verloren. Diese werden nicht
annähernd durch neugeschaffene Jobs in den
chinesischen Zentren kompensiert. Ergebnis:
Über 360 Millionen chinesische
Wanderarbeiter buhlen um jeden Job, selbst
wenn sie mit erbärmlichsten Bedingungen
verknüpft sind. Es ist schon sehr
bezeichnend, wenn mancher deutscher Manager
von den traumhaften chinesischen Bedingungen
schwärmt.
Fazit: Das ganze
Weltwirtschaftssystem muß kritisch
hinterfragt werden.
Es ist
ein Armutszeugnis par excellence, wenn alles
nur noch auf die asoziale Formel
>Hauptsache Arbeit< reduziert wird,
aber man nicht darauf schaut, welche
Qualität diese hat. Wenn wir weiterhin der
fatalistischen Maxime der
Wettbewerbsideologie folgen und uns nicht
von der fatalen Spirale immerwährenden
Wirtschaftswachstums ( was ja längst Teil
des Problems ist )befreien und auch die
Zinswirtschaft angehen, geraten wir in eine
Sackgasse und das ganze System wird
zwangsläufig kollabieren - mit verheerenden
Folgen.
Die Weltwirtschaft befindet sich mitten in
einer radikalen Veränderung der Natur der
Arbeit selbst - mit tiefgreifenden
Konsequenzen für die Zukunft der
Gesellschaft. Die billigsten Arbeiter der
Welt werden nicht so günstig sein wie die
Technologie, die herankommt, um sie zu
ersetzen.
Derzeit erleben wir, wie ein totalitäres
System ein anderes ersetzt und sich
anschickt, den ganzen Globus in seinen Griff
zu bekommen. Und es ist längst keine
pessimistische Chimäre mehr: Die totale
Ökonomisierung wird für die meisten Menschen
- und unserer Gesellschaft! - zu einer immer
größeren Bedrohung. Mit der stets
geforderten Anpassung an neoliberale
Konzepte, wird diese nicht gelöst, sondern
nimmt sie stetig zu.
Beitrag von "sysop" - Aus
einem Spiegel-Forum
Globalisierung.
Daten und Fakten
|
4.5 Erwerbsbeteiligung von
Ausländern - Zuwanderung
Zuwanderung
ist aus Sicht vieler Deutscher gleichbedeutend mit
steigender Arbeitslosigkeit und verbunden mit einer
verbreiteten Angst vor "Überfremdung". Durch diese
Assoziation ist "Einwanderung" zu einem sensiblen
Thema in der Öffentlichkeit geworden, das häufig,
insbesondere in Wahlkämpfen, nicht nur von
rechtsextremen Politikern missbraucht wurde. Ganz sicher
aber hat der weitere Zuzug von Arbeitskräften auch
negative Auswirkungen auf unseren Arbeitsmarkt, seit
wir hohe Arbeitslosigkeit haben und die Zunahme
prekärer Beschäftigung weiter anhält. Mehr auf Zuwanderung
und Arbeitsmarkt
Fachkräftemangel?
Der von Wirtschaft und einvernehmlicher Politik seit
Jahren beschworene Fachkräftemangel steht auch 2017 im
Widerspruch zur Realität: Millionenfache
Arbeitslosigkeit und prekäre Beschäftigung, von der
auch viele hochqualifizierte Fachkräfte, Ingenieure
und andere MINT-Berufe betroffen sind. Anzeichen für
einen Fachkräftemangel können z. B.
überdurchschnittliche Gehaltsentwicklungen einer
Fachrichtung sein. In der marktwirtschaftlichen Praxis
liegen diese Anzeichen regelmäßig nicht vor.
Im Gegensatz zum fast täglichen Medien-Bombardement
von "Jobwunder" und "Fachkräftemangel" werden
nachstehend Berichte und Studien angeführt, die mit
Fakten belegt das Fazit ziehen: "Es gibt
in Deutschland keinen generellen Fachkräftemangel".
Mehr auf Fachkräftemangel trotz
Massenarbeitslosigkeit?
Arbeitnehmerfreizügigkeit
und Dienstleistungsfreiheit
Die Arbeitnehmerfreizügigkeit ist eine
EU-Grundfreiheit. Sie ermöglicht es EU-angehörigen
Arbeitnehmern frei, das heißt konkret ohne Visum und
ohne Aufenthaltserlaubnis, eine Erwerbstätigkeit in
Deutschland anzunehmen, wie auf dem Gebiet der
gesamten EU. Ab dem 1. Mai 2011 gilt die
Übergangsregelung nur noch für Angehörige von Rumänien
und Bulgarien. Die müssen also für den Fall, dass sie
in Deutschland einer Erwerbstätigkeit nachgehen
wollen, bei der Arbeitsagentur eine
Arbeitserlaubnis-EU beantragen, die befristet und
regelmäßig auf eine bestimmte Tätigkeit beschränkt
erteilt wird, wenn keine bevorrechtigten geeigneten
Arbeitnehmer auf dem heimischen Arbeitsmarkt zur
Verfügung stehen.
Damit gilt ab
2011 nicht mehr die Vorrangsregelung für deutsche
Arbeitssuchende gegenüber allen anderen
Unionsbürgern. Deutschland ist besonders betroffen durch die
direkte Nachbarschaft bzw. geringe Nähe zu den
östlichen Beitrittsländern.
Die Dienstleistungsfreiheit
ermöglicht es EU-angehörigen Unternehmern mit Sitz im
Ausland, grenzüberschreitend ihre Dienstleistungen
gewerblicher, kaufmännischer, handwerklicher oder
freiberuflicher Art zu erbringen.
Für die Dauer der Arbeiten dürfen sie ihre eigenen
Arbeitnehmer einsetzen. Es können sogar Arbeitnehmer
einreisen und arbeiten, die nicht Angehörige des
EU-Mitgliedstaates sind, sofern sie zur
Stammbelegschaft gehören.
Die
Dienstleistungsfreiheit ist geregelt in der
Dienstleistungsrichtlinie (DLR) oder Bolkestein -
Richtlinie
Mit der DLR werden nationale Vorschriften und
"bürokratische Sicherungen" weitgehend abgebaut, die
unter Unternehmern in der EU als "Hindernisse für die
wirtschaftliche Entwicklung gelten und deshalb
verschwinden müssen". Dabei wurde außer Acht gelassen,
dass auch und gerade eine funktionierende
Marktwirtschaft eines verlässlichen rechtlichen
Rahmens bedarf, damit soziale, ökologische und
rechtliche Standards eingehalten werden.
DLR greift tief in nationale Rechtsprechung ein.
Zweifelsohne ist die DLR ein radikaler Angriff auf
unsere sozialen, ökologischen und arbeitsrechtlichen
Errungenschaften, denn Gehälter und Löhne geraten in
eine unaufhaltsame Abwärtsspirale. Mehr auf Arbeitskräfte aus der EU
4.6 Erwerbsbeteiligung von Frauen
Der
Eindruck der starken beruflichen Integration von
Frauen relativiert sich, wenn man die Arbeitszeit und
das Arbeitsvolumen als Kriterium hinzuzieht. Frauen
stehen nämlich häufiger als Männer in
Teilzeitbeschäftigungen und geringfügigen
Beschäftigungsverhältnissen, wenn diese das jeweils
einzige Beschäftigungsverhältnis sind.
Frauen erwerben immer häufiger einen hochwertigen
Bildungs- und Ausbildungsabschluß, der sie zur
Aufnahme einer Berufstätigkeit motiviert. Auch spielt
das Ziel ökonomischer Unabhängigkeit bei gewachsenem
gesellschaftlichen Selbstbewußtsein von Frauen
("emanzipatorischer Trend"), gestiegener Zahl
weiblicher Single-Haushalte und angesichts materieller
Risiken im Zuge hoher Scheidungsraten eine wesentliche
Rolle. Je gefährdeter der Arbeitsplatz des Mannes
erscheint, je fraglicher Einkommenssteigerungen
werden, um so mehr wächst das Bedürfnis zusätzlicher
finanzieller Absicherung durch
Erwerbsbeteiligung von Frauen.
Für die Mehrheit der Frauen ist ökonomische
Unabhängigkeit und Selbstverwirklichung im Beruf
unverzichtbar. Aber ein Teil und auch zeitlich
begrenzt wünscht keine Erwerbstätigkeit wg
Kindererziehung und Selbstverwirklichung in
Haustätigkeit und sozialen Nichterwerbs-Betätigungen,
wenn zusätzliche finanzielle Absicherung nicht
notwendig ist.
|
Viele
Frauen würden gerne länger arbeiten
Der Anteil der Frauen an den Beschäftigten
hat seit 1991 um 5,7 Prozentpunkte
zugenommen. Damit war 2010 die Hälfte aller
Beschäftigten weiblich. Die Zunahme der
Frauenerwerbstätigkeit beschränkte sich auf
die Teilzeitarbeit einschließlich der
geringfügigen Beschäftigung. Insgesamt stieg
die Zahl der beschäftigten Frauen um 16
Prozent, das von ihnen geleistete
Arbeitsvolumen aber nur um 4 Prozent.
Gemessen an ihren Arbeitszeitwünschen würden
fast die Hälfte der regulär
teilzeitbeschäftigten Frauen und zwei
Drittel der Mini-Jobberinnen die vereinbarte
Arbeitszeit gerne deutlich ausweiten.
Neben Möglichkeiten zur beruflichen
Weiterbildung würden dabei eine bessere
Betreuung für Kinder im Krippen- und im
Schulkindalter, familienfreundliche
Arbeitsmodelle sowie eine ausgewogene
Arbeitsteilung in den Familien helfen.
IAB-Kurzbericht
Nr. 9, April 2011 - Institut für Arbeitsmarkt- und
Berufsforschung (IAB) der Bundesagentur für
Arbeit
|
Die
zugenommene Erwerbsbeteiligung von Frauen hat
andererseits auch Rückwirkung auf die Kaufkraft und
steigende Umsätze zur Folge. Und nicht zu knapp, wenn
wir an unsere Frauen denken, die morgens vor vollen
Kleiderschränken mit "nichts zum anziehen" stehen,
abends den nächsten Konsumschub auslösen. Mit dem
Hintergrund der eigenen Erwerbstätigkeit sind die
Frauen die Antreibenden und die männliche
Verweigerung: "Neue Küche? Brauchen wir nicht!" bleibt
heutzutage meist chancenlos. Ob eigenes Auto oder
Erneuerung der Wohnungseinrichtung, viel öfter können
Frauen aufgrund ihrer Erwerbsbeteiligung
Kaufentscheidungen veranlassen. Das kompensiert
einiges auf dem Arbeitsmarkt. Was bleibt ist die
Auswirkung des technischen Fortschritts, der
Produktivitätssteigerung: Umsatzsteigerung ohne
Beschäftigungseffekt.
Trotz
Aufschwung: Erwerbsbeteiligung von Frauen bleibt
prekär.
Jede dritte vollzeitbeschäftigte Frau arbeitet zu
Niedriglöhnen 8. März 2011
Jobs in Niedriglohnbranchen und erzwungene
Teilzeitarbeit dominieren die Arbeitsrealität von
Millionen Frauen. Das ergab die Antwort der Bundesregierung auf eine
Kleine Anfrage der LINKEN bei der Bundesregierung im
Vorfeld des 8. März.
Kommentar zur Antwort der Bundesregierung:
Danach wuchs zwar von Juni 2009 bis Juni 2010 die Zahl
der von Frauen besetzten sozialversicherungs-
pflichtigen Arbeitsplätze um 183 000 und damit
deutlich stärker als die der Männer mit 145 000.
Allerdings ging dieser Beschäftigungsaufbau bei Frauen
vor allem auf einem starken Zuwachs von Teilzeitarbeit
zurück. Drei von vier neuen Arbeitsplätzen sind in
diesem Bereich entstanden – nicht mitgezählt die 17
000 neuen Minijobs ohne jegliche soziale Absicherung.
In vielen Fällen ist diese Teilzeitarbeit
unfreiwillig. Sie reicht auch nicht zur eigenständigen
Bestreitung des Lebensunterhalts.
Fast alle Teilzeitjobs finden sich in Branchen mit
niedrigem Lohnniveau: Gastronomie, wirtschaftliche
Dienstleistungen (darunter Leiharbeit), Gesundheits-
und Sozialwesen und private Dienstleistungen. In
diesen vier Branchen sind sieben von zehn neuen
Teilzeitstellen entstanden. 70 bis 90 Prozent dieser
Stellen wurden wiederum von Frauen besetzt.
Bereits unter den Vollzeitbeschäftigten reicht deren
Anteil von 28,8 Prozent (Gesundheit und Sozialwesen)
bis zu 72,5 Prozent (Gastgewerbe). Insgesamt bezog im
Jahr 2009 mehr als jede dritte vollzeitbeschäftigte
Frau einen Lohn unterhalb der Niedriglohnschwelle. Um
145 000 auf nunmehr 2,51 Millionen hat ihre Zahl
zugenommen.
Die Folge: Obwohl die Frauen eine Minderheit der
Beschäftigten ausmachen, stellen sie die Mehrheit der
1,4 Millionen Aufstocker, also der Erwerbstätigen, die
ihr Einkommen ergänzend zum Niedriglohn mit Hartz IV
aufstocken (Frauen: 756 249, Männer: 647 939). Die
Niedriglöhne und prekären Arbeitsverhältnisse werden
vom Steuerzahler subventioniert, bei den Frauen mit
344 Millionen Euro im Monat.
Bei der Gleichbezahlung der Geschlechter gehört
Deutschland weiterhin zu den Schlusslichtern in
Europa. 23 Prozent betrug die Gender Pay Gap, die
Lohnlücke zwischen Frauen und Männern, im Jahr 2009.
Nur Österreich, Tschechien und Estland stehen noch
schlechter da.
Bedenklich stimmt die Entwicklung der atypischen
Beschäftigung, mit der oftmals niedrige Entlohnung
einhergeht. Unter diese fallen die Leiharbeit,
Teilzeitarbeit, befristete und geringfügige
Beschäftigte. 2005 waren 5,01 Millionen Frauen
atypisch beschäftigt oder 33,4 Prozent. 2009 lagen die
Zahlen schon bei 5,45 Millionen und 34, 1 Prozent.
Über die Jahre findet hier eine Angleichung zwischen
den Geschlechtern statt, allerdings nicht zum
Besseren. Zur Quelle:
Sabine Zimmermann,
arbeitsmarktpolitische Sprecherin der Fraktion DIE
LINKE im Bundestag, zum hundertsten Jubiläum des
Frauentags
Siehe
auch Equal Pay Day
4.7 Schwarzarbeit
Wie häufig
in der Diskussion um den Arbeitsmarkt in Deutschland,
haben wir es auch beim Thema Schwarzarbeit mehr mit
Mythen, als mit Fakten zu tun. Das Besondere ist in
diesem Fall, dass alle gesellschaftspolitischen Akteure
– auch die Gewerkschaften – nicht sonderlich an einer
realistischen Sichtweise interessiert scheinen.
Schließlich ist Schwarzarbeit häufig mit illegaler
Beschäftigung zu Dumpinglöhnen verbunden. Gerade an
deren Bekämpfung sind natürlich auch die Gewerkschaften
interessiert. Wenn es auf deutschen Baustellen, neben
den 2,3 Millionen offiziell Beschäftigten, 6 Millionen
Vollzeit-Schwarzarbeiter gäbe, müsste es doch sehr
einfach sein, wenigstens 5 Millionen davon zu finden und
sie bzw. ihre Auftraggeber zu bestrafen. Dass dies nicht
gelingt, zeigt wie unrealistisch diese Zahlen sind,
macht aber das Vorgehen gegen Schwarzarbeit nicht
unnötig. Wenn der Staat gegen die Hinterziehung von
Steuern und Sozialabgaben vorgeht, ist dies zu
begrüßen...
NachDenkSeiten - Schwarzarbeit
in Deutschland oder die langen Schatten des
Prof.Schneider
Politik
und Öffentlichkeit kriminalisiert eher die Gruppe der
unrechtmäßig Beschäftigten als die Institutionen der
illegalen Beschäftigung, ohne die illegale
Beschäftigung unmöglich wäre.
4.8 Steuer- und Finanzpolitik
Keine
Frage, die gewaltige Staatsverschuldung muss
eingedämmt werden. Sie dient als Begründung für die
Demontage des Sozialstaates und sie beschränkt die
Handlungsfähigkeit unseres Staates. Unser Staat
braucht hinreichende Finanzmittel, um seine Aufgaben
erfüllen zu können.
Die Finanzkrise der öffentlichen Haushalte ist -
ganz im Gegensatz zur herrschenden Meinung - nicht
durch gestiegene Ausgaben, sondern durch zu geringe
Einnahmen verursacht.
Die zunehmende Verschuldung ist wesentlich auf die
seit Jahrzehnten unzureichende Besteuerung der
Einkommen aus Unternehmertätigkeit & Vermögen
zurückzuführen. So sanken zum Beispiel der
Spitzensteuersatz von 53 auf 42 Prozent, die
Körperschaftssteuer von 42 auf 25 Prozent. Die
öffentlichen Haushalte stützen sich in wachsendem Maße
auf Einnahmen aus der Lohnsteuer und der in 2007 von
16 auf 19% erhöhten Mehrwertsteuer. Die stagnierenden
oder gar sinkenden Reallöhne, die anhaltend hohe
Arbeitslosigkeit und die fortschreitende Vernichtung
regulärer Arbeitsplätze zu Gunsten von unterbezahlten
Arbeitsgelegenheiten ohne Sozialbeiträge führen
ebenfalls zu sinkenden Staatseinnahmen. Eine direkte
Folge der Regierungspolitik, da sie insbesondere durch
die Hartz-Reformen, aber auch durch andere Maßnahmen
wie Privatisierungen, Lockerung des
Kündigungsschutzes, Anhebung der Wochenarbeitszeit im
Öffentlichen Dienst etc. diese Entwicklung gefördert
hat. Resultat dieser Umverteilung ist, dass die
Unternehmen Rekordgewinne melden und die Zahl der
Millionäre in der Bundesrepublik so hoch wie nie zuvor
ist, während gleichzeitig nicht nur die öffentlichen
Kassen verschuldet, sondern die arbeitende Bevölkerung
sowie die Rentner und Arbeitslosen insgesamt mit einem
kontinuierlich sinkenden Lebensstandard konfrontiert
sind.
Effektive volkswirtschaftliche Gegensteuerung von
Massenarbeitslosigkeit, Schwächung unserer
Sozialsysteme und des Binnenmarktes erfordern aber
einen finanzstarken Staat. Die dazu nötige Finanzkraft
ist vorhanden, siehe auch Kapitel 2 "Der Reichtum der
Bundesrepublik".
Dem Staat gehen jährlich Milliarden durch
Steuerhinterziehung, Subventionsbetrug,
Schattenwirtschaft und Vollzugsdefizite verloren. Dazu
kommt eine Politik, die seit vielen Jahren einseitig
Einkommen aus Unternehmertätigkeit und Vermögen
steuerlich begünstigt. "Deutschland ist eine
Steueroase für Großunternehmen", urteilt der
Wiesbadener Steuerexperte Lorenz Jarass. mehr
OECD: Deutsche Arbeitnehmer hoch belastet
17.10.2007. Was viele Bundesbürger immer wieder
beklagen, wird jetzt von offizieller Seite bestätigt.
Laut einer OECD-Statistik ist die Belastung der
deutschen Arbeitnehmer durch Sozialabgaben im
internationalen Vergleich überproportional hoch. Die
OECD-Experten sehen hier ein Versäumnis der Politik.
Das Beitragsaufkommen der Sozialversicherungen in
Deutschland habe vergangenes Jahr bei 13,7 Prozent des
Bruttoinlandsprodukts (BIP) und damit weit über dem
OECD-Durchschnitt von 9,2 Prozent gelegen. „Durch hohe
Sozialabgaben werden Erwerbseinkommen und damit der
Faktor Arbeit besonders stark zur Finanzierung
staatlicher Aufgaben herangezogen. Gleichzeitig wird
die Last auf mittlere und untere Erwerbseinkommen
konzentriert“, hieß es in dem Bericht.
Gemessen am BIP liegt besonders das hiesige Steueraufkommen
weit unter dem Durchschnitt der OECD-Länder. Besonders
niedrig ist in Deutschland das Aufkommen aus Substanzsteuern,
also Grund-, Vermögens-, Schenkungs- und
Erbschaftssteuern. Die Einnahmen lagen in Deutschland
bei weniger als der Hälfte des OECD-Schnitts von 1,9
Prozent (2005) ... mehr auf Handelsblatt
(PDF)
OECD-Originalbericht
Die
Kluft zwischen Arm und Reich in Deutschland wächst.
Meldung vom 15. Juni 2010.
Die Studie des Deutschen Instituts für
Wirtschaftsforschung (DIW), die sich auf den Zeitraum
2000 bis 2009 bezieht, stelle eine deutliche
Polarisierung der Einkommen fest: „Auf der einen Seite
steigt die Zahl der Menschen, die im Luxus leben, und
auf der anderen Seite die Zahl derjenigen, die mit
niedrigem Einkommen auskommen müssen oder sogar arm
sind“, schreiben die DIW-Forscher laut „SZ“ . Der
besorgniserregende Trend werde vom Sparpaket der
Bundesregierung verschärft, das hohe Einkommen
verschone und niedrige Einkommen belaste, kritisieren
die Ökonomen. Zur Quelle
Diese Meldung steht in einer langen
Tradition.
So hieß es bereits 1998 in einer
empirischen Untersuchung zur Steuerlast-Verteilung in
Deutschland der Friedrich-Ebert-Stiftung für den
Zeitraum 1983 bis 1993:
Umverteilung der Abgabenlast zugunsten von
Unternehmen und Selbständigen.
Die Belastung der oberen Einkommen ist seit 1983
rückläufig. Legale Steuervermeidung begünstigt hohe
Einkommen. Die Entlastung bei Unternehmen,
Selbständigen und Vermögenden hat schon vor Jahren
eingesetzt und inzwischen ein Ausmaß erreicht, das
schon lange Behauptungen über eine
"wirtschaftsschädliche" Besteuerung in Deutschland
gegenstandslos macht - und Klagen über hohe
(Spitzen-)Steuersätze bei gleichzeitigem Verschweigen
der schrumpfenden Steuerbemessungs - Grundlagen
als immer offenkundigere Strategie zur Durchsetzung
von noch mehr Entlastung offenbart.
Da die behaupteten Vorteile solcher so lange
bestehender Steuerentlastungs - Politik ausgeblieben
sind: Verstärkte Realinvestitionen im Inland und
zusätzlich vermehrte Arbeitsplätze,
gibt es für diese Entlastungspolitik oder gar für ihre
Fortsetzung auch keine ökonomische Rechtfertigung.
Bis heute läßt sich international die Behauptung nicht
belegen, daß sich niedrigere Steuerlasten in mehr
Wachstum und Wohlstand auf gesamtwirtschaftlicher
Ebene ummünzen. Die legale Steuerentlastung darunter
hat übrigens auch nicht zur Eindämmung von
Steuerhinterziehung oder auch von Steuerflucht
geführt; im Gegenteil haben sich illegale
Gestaltungspraktiken verstärkt. Zur Quelle
Bundeskanzlerin Angela Merkel am 5.6.2010:
Man könne nicht immer nur die Einnahmenseite
erhöhen.
(Sie setzt weniger auf Steuererhöhung und will
vor allem bei Sozialausgaben sparen).
Die Wirklichkeit sieht anders aus:
Koalitionen kamen und gingen in Berlin. Stets war
oberste Priorität, die Steuern für Gutverdiener und
Unternehmen zu senken. Die Verluste für den Staat
durch die Steuerreformen seit 1998 summieren sich nach
Berechnungen des gewerkschaftsnahen Instituts IMK auf
50 Milliarden Euro pro Jahr. Ohne diese permanenten
Steuerentlastungen bräuchte der Finanzminister heute
kein Sparpaket. Hätte die Politik nicht immer wieder
die mittleren und oberen Einkommen begünstigt, müsste
sie heute nicht bei Arbeitslosen und Familien kürzen.
Durch diese politischen Entscheidungen über mehr als
ein Jahrzehnt sind nicht nur Bund, Länder und
Gemeinden verarmt. Auch die Fähigkeit des Staates, für
einen Ausgleich zu sorgen, schrumpfte. Diese Politik
lässt den Staat verarmen.
Zur Quelle: welt
focus
frankf. rundschau
Wie unser Abgabensystem
privaten Reichtum fördert und das Gemeinwesen
verarmen lässt
http://www.monde-diplomatique.de/pm/.dossier/finanzen.id,200910090031
Video
Sparen zu lasten der
Armen?
http://www.zdf.de/ZDFmediathek/content/1065102 von
zdf gesperrt
Inhaltliche Textfassung z.B.
auf hoelderlin.blog
Video
Professor Jarass: "Ein
absoluter Skandal"
http://www.zdf.de/ZDFmediathek/beitrag/video/1064054/Professor-Jarass-Absoluter-Skandal?flash=off von
zdf gesperrt
funktioniert > http://www.youtube.com/watch?v=6cKTAVQfeEY
Milliarden-Subventionen
für Reeder und Schiffsfonds ohne Gegenleistung
Mai 2011
1999 gab die rot-grüne Bundesregierung den
Lobbyforderungen der Reeder nach, indem sie die
Tonnagesteuer einführte. Bei der Tonnagesteuer
entfällt die Besteuerung auf die tatsächlichen Gewinne
aus dem Reedereigeschäft und wird durch eine –
lächerlich geringe – Pauschalsteuer ersetzt.
Anbieter von Schiffsfonds sprechen in diesem
Zusammenhang von Ausschüttungen, die „so gut wie
steuerfrei“ sind. Da die Flotte der deutschen Reeder
zum Großteil nicht den Reedern, sondern vermögenden
Investoren gehört, die sich über geschlossene Fonds an
Schiffen beteiligen (ab 50.000 €), stellt die
Tonnagesteuer de facto eine teilweise Steuerbefreiung
für sehr reiche Bürger dar. Da diese Einnahmen
eigentlich zum regulären Einkommenssteuersatz oder
zumindest in Höhe der Kapitalertragssteuer versteuert
werden müssten, entgehen dem Staat durch diese
Subvention, je nach konjunktureller Lage, jährlich bis
zu eine Milliarde Euro.
Es ist nicht hinnehmbar, dass ein paar Dutzend
millionenschwere Reeder und einige Tausend reiche
„Investoren“ durch eine mehr als großzügige
Ausnahmeregelung für ihre Einkünfte beinahe keine
Steuern zahlen müssen. Ohne Not und ohne echten Grund
hat sich Bundeskanzlerin Merkel am 29. Mai 2011 bereiterklärt, die
milliardenschwere Subventionierung über die
Tonnagesteuer auch künftig unangetastet zu lassen...
Zur Quelle
Siehe auch Wer sind hier eigentlich
die Piraten? Telepolis, 27.01.2011
Steueroase
Deutschland. August 2009
Während deutsche Angestellte dem Fiskus wehrlos
ausgeliefert sind, rechnen sich Millionäre und
Unternehmen mit Hilfe aggressiver Steuermodelle
künstlich arm - und das alles ganz legal. Das Deutsche
Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) errechnete,
dass zwischen den nachgewiesenen Profiten der Kapital-
und Personengesellschaften und den steuerlich
erfassten Gewinnen eine Lücke von 100 Milliarden Euro
klafft. "Dies deutet auf Steuervergünstigungen und
Gestaltungsmöglichkeiten hin, mit denen die
Unternehmen ihre steuerpflichtigen Gewinne
herunterrechnen oder ins Ausland verlagern". Steueroase D Spiegel 2009
AugD
Steuerhinterziehung –
ein Spiegelbild gesellschaftlicher Verhältnisse
Ohne sich in die Details des Steuerrechts oder der
Steuerfahndung vertiefen zu müssen, ist
offensichtlich, dass das geradezu zu einem Grundrecht
hochstilisierte Steuer- und Bankgeheimnis der
Schutzschild für Steuerhinterziehung und für die
Verlagerung von Geld und Vermögen in Steueroasen ist
Dabei wird unter dem Pathos des Schutzes der
„Privatsphäre“ vertuscht, dass das Steuergeheimnis nur
eine Einkommensform privilegiert, nämlich die aus
Geld- und Kapitaleinkommen. Jeder normale Gehalts- und
Lohnempfänger ist in seinen Einkommensverhältnissen
bereits heute vor den autorisierten Steuerbehörden
„gläsern“. In Schweden, wo es überhaupt kein
Steuergeheimnis gibt und wo die Steuererklärungen
prinzipiell öffentlich sind. Im „Taxeringskalender“
kann dort von jedermann nachgelesen werden, wer tatsächlich wieviel
Steuern zahlt.
Steuerhinterziehung -
eine Beichte
Seit die CD mit Steuerdaten auf dem Markt ist, packt
viele Steuerhinterzieher das schlechte Gewissen. Mehr
als 400 Bürger haben sich bisher selbst angezeigt. Sie
müssen zwar Steuern nachzahlen, gehen aber straffrei
aus. Die Beichte eines Schwarzgeldhinterziehers.
(PDF)
Kein Subventionsabbau 08.06.2010
Das Sparpaket der Bundesregierung klammert den
Subentionsabbau weitgehend aus. Dabei ließe sich hier
viel Geld einsparen. Im Jahr 2009 summierten sich die
Subventionen auf 112,5 Milliarden Euro. Weitere 52,3
Milliarden entfielen auf Steuererleichterungen, so
dass insgesamt 164,8 Milliarden Euro an
Steuermitteln eingesetzt worden sind. Der
Bundeshaushalt hatte im gleichen Jahr ein Budget von
288 Milliarden Euro. Steinbrück und Koch schlugen 2003
vor, die Subventionen in den vor ihnen liegenden drei
Jahren pauschal um jeweils vier Prozent zu kürzen. Die
Sparvorschläge über jeweils 16 Milliarden Euro
wanderten in den Papierkorb*. Auch bei der
Sparrunde im Frühjahr 2010 von Schwarz-Gelb hat die
Regierung die meisten Subventionen unangetastet
gelassen. Das hat lautstarke Kritik von Opposition und
Gewerkschaften hervorgerufen, die ihrerseits eine sehr
viel stärkere Belastung der Einkommmensstarken
fordern. Zur Quelle: Kein Subventionsabbau
08.06.2010 dw-world.de (PDF)
*Wir erinnern
uns, unter dem Schlagwort "Subventionsabbau" kam
nach Angela Merkels Regierungsantritt zuallererst
für alle Arbeitnehmer die Kürzung von Km-Pauschale,
Sparerfreibetrag, Streichung der Absetzbarkeit des
Arbeitszimmers und der Bergmannsprämie.
Unternehmensteuerreform
2008
Die Unternehmensteuerreform 2008 kostet nicht – wie
behauptet – 5 Mrd. €, sondern deutlich über 10 Mrd.€
pro Jahr. Sie hat schädliche Auswirkungen auf
Arbeitsplätze und ökonomische Stabilität: Die
steuerliche Privilegierung von Krediten gegenüber
Eigenkapital wird verstärkt, Arbeitsplatzexport und
"Heuschrecken" werden weiter steuerlich begünstigt.
Langfassung
Unternehmenssteuerreform 2008 L.Jarass G.M.Obermair
Verschuldung
der Kommunen
12. März 2010. Mit der Finanzkrise und dem
Steuersenkungsprogramm der Bundesregierung hat sich
die Haushaltslage der Kommunen drastisch verschärft.
Besonders hart sind zahlreiche Kommunen in
Ostdeutschland und im bevölkerungsreichsten Bundesland
Nordrhein-Westfalen betroffen. Die Verschuldung der
Kommunen, für die nun die Bevölkerung zur Kasse
gebeten wird, ist kein Naturereignis und auch nicht
erst durch die Finanzkrise 2008 entstanden. Als Ausweg
aus der Zwickmühle zwischen zunehmenden
Ausgabenverpflichtungen wegen der steigenden
Arbeitslosigkeit und Armut und sinkenden Einnahmen
haben die kommunalen Kämmerer öffentliche Betriebe und
wertvolle Grundstücke privatisiert bzw. verkauft und
schließlich selbst am finanziellen Roulette an den
Börsen teilgenommen, natürlich ohne dabei die Taschen
der eigenen lokalen Klientel zu vergessen. Dubiose
Cross-Boarder-Leasing-Geschäfte (CBL), bei denen
Klärwerke, Kanalsysteme, Trinkwassersysteme, U-Bahnen
und andere wichtige Einrichtungen an US-"Investoren"
verkauft und dann vom neuen Eigentümer geleast wurden,
führen heute zu neuen Kostenbelastungen. Andere
Kommunen haben große Summen öffentlicher Gelder an der
Börse durch zweifelhafte Anlagen verloren. Wie der
Deutsche Städtetag berichtet, sind die kommunalen
Einnahmen im Jahr 2009 insgesamt um etwa 3,6
Milliarden Euro zurückgegangen. Zur Quelle
4.9
Finanzkrisen
“Vom organisierten Geld regiert zu
werden,
ist
genauso schlimm wie vom organisierten Verbrechen
regiert zu werden”
Sahra Wagenknecht am 26.
Januar 2012 im Deutschen Bundestag. Was dann folgte,
ist hier zu lesen.
Video Deutscher Bundestag
4.9.1
Internationale Finanzmarktkrise -
Ursachen und Konsequenzen
Woher kommt die enorme Anhäufung des Finanzvermögens
von weltweit 150,8 Billionen (150 800 Milliarden)
Euro? Die Weltwirtschaftsleistung ist seit 1980 um das
über 4fache auf 42 300 Milliarden Euro gewachsen. Aber
noch viel gewaltiger wuchs in diesem Zeitraum das
weltweite Finanzvermögen - sogar um das über 15fache -
auf gigantische 150.800 Milliarden Euro. Und das in
einer Zeit weltweit wachsender Massenarbeitslosigkeit.
In der uns wg. „schlechter Wirtschaftslage aufgrund
der Globalisierung" Sozialleistungen und Löhne
gekürzt, Arbeitszeiten verlängert, viele
sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze durch
1Euro Jobs und weiterer geringfügig bezahlter
Beschäftigung zunehmend ersetzt und Arbeitsplätze
durch Produktivitätssteigerungen wegrationalisiert
oder in Billiglohnländer verlagert wurden.
Deutschlands Wirtschaft aber war und ist mit enormen
Gewinnen einer der großen Sieger der Globalisierung.
Renditegier und Spekulationen in weltweit
deregulierten Finanzmärkten werden zu Recht
kritisiert. Viele Finanzexperten und
Wissenschaftler sind sich über die tiefer greifenden
Ursachen der Finanzmarktkrise einig:
Die ungerechte Einkommensverteilung, verstärkt durch
legale und illegale Steuerminimierung hat eine
Geldschwemme verursacht ergänzt durch zusätzliche
Geldschöpfung. Einerseits der Institutionen der
Finanzmärkte, die mit immer höheren Anteilen von Fremd
- zu Eigenkapital gearbeitet haben, sowie andererseits
der Überschussländer China, Deutschland und Japan, die
mit ihrer so geschaffenen gewaltigen Kreditblase die
Verschuldung der USA und einiger anderer Defizitländer
erlaubt haben. Die Subprimekrise der USA ist Auslöser,
aber nicht die Ursache der Finanzmarktkrise.
Die Banken sind in einen "Anlagenotstand" geraten,
weil sie mehr Ersparnisse erhalten als sie sicher und
ertragreich veranlagen können. Da sie in scharfer
Konkurrenz zueinander stehen, werden die
Geldanlageangebote immer aggressiver und waghalsiger:
Hedge Fonds fleddern zunehmend Firmen und Konzerne
aus. Finanzmärkte mutieren zu Kasinos: Reine
Spekulation mit Währungskursen, Rohstoffen,
Lebensmittel und Energie verdrängen mittel- und
langfristige, seriöse Anlagestrategien. Daraus
resultiert die Aufblähung der Finanzmärkte und die
jetzige Krise.
Von uns, einschließlich der Ärmsten der Armen, wurden
die riesigen weltweiten Finanzvermögen
zwangsfinanziert und nun sollen wir Steuerzahler, in
der Mehrzahl also wieder wir abhängig Beschäftigten,
auch noch die riesigen weltweiten Spekulationsverluste
zahlen. Geld, das dem Haushalt über viele Jahre
entzogen wird, die Staatsverschuldung weiter erhöht
und als Begründung dient für weitere Kürzungen in
Arbeitslosen- Renten- und Krankenversicherung. Was wir
tun können... mehr
4.9.2
EU-Schuldenkrise
Rettungsschirm mit gigantischer Bürgschaft, doch
wer wird gerettet?
Schulden, immer mehr Schulden. Von der
Schuldenvermeidung zu kurzfristiger einmaliger
Kredit-Hilfe, weiteren Kredit-Hilfen,
Rettungs-Kreditschirm für drei Jahre und nun der
dauerhafte Rettungs- Kreditschirm ESM: Die
automatische Verschuldungs-Dauerhilfe ab Oktober 2012.
Die EU-Schuldenkrise rückte 2010 mit den
Verschuldungs-Problemen Griechenlands in den
Blickpunkt der Öffentlichkeit: "Die EU-Schuldenkrise
ist durch die katastrophale Verschuldung der Länder
der Eurozone: Portugal, Irland, Italien,
Griechenland, Spanien (PIIGS) verursacht." Hoch
verschuldet sind mittlerweile 20 Staaten des
Euro-Währungsraumes, sie alle verstoßen im erheblichen
Umfang gegen die EU-Stabilitätskriterien.
|
Wie kam es zu dieser
"katastrophalen Verschuldung der Länder
der Eurozone"?
An der Bezeichnung Staatsschuldenkrise wird
kritisiert, dass sie verschleiere, dass „wir
eigentlich eine Krise der Finanzwirtschaft
und der Banken haben, weil diese sich in
Spekulationen statt in solider
Kreditfinanzierung verausgabt haben“, was
zur Finanzkrise ab 2007 geführt habe.
Ähnlich argumentieren die économistes
atterrés, der Wissenschaftliche Beirat von
Attac, Albrecht Müller und andere. Die
Bezeichnung Staatsschuldenkrise führe dazu,
dass die Lösungsversuche durch einen
einseitigen Blickwinkel auf die
Fiskalkriterien dominiert seien. Dabei werde
übersehen, dass bei den finanzschwachen
Ländern – mit Ausnahme von Griechenland –
eine unsolide Haushaltspolitik nicht
feststellbar sei. Die eigentliche Ursache
für den Anstieg der Staatsverschuldung sei
die Finanzkrise ab 2007 gewesen. Einer
Korrektur der Fehlentwicklungen, die zur
Finanzkrise geführt haben, werde zu wenig
Aufmerksamkeit geschenkt.
Erklärungsmodelle zu Ursachen der Krise sind
variantenreich und werden kontrovers
diskutiert. Die Gemeinschaftswährung als
Ursache der Krise sehen einige
Wirtschaftswissenschaftler. Mit Einführung
des Euro wurden irische, spanische,
italienische, portugiesische und griechische
Anleihen plötzlich als so sicher angesehen
wie z. B. deutsche Anleihen. Die Südeuropäer
kamen plötzlich billiger an Geld, die Folge
war ein vor allem im Immobilienbereich von
Spekulationsblasen getriebener
Wirtschaftsboom. Da diese Krisenländer keine
eigene Währung hatten, entfiel der sonst
greifende Abwertungsmechanismus bei einer
national unabhängigen 'Währungspolitik'. Im
Zuge der Diskussion des Fiskalpaktes
kritisierten über 120 Ökonomen in einem
öffentlichen Aufruf den Ausdruck Staatsschuldenkrise
als irreführend und erklärten, dass bisher
kein Land die Krise durch Austeritätspolitik
überwunden habe.
Quelle Wikipedia
|
Hauptzahler
Deutschland haftet (Dez. 2011) mit 379
Milliarden Euro. Zur Haftung für den
EU-Rettungsschirm besteht aber noch die Haftungssumme
über 480 Milliarden Euro für die Bankenrettung im Jahr
2008. Allein die EU-Schuldenhaftung von 379 Milliarden
Euro ist höher als der Bundeshaushalt 2012 mit 306
Milliarden Euro. Insgesamt haften die Steuerzahler der
übrigen Eurozonen-Staaten mit 1496 Milliarden Euro,
abzüglich des minimalen Bankenanteils. Doch wer wird
gerettet? Und wer,mahnte 2011
Bundespräsident Wulff, rettet die Retter?
Es geht weder um die Rettung Griechenlands noch um die
Rettung des Euro. Der Wissenschaftler und
Finanzexperte Max Otte: "Es profitieren weder Europa
noch die griechischen Bürger oder die Bevölkerung der
Geberländer wie Deutschland. Hauptnutznießer dieser
Hilfen sind vor allem Investmentbanken und Superreiche
als größte Geldgeber Griechenlands.”
Und nun soll auch noch der dauerhafte “Europäischer
Finanzstabilisierungs Mechanismus ESM”, mit
weitreichenden Befugnissen und ohne Kontrolle durch
die Länderparlamente, Verschuldung mit weiterer
Verschuldung “bekämpfen”. Der ESM steht unter heftiger
Kritik.
Weitere Hintergrund-Informationen und Fakten zu den
Themen:
Wege aus der Schuldenkrise - Was bisher geschah und
wie alles anfing - EFSM, EFSF, ESM und Deutschlands
Milliardenhaftung - Kritik an den "Rettungs"-Maßnahmen
- Welche Gefahren die ESM-Einführung birgt und
die Chronik: Von der Währungs- zur Schuldenunion.
Siehe EU-Schuldenkrise
Aktion: Nein zur
Haftungsunion! - Keine Zustimmung im Bundestag zum
ESM (PDF)
Die Politik bezeichnet ihre neuen Kriseninstrumente,
ob EFSM, EFSF, ESM als alternativlos.
In Wahrheit sind sie wirkungslos.
Stoppt die EU-Schuldenunion
(ESM-Vertrag)! Abgeordneten Check!
Schluß
mit Schuldenunion. Raus aus dem ESM. Zurück zu
Demokratie
Was hat Bundespräsident
Gauck unterschrieben?
Bereits am 13.09.2012, einen
Tag nach der Vor-Entscheidung des
Bundesverfassungsgerichts hat Bundespräsident Joachim
Gauck die Gesetze zum Euro-Rettungsfonds ESM und zum
Fiskalpakt unterzeichnet. Aus der Tatsache dass das
BVG zwei Auflagen verfügt hat folgt, dass zur
Ratifizierung in Deutschland ein entsprechend
veränderter ESM-Vertrag erforderlich ist, dem von
allen 17 Euroländern völkerrechtlich verbindlich
zugestimmt wurde...
Zahlen oder austreten! - Soros fordert radikalen
Schnitt .
16.10.2012. Wenn Deutschland den Krisenländern nicht
helfen wolle, bleibe nur der Euro-Austritt. Damit
würden sich alle Probleme in Luft auflösen, sagte der
milliardenschwere Finanzinvestor Soros...
Quellen: Deutschland soll zahlen
oder austreten - ntv (PDF)
Soros empfiehlt Deutschland
Euro-Austritt - Süddeutsche (PDF)
Soros hält Europapolitik
für fatal - ntv (PDF)
Das
Elend der "Verschuldungs-Rettungsmaßnahmen"
schreitet weiter voran
ESM-Start mit Lug und
Trug?
Eine gemäß Verfassungsurteil
völkerrechtlich wirksame Änderung des ESM-Vertrags
wurde angekündigt, existiert aber gar nicht.
Nachtrag 17.5.2014: Merkwürdige
Geheimniskrämerei
Die BVerfG-Auflagen zum ESM müssen völkerrechtlich
sichergestellt sein, verlangte das
Bundesverfassungsgericht bereits in seiner
Eilentscheidung zum ESM am 12.Sept.2012. Auch nach
einem Jahr und acht Monaten wird das Dokument über
die Bestätigung der ESM-Auflagen durch alle
ESM-Mitgliederländer der Öffentlichkeit
vorenthalten. Selbst Schäubles Finanzministerium
darf nicht darüber verfügen. Die Genehmigung hierzu,
zwar beantragt, wird vom Generalsekretariat des
Rates der EU weiterhin verweigert.
Das ergab die Antwort
durch das Bundesministerium der Finanzen vom
13. Mai auf meine entsprechende Anfrage. Lediglich
die einseitige Erklärung
der Bundesrepublik Deutschland hierzu ist öffentlich
zugänglich.
Diese merkwürdige Geheimniskrämerei nährt zumindest
Zweifel, ob hier alles mit rechten Dingen zugeht ...
ESM und EZB im Rechtssumpf
- Hauptverfahren überfällig
Ungeklärte Rechtsfragen
drängen, EZB-Anleihekäufe unter heftiger Kritik.
Target-2 gefährdet
Bundesbankvermögen - Strafrechtliche Aspekte
EZB-Kredite für
Krisenstaaten, Bundesbank gigantischen Haftungsrisiken
ausgesetzt
Rettungspaket für Zypern?
- Staatsgeheimnis Bankenrettung
Die Rettungs-Milliarden aus
Steuergeldern schützen vor allem Anleger Westeuropas.
Zypern offenbart Sittenverfall durch
Rettungspolitik
Statt Insolvenz: Von simpler
Banken-Überschuldung zur gigantischen Politik-Posse.
ESM / EZB Hauptsacheverfahren des BVerfG
29.4.2013
Maßnahmen der EZB, vor allem
das sogenannte OMT-Programm, wird intensiv verhandelt.
Wichtige Information zur Bundestagswahl 2013
– Es geht um unser Geld 28.8.2013
Merkels Rettungsschirmpolitik gescheitert
ESM für Irlands marode Banken – die
Bankenunion soll es möglich machen.
4.1.2014
Schuldenländer drängen für
ihre Banken auf “Milliardenhilfen direkt durch den
ESM”
ESM – Geld regiert die Welt …und das Recht
ESM-Geheimflug nonstop in die Schuldenunion
Gaucks ESM-Ratifizierung rechtsunwirksam?
Ohne völkerrechtliche Sicherstellung der
BVerfG-Auflagen Ratifikationsvertrag unterschrieben
EuGH-Gutachten kein Freibrief für EZB
Mit EZB-Aufkäufen Verlustrisiko oft hoch
spekulativer Anlagen auf Steuerzahler abwälzen
Kap.5 Folgewirkungen
der Massenarbeitslosigkeit
"Schon
heute haben sich Lebensbedingungen bis in die Mitte
der Gesellschaft hinein verändert, so dass fast alle
Personen in relativ kurzer Zeit in Lebenssituationen
kommen können, in denen sie an den Rand der
Gesellschaft geraten, ihr Einkommen und ihren Status
verlieren und sich praktisch ohne Halt wiederfinden
können."
Ein weiterer Aspekt sind die gesamtwirtschaftlichen
Kosten der Arbeitslosigkeit. Denn nicht nur auf der
Ausgabenseite des Staates schlägt sich eine hohe
Arbeitslosigkeit durch Kosten unter anderem für
„Arbeit und Soziales“ (in Deutschland z. B. über 45 %
des Bundeshaushaltes 2006 von rund 262 Mrd. €) nieder.
Auch die Opportunitätskosten des entgangenen Nutzens.
Mögliche individuelle Folgen der Arbeitslosigkeit,
insbesondere der Langzeitarbeitslosigkeit, sind
psychische und gesundheitliche Probleme,
Entqualifizierung. Das Robert-Koch-Institut stellte
fest, dass arbeitslose Menschen einen schlechteren
Gesundheitszustand haben als Berufstätige.
(Kinder-)Armut
und Sozialstaatsentwicklung von C.
Butterwegge, Dez. 2008
Erklärungsbedürftig ist, warum es Armut, materielle
Not und Mangelerscheinungen im Zeichen der
Globalisierung bzw. der neoliberalen Modernisierung
trotz eines ständig steigenden gesellschaftlichen
Reichtums immer noch, ja selbst in einem hoch
entwickelten Land wie der Bundesrepublik Deutschland
vermehrt gibt und weshalb Familien, Mütter, Kinder und
Jugendliche heutzutage die Hauptbetroffenen sind.
Schließlich ist Kinderarmut in einem so wohlhabenden,
wenn nicht reichen Land „strukturelle Gewalt“ und ein
politisches Armutszeugnis für Staat, Wirtschaft und
Gesellschaft. Zur vollständigen Fassung
von Prf.Dr.Christoph Butterwegge, 2008
Aufruf
des 101. Deutschen Ärztetages zu Maßnahmen gegen die
chronische Massenarbeitslosigkeit
In Sorge, daß der Zusammenhang zwischen
Arbeitslosigkeit, Armut und Krankheitsgefährdung
weitere gesundheitliche und soziale Probleme
hervorbringt, daß der Solidarcharakter der
Krankenversicherung gefährdet ist und eine Gefährdung
des Sozialstaatsprinzips droht, rufen wir als
Ärztinnen und Ärzte alle Verantwortlichen dazu auf,
Maßnahmen gegen die Massenarbeitslosigkeit zu
ergreifen und die Erhaltung des Solidarprinzips in der
Krankenversicherung zu gewährleisten.
Begründung:
Mit weit mehr als 4 Millionen Arbeitslosen hat
Deutschland im Frühjahr 1998 eine Erwerbslosenquote,
die inzwischen höher liegt, als die nicht weniger
europäischer Nachbarländer, zum Beispiel
Großbritanniens, der Niederlande und Österreichs.
Chronische Arbeitslosigkeit hat Folgen, die uns als
Ärztinnen und Ärzte bekannt sind, die wir beklagen und
die wir verhüten müssen. Auch die ärztliche
Arbeitslosigkeit nimmt besorgniserregende Ausmaße an.
Bei den von Arbeitslosigkeit Betroffenen finden sich
bestimmte psychosoziale Befindlichkeitsstörungen und
eine deutlich höhere Gefährdung durch
Suchterkrankungen. Auch bestimmte somatische
Erkrankungen finden sich bei den von
Dauerarbeitslosigkeit und sozialer Not Betroffenen
häufiger.
Die Sozialkassen werden durch die Arbeitslosigkeit
ruiniert. Das Kostenproblem in der Krankenversicherung
ist nicht allein ein Ausgaben-, sondern vor allem ein
Einnahmenproblem. Immer weniger Beschäftigte mit
zunehmend geringer wachsendem Einkommen können auf die
Dauer nicht die notwendigen Kosten im Gesundheitswesen
aufbringen. Immer mehr Zuzahlungen gefährden das
Solidarprinzip. Milliardenausfälle in den Sozialkassen
werden auf die Dauer die Stabilität der sozialen
Krankenversicherung untergraben. Schließlich wären
auch die ärztlichen Arbeits- und Existenzbedingungen,
die eng mit der sozialen Krankenversicherung verknüpft
sind, gefährdet.
Anmerkung K.
Albrecht: Leider hat sich die sozialpolitische
Einstellung des Ärztetages in den Folgejahren stark
gewandelt. Im Vordergrund stehen nun Begriffe wie
demografische Belastung statt
Massenarbeitslosigkeit, Eigenverantwortung statt
solidarische Krankenversicherung oder die
Einkommenssituation der Ärzte statt der aller
Erwerbstätigen im Gesundheitswesen oder gar der
beitragzahlenden Krankenversicherten ...
In
Bearbeitung, Stichpunkte:
Armut, Kinderarmut, Altersarmut,
Sozialleistungssabbau, Leistungsdruck,
gesellschaftliche Ausgrenzung, schwindende Sicherheit
bei Existenz- und Familienplanung,
Jugendarbeitslosigkeit, psychische und
psychosomatische Erkrankungen, ...
Kap.6
Ausblick - Wirtschaftliche und
gesellschaftliche Entwicklungen
Weiter
so wie bisher?
Zunehmend betrifft die Arbeitslosigkeit auch
qualifizierte Arbeitnehmer, ebenso wie Spezialisten
und Hochqualifizierte weltweit. Die nächste
Zukunft bedroht längst nicht nur "Geringqualifizierte"
sondern durch die effektiver werdenden automatisierten
Prozessabläufe und intelligenteren Programme
Tätigkeiten aller Hierarchie-Ebenen und
Qualifikationen. Fachleute gehen davon aus, dass von
denjenigen, die heute in Deutschland einen beruflichen
Abschluss machen (durch Lehre oder Studium) nicht
einmal mehr die Hälfte eine normale Erwerbskarriere
(tariflich bezahlte Vollbeschäftigung vom Abschluss
der Ausbildung bis zur Erreichung der Altersgrenze)
vor sich haben.
Bei einer weiteren Abnahme der Erwerbstätigkeit führt
die heutige soziale Sicherung durch erhebliche
Sozialbeitrags- und Steuerausfälle ohne entsprechende
nachhaltige Anpassungen zu steigenden Belastungen und
oder zu Abbau und Minimierung der sozialen Sicherung
mit zunehmender Verarmung. Verstärkt wird dieser
Effekt durch die Zunahme des durchschnittlichen
Lebensalters mit längerem Alters-Ruhestand.
Auswirkung weiter zunehmender Produktivität auf
Gesellschafts- und Wirtschaftssystem.
Firmenkonzentrationen nehmen zu. Werksschließungen
wegen Überkapazitäten gibt es seit vielen Jahren.
Wettbewerber verschwinden. Der Verdrängungs-Wettbewerb
verschärft sich ebenfalls durch immer weiter sinkende
Kaufkraft. Mit ständig steigender Produktivität und
abnehmender Erwerbstätigkeit geht die Schließung von
Fabriken, Geschäften und ganzer Unternehmen einher.
Damit schwindet aber unwiderruflich die Basis für eine
gesunde, funktionierende Marktwirtschaft.
Wird der Schritt zur Umstellung von
marktwirtschaftlicher zu staatlicher Versorgung von
Nahrung und Konsumgüter, aber auch wieder die Bereiche
der Daseinsvorsorge wie Energie-, Wasser- und
Abfallwirtschaft, Gesundheit, Bildung und
Sozialdienstleistungen, immer nahe liegender,
wahrscheinlicher, ja geradezu zwingend?
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Mögliche Entwicklung skizziert im
"Manifest gegen die Arbeit, Kap.12"
Mit stetig wachsender Massenarbeitslosigkeit
vertrocknen die Staatseinnahmen aus der
Besteuerung von Arbeitseinkommen. Die
sozialen Netze reißen, sobald eine kritische
Masse von “Überflüssigen” erreicht wird, die
nur noch durch Umverteilung von anderen
Geldeinkommen kapitalistisch ernährt werden
können. Mit dem rapiden
Konzentrationsprozess des Kapitals in der
Krise, der über die nationalökonomischen
Grenzen hinausgreift, brechen auch die
Staatseinnahmen aus der Besteuerung von
Unternehmensgewinnen weg. Die
transnationalen Konzerne zwingen die um
Investitionen konkurrierenden Staaten zum
Steuerdumping, Sozialdumping und Ökodumping.
Die Infrastrukturen werden zurückgefahren
auf die Bedürfnisse des transnationalen
Kapitals. Wie ehemals in den kolonialen
Gebieten beschränkt sich die
gesellschaftliche Logistik zunehmend auf
wenige ökonomische Zentren, während der Rest
verödet. Was sich privatisieren lässt, wird
privatisiert, auch wenn damit immer mehr
Menschen von den elementarsten
Versorgungsleistungen ausgeschlossen
bleiben. Wo die Kapitalverwertung sich auf
immer weniger Weltmarktinseln konzentriert,
kommt es auf eine flächendeckende Versorgung
der Bevölkerung nicht mehr an.
Die geistige, künstlerische und theoretische
Kultur wird auf das Kriterium der
Marktgängigkeit verwiesen und stirbt ab. Das
Gesundheitswesen wird unfinanzierbar und
zerfällt in ein Klassensystem. Zuerst
schleichend und klammheimlich, dann in aller
Offenheit gilt das Gesetz der sozialen
Euthanasie: Weil du arm und “überflüssig”
bist, musst du früher sterben. Während alle
Kenntnisse, Fähigkeiten und Mittel der
Medizin, der Bildung, der Kultur, der
allgemeinen Infrastruktur überreichlich zur
Verfügung stehen, werden sie nach dem zum
“Finanzierungsvorbehalt” objektivierten
irrationalen Gesetz der Arbeitsgesellschaft
unter Verschluss gehalten, demobilisiert und
verschrottet – genau wie die industriellen
und agrarischen Produktionsmittel, die nicht
mehr “rentabel” darstellbar sind... In einem
weiter fortgeschrittenen Stadium zerfällt
die Staatsverwaltung überhaupt. Die
Staatsapparate verwildern zu einer korrupten
Kleptokratie, das Militär zu
Mafia-Kriegsbanden, die Polizei zu
Wegelagerern…
Zur Quelle: Manifest
gegen die Arbeit, Kap.12. "Das Ende der
Politik" Zeitschrift Krisis
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Der technische Fortschritt
ermöglicht, dass wir alle weniger arbeiten
müssen. Nutzen wir die Chance.
Das ist letztlich Sinn der
Technik:Menschliche Arbeit durch Maschinen
und automatisierte Prozesse zu ersetzen.
Selbstbestimmt leben und arbeiten und nicht
arbeiten um zu (über)leben! Es wird
notwendig den Begriff Arbeit zu
differenzieren, zu unterscheiden zwischen
Erwerbstätigkeit zur Existenzsicherung und
andererseits Arbeit als freiwillige
Tätigkeit, Beschäftigung aus Eigeninteresse.
In den Anfängen des Menschseins und der
menschlichen Sprache gab es den Begriff
Arbeit nicht. Arbeit war identisch mit
Leben. Die alten Philosophen Griechenlands,
die bis in unser heutiges modernes Leben
hineinwirken, schätzten Arbeit als geringe,
meist unfreie körperliche Arbeit ein. "Die
der Selbsterhaltung diente, zum Banausos
machte, leiblicher und seelischer
Menschenwürde schadete. Die den Freien
untüchtig macht zum würdigen Genuss des
Daseins". Gesellschaftliche Aufwertung
erfuhr die Arbeit als "moralische
Verpflichtung" im Mittelalter durch das
christliche Kloster. Die wahre Lösung jedoch
war für die Mönche im 11. Jahrhundert die
Erfindung und Anwendung arbeitssparender
Maschinen. Eine Fülle technischer
Erfindungen ging einher mit der Aufwertung
des technisch gebildeten Handwerkers, zum
"ehrbaren Handwerksstand". Heute sehen wir
im Wesen der Arbeit und damit des Menschen
nicht allein die Existenzsicherung durch
Schaffung des Lebensunterhalts, sondern die
gestaltende, freie, schöpferische
Tätigkeit.
Technik, verantwortungsbewusst nach
ethischen Bedingungen eingesetzt, ermöglicht
dem Mensch die Freiheit, die er zu seiner
Selbstverwirklichung benötigt. Dazu ist
unabdingbar, dass wir alle an den Gewinnen
des technischen Fortschritts beteiligt
werden. Nötig ist eine gerechte Beteiligung
an den Unternehmensgewinnen, die Absicherung
auch einer künftigen Teilhabe an den
Erfolgen eines umweltverträglichen
technischen Fortschrittes, der den Menschen
zum Mittelpunkt hat. Ein
Produktivitätsvorteil, der immer mehr "liebe
MitarbeiterInnen" in die Arbeitslosigkeit
führt und die übrigen rund um die Uhr
antreten lässt, ist absurd.
|
Fortschritt für alle
Gelingt es sozialverträgliche, Existenz und
Lebensstandard sichernde und zukunftsweisende
Lösungsansätze, wie zum Beispiel in Kapitel 3
dargestellt, zu realisieren gibt es immer mehr frei
verfügbarer Zeit für alle.
Diese Zeit, bei gesicherter Existenz, sinnvoll zu
nutzen ist für viele Menschen kein Problem. Aber viele
Menschen müssen auch gefördert werden um einen
menschlichen Gewinn aus der zunehmenden freien Zeit
ziehen zu können. Interessen sind zu wecken, Neigungen
und Talente zu fördern. Ergänzung bzw. Erweiterung des
Bildungssystems mit dem Ziel kreative Selbstentfaltung
zu fördern. Einrichtungen sind zu schaffen um die
gewonnene Freizeit kreativ zu nutzen und in neuen
Lebensinhalten Selbstbestätigung und Erfüllung zu
finden. Das muss als große neue gesellschaftliche
Aufgabe entwickelt werden: Förderung selbstbestimmten
Lebens mit immer weniger fremdbestimmter Tätigkeit.
Dazu gehört sicher die Förderung freiwilliger,
ehrenamtliche Arbeit, Einrichtung erforderlicher
staatlicher Organisationsstrukturen. Uns braucht
absolut nicht bange sein vor ein Leben mit weniger
fremdbestimmter Arbeit.
Wir tun heute schon viel auf freiwilliger Basis. Und
längst nicht nur für unsere persönlichen Interessen
wie kunsthandwerkliche oder technische Hobbies,
Naturbeobachtung oder Gartenarbeit, Wandern und
Reisen, Beschäftigen mit Sinnfragen und vielem mehr. Viele engagieren sich bereits heute
freiwillig und ehrenamtlich* in sozialen Hilfsdiensten,
in der Kirche, bei Feuerwehr und technischem
Hilfswerk, im freiwilligen sozialen Jahr, in der
Entwicklungshilfe, für die Gemeinschaft in Vereinen
und Bürgerinitiativen, in Natur- und Umweltschutz.
Hier werden bereits Leistungen erbracht, die den Staat
auch erheblich
entlasten. *Heilbronner
Stimme 13.Dez.2012
Kap.7 Umsetzung
- Ideen gibt es viele, aber wie realisieren
Die
Chance für bessere Lebensbedingungen aller Menschen
ist durch die technische Entwicklung gegeben. Wie sie
gestaltet werden, ob zur (fast sorgenfreien)
Selbstverwirklichung aller Menschen, ob zur
verstärkten Privilegierung einiger weniger, können und
müssen die Betroffenen selbst beeinflussen. Letztlich
ist es eine Verteilungsfrage, eine Machtfrage zwischen
den Betroffenen. Dass die Verteilung einigermaßen
gerecht zugeht erfordert eine starke Gegenkraft, um
notwendige Regelungseingriffe des Staates zu
erreichen. Es reicht sicher nicht auf eine bessere
Regierung oder auf die Einsicht der Unternehmer oder
der Mächtigen dieser Welt zu hoffen. Eines ist sicher:
Von selbst ändert sich hierzu so gut wie nichts.
Lösungsansätze
gibt es viele. Aber wie umsetzen? Darauf gibt es eine
schlichte Antwort!
Wir müssen selbst aktiv werden. Jede/r von
uns. Wir alle.
Am
wirkungsvollsten und auch am einfachsten ist, die
ungerechte und unsoziale Politik abwählen und
für die erforderlichen Änderungen öffentlich und
privat eintreten.
Darüber hinaus können wir zum Beispiel als Mitglied
von Kirche, Gewerkschaft, in sozialen Organisationen
für Änderungen eintreten und Einfluß nehmen.
Arbeitgeber / Unternehmer können selber Änderungen
veranlassen, eine Vorreiterrolle übernehmen, in den
Wirtschaftsverbänden für Änderungen eintreten oder
unterstützen.
Eliten können Änderungen veranlassen, als Prominente
wirkungsvoll öffentlich agieren. Politiker können
Änderungen beschliessen, für eine Änderung der Politik
eintreten und Verbündete auch international gewinnen.
Ehepartner, Kinder, Eltern können auf einflussreiche
Familienangehörige einwirken.
nach oben
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Rente: Popanz
Demografie
Die Rente könnte sicher sein. Die
Erwerbsbevölkerung war selten größer als
heute und die Produktivität nimmt weiter zu.
Haben wir ein Demografie-Problem? Angesichts
der hektischen Scheinaktivitäten der
Bundesregierung könnte man meinen, dass dem
so ist. Das unbestreitbare Altern der
Gesellschaft ist mal wieder in aller Munde.
Aber ist es tatsächlich ein Grund zur Sorge?
Zur Begründung für diese Politik, die
Altersarmut spätestens ab der nächsten
Generation wieder zur Regel machen wird, und
die derzeit das Merkelsche Spardiktat auch
den südeuropäischen Ländern aufzwingt, wird
immer wieder auf die demografische
Entwicklung verwiesen. Der oben erwähnte
Ex-Minister wies kürzlich in einem
Gastbeitrag im Berliner Tagesspiegel darauf
hin, dass das eigentliche Problem der
Rentenversicherung darin besteht, dass nicht
mehr genug einzahlen und Niedriglöhne
natürlich auch zu Niedrigbeiträgen
führen. Zur Quelle
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Arbeitslose
weltweit um fünf Millionen gestiegen
Focus,
20.1.2014. Weltweit steigt die Zahl der
Arbeitslosen an. 2013 waren rund fünf
Millionen Menschen mehr arbeitslos als im
Jahr zuvor. Grund dafür sei auch dass viele
Staaten zu wenig täten, um neue Jobs zu
schaffen. Insgesamt seien auf der Erde fast
202 Mio Menschen ohne festen Arbeitsplatz,
heißt es im ILO-Arbeitsmarktbericht für
2013. Besonders besorgniserregend der
anhaltende Anstieg der
Jugend-Arbeitslosigkeit. Wenn das
Wirtschaftswachstum weiter nicht über dem
Vorkrisenniveau liegt, wird die Anzahl der
Arbeitssuchenden nach ILO-Schätzungen bis
2018 um mehr als 13 Millionen Menschen
steigen.
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Arbeitslosigkeit
in der Euro-Zone
bleibt
auf
Rekordhoch
Zeit,
8.Jan.2014. Mehr als 26 Millionen (12%)
Menschen sind in der Euro-Zone ohne Arbeit,
wie die EU-Statistikbehörde Eurostat
mitteilte. Am härtesten betroffen
Griechenland mit 27,4% und Spanien mit 26,7%
Arbeitslosen-Quote. Deutschland steht mit
einer Arbeitslosenquote von 5,2% (Anm.K.A.: Siehe
K.1.2 Arbeitslosenstatitik und
Arbeitsmarkt-Realität) hinter Österreich (4,8%) am
zweitbesten da. Die anhaltend hohe
Jugendarbeitslosigkeit besorgt die EU seit
Langem. Fast ein Viertel der jungen Menschen
in Europa hat keinen Job. In der
Europäischen Union entspricht das mehr als
5,6 Millionen Menschen.
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Jobwunder
und Arbeitsmarkt-Realität
CDU/CSU und die Hofberichterstattung
schwärmen vom Jobwunder. Das Volk wundert
sich: Halten die uns wirklich für so blöd?
Fast 4 Millionen tatsächlich
Arbeitslose im Dezember 2013! Der rosige
Blick verfinstert noch mehr, umfasst er auch
die seit über zwanzig Jahren angestiegene
prekäre Beschäftigung: Millionen
Erwerbspersonen haben keine anständig
bezahlte und sichere Arbeitsstelle. Unter
der bejubelten Beschäftigungsrekordzahl
befinden sich allein mehrere Millionen
Niedriglöhner als größte Gruppe der prekär
Beschäftigten, siehe nebenstehende
Auswertung nach aktuellen Daten von Destatis
und Datenreport 2013, sowie IAQ, IAB und
DGB-Studie. Trotz gesunkenem Arbeitsvolumen
durch enorme Produktivitätssteigerung seit
1960 hat sich durch parallele
"Arbeitszeitflexibilisierung" mit
Millionen Teilzeit- und Mini-Jobs
die Beschäftigtenzahl so erhöht. Im
Nov.2013 würden 31,8 Mio.
Erwerbstätige in Vollzeit (40 Std-Wo.) zur
Bewältigung des Arbeitsvolumens ausreichen.
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Hungerlohn am Fließband
Wie
Tarife
ausgehebelt werden
6.05.2013. Nach ARD-Recherchen werden
mittlerweile sogar an den Fließbändern von
großen Unternehmen Löhne gezahlt, die
niedriger sind als der vielfach geforderte
Mindestlohn von 8,50 Euro. Und dies trotz
bestehender Tarifverträge, die der
Stammbelegschaft bei gleicher Arbeit
deutlich höhere Löhne zusichern. Tatsächlich
arbeiten diese Menschen Hand in Hand mit der
Stammbelegschaft, verdienen aber zum Teil so
wenig, dass sie sogar einen Anspruch auf
Aufstockung auf die Hartz-IV-Sätze haben.
Billiglöhner ersetzen reguläre
Arbeitsplätze, teilweise zu weniger als der
Hälfte des üblichen Tariflohns. Outsourcing,
Zeitarbeit, Werkverträge, Minijobber,
Multijobber: So heißen die neuen Tricks der
Lohndrücker. Im Durchschnitt werden hier
6,68 Euro verdient. 1,4 Millionen
Beschäftigte sollen sogar nicht einmal 5
Euro die Stunde verdienen. ARD
|
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Staat subventioniert Niedriglöhne
mit 8,7 Mrd Euro
O-Ton Arbeitsmarkt, 27.2.2013. Über 1,2
Millionen abhängig Beschäftigte in
Deutschland bezogen 2011 aufstockende „Hartz
IV“-Leistungen, obwohl sie Arbeit hatten.
Etwa die Hälfte (46 Prozent) war voll- oder
teilzeitbeschäftigt und erreichte dennoch
kein Gehalt, das den Lebensunterhalt
abdecken konnte. Den Staat kostete diese
Subventionierung von Niedriglöhnen insgesamt
8,7 Milliarden Euro. Das geht aus Daten der
Bundesagentur für Arbeit hervor, Aug 2012.
Quelle O-Ton
Arbeitsmarkt
|
Widersprüchlich
"Jedoch in weiten Bereichen unserer Industrie
gibt es den Fachkräftemangel tatsächlich
nicht. In meinem Umfeld sind viele junge
Menschen, die ein Studium in verschiedensten
Fachrichtungen mit hevorragender Qualifikation
abgeschlossen haben. Viele dieser so gesuchten
Fachkräfte haben schon mehr als 100
Bewerbungen versendet. Totzdem ist es oft
nicht möglich, einen Arbeitsplatz zu
annehmbaren Bedingungen zu finden. Bei
Bewerbungsgesprächen, wenn es denn überhaupt
so weit kommt, wird oft erklärt, dass sich
Hunderte Von Bewerbern auf die Stelle beworben
hätten"
Aus einem Leserbrief von C. Baier, Heilbronner
Stimme vom 5. März 2014.
Die "Fata
Morgana Fachkräftemangel" wird auch 2017 von Wirtschaft und
Mainstream-Medien gepflegt.
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CDU/CSU will 2
Millionen Menschen vom Mindestlohn
ausschliessen
27.1.2014. Der gesetzliche Mindestlohn
kommt. Doch kommt er auch für 5,25 Millionen
Beschäftigte ( ohne Praktikanten oder
Auszubildende), die heute weniger als 8,50
Euro pro Stunde verdienen? Nein, sagen
Arbeitgeber und Politiker von CDU/CSU und
fordern Ausnahmen. Gälte der Mindestlohn
nicht für Minijobber, Rentner, Schüler,
Studenten und hinzuverdienende Arbeitslose,
gingen zwei Millionen der Geringverdiener
oder 37 Prozent leer aus. Ohne Ausnahmen für
Minijobber wäre es immer noch fast ein
Viertel. Zu diesem Ergebnis kommt eine
Untersuchung auf Basis des
"Soziooekonomischen Panels" des WSI der
Hans- Böckler- Stiftung. Zur Quelle
|
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Zunehmende Erwerbstätigkeit im
Rentenalter
Im Jahr 2012 waren nach Mikrozensus nahezu
830.000 Erwerbstätige 65 Jahre und älter.
Gegenüber Jahr 2000 mehr als verdoppelt.
53,3 % sind abhängig beschäftigt;
nahezu alle dieser 440.000 Personen beziehen
eine Altersrente, die sie aufstocken.
Dagegen erwarben nur 16.500
durch verlängerte Lebensarbeit
Rentenzuschläge.
Nach der Beschäftigtenstatistik der BA gab
es über 820.000 Minijobber im Alter
ab 65 Jahren. Beachtlich höher als vom
Statistischen Bundesamt angegeben.
Offen bleibt, aus welchen Gründen Rentner
weiterhin eine Arbeit ausüben, sicherlich
materielle Motive: Einkommens- Verluste, die
infolge der Rentenpolitik größer werden und
bis hin zur Altersarmut reichen, sollen
kompensiert werden. Zum anderen immaterielle
Motive... sozialpolitik-aktuell
|
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„Für die
Beschäftigten erweist sich die Annahme, in
Mini-Jobs werde - brutto gleich netto
- und damit mehr verdient, damit
faktisch als Illusion. Durch Lohnabschläge
kommt der "Vorteil" durch die Steuer- und
Abgabenbefreiung nicht den Beschäftigten im
Mini-Job, sondern den Unternehmen zugute." WSI
Mitteilungen
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Recht auf Faulheit?
Seit Beginn der Massenarbeitslosigkeit,
Mitte der 1970er, wurden Arbeitslose in
politischen Kampagnen pauschalisierend
abgewertet, diskriminiert: Die erste
„Faulheitsdebatte“ wurde von
Bundesarbeitsminister Walter Arendt
eröffnet. Bundeskanzler Helmut Kohl
agitierte mit Begriffen wie „kollektiven
Freizeitpark Deutschland" oder "sozialer
Hängematte". Bundeskanzler Gerhard Schröder:
„es gibt kein Recht auf Faulheit“.
Arbeitsminister Wolfgang Clement
verantwortete die Schrift: „Vorrang für die
Anständigen. Gegen Missbrauch, Abzocke und
Selbstbedienung im Sozialstaat“. Im Frühjahr
2010 wird die "spätrömische Dekadenz-Hartz
IV-Kampagne", vom FDP-Vorsitzenden
Westerwelle durch eine Expertise für den
Paritätischen Wohlfahrtsverband widerlegt.
Arbeitslose müssen als Sündenböcke für eine
verfehlte oder zu zögerliche Arbeitsmarkt-
und Beschäftigungspolitik herhalten.
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Leserbrief
Westerwelle muß zurücktreten
Ich halte es für eine Schande, dass in
unserem Lande ein solcher "Politiker"
Vizekanzler und Minister ist. Er wurde
durch die Expertise als Demagoge überführt. Weil
Westerwelle bewusst mit falschen Zahlen
gegen Menschen, die keine Arbeit haben und
auch keine finden, eine Hetzkampagne
betreibt. Ich betone bewusst mit falschen
Zahlen. Oder glaubt jemand allen Ernstes die
FDP und Westerwelles Berater und
wissenschaftlichen Mitarbeiter, der ganze
Parteiapparat besteht aus lauter Deppen, die
bei einem so wichtigen und sensiblen Thema
nicht in der Lage sind die relevanten
Sozialleistungen korrekt darzustellen?
Das Problem sind ganz sicher nicht die
0,05 %
erwerbsfähigen H IV-Bezieher, die eine "zumutbare Arbeit
verweigerten". Das Problem ist, dass
Menschen die Arbeit suchen keine finden weil
nicht genügend Arbeitsplätze vorhanden sind.
Das Problem ist, dass immer mehr Menschen
aufgrund der millionenfachen
Arbeitslosigkeit ausgebeutet werden und
trotz Vollzeitarbeit oft nicht genug Lohn
erhalten um ihre Familie zu ernähren. Das
Problem ist Westerwelle, der diese Menschen
diffamiert und beleidigt. Die
Staatsanwaltschaft sollte prüfen, ob nicht
der strafrechtliche Tatbestand der
Volksverhetzung vorliegt.
Knut Albrecht, 6.3.2010
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Ganz abgesehen von den bitteren
Erfahrungen und Lebensumständen, die
Betroffene unter HartzIV erleben, sehen
viele nicht die Auswirkungen auf sich
selber, auf alle abhängig Erwerbstätigen.
HartzIV fördert Prekarisierung und
sinkendes Lohnniveau, senkt letztlich
die Lebensqualität für alle!
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„Hurra, wir dürfen zahlen, der
Selbstbetrug der Mittelschicht“
Warum befürworten Normalverdiener
Steuergesetze, die die Oberschicht bzw.
Eliten einseitig privilegieren? Sieht sich
die Mittelschicht - in Abgrenzung vom
sogenannten Präkariat – irrtümlich
selbst als Teil der Elite und stimmt deshalb
auch Vorhaben zu, die weniger ihr, sondern
vor allem den Eliten nützen? Auch die
Massenarbeitslosigkeit (inzwischen sei jeder
„drinnen“, der als Arbeitsloser nicht
„draußen“ sei) verleite die Beschäftigten
der Mittelschicht dazu, sich mit der Elite
zu identifizieren. 47 % der Bevölkerung
glauben dass Langzeitarbeitslose
„arbeitsscheu“ seien, was durch „Doku -
Soaps“ des „Unterschichtenfernsehens“
täglich verbreitet werde. Der Glaube, dass
die Steuern vor allem an die Unterschicht
umverteilt würden, hätte auch viele in der
Mittelschicht verleitet, jede Steuersenkung
gut zu heißen. Typisch für alle Reformen:
Die Eliten profitieren, die Mittelschicht
zahlt.
Buch von Ulrike Herrmann, im März 2010
erschienen. Zur Rezension
|
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Strukturelle Unterfinanzierung
der öffentlichen Haushalte nachhaltig
beenden
Die öffentlichen Haushalte sind weiter
zunehmend unterfinanziert. Hauptursache ist
eine seit über einem Jahrzehnt praktizierte
Steuerpolitik: Nach der aus vorglobalen
Zeiten überkommenen Systematik und Praxis
der Steuererhebung können heute erhebliche
Anteile von großen, in Deutschland
erworbenen Einkommen legal dem deutschen
Fiskus entzogen werden.
Als eine Folge sind die Investitionen der
öffentlichen Hand drastisch zurückgegangen,
Verschuldung und Schuldzinszahlungen von
Bund, Ländern und Gemeinden haben ein
bedrohliches Ausmaß erreicht.
Als weitere Folgen ... Quelle: Kapitel 1 aus Steuermassnahmen
zur nachhaltigen Staatsfinanzierung, 2012
Prof. Dr. Lorenz Jarass
|
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Erneuerbare Energien schaffen
Arbeitsplätze
In der deutschen Atomindustrie arbeiten
nur noch etwa 30.000 Menschen. Zusätzliche
Arbeitsplätze werden dort nicht geschaffen.
Die hochdynamische
Erneuerbare-Energien-Branche hingegen hat in
nur einem Jahr (2008) rund 30.000
Arbeitsplätze neu geschaffen. Nach Angaben
der Bundesministerien für Umwelt und
Wirtschaft arbeiten somit schon 280.000
Menschen in der Branche. Perspektivisch
können durch den weiteren Ausbau der
Erneuerbaren Energien in Deutschland über
eine Million Arbeitsplätze entstehen. Das
ist die richtige Antwort auf die
Wirtschaftskrise. Zur
Quelle
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Lehrstück über neoliberales
Unternehmer-Denken.
Ein mittelständischer Unternehmer hat
Joachim Jahnke im Dez. 2007 angeschrieben:
"... Sicher, ich bin ein neoliberaler
Unternehmer (Pfui!), aber eigentlich müsste
doch die Sicht auf die Wirklichkeit, solange
sie sachorientiert und nüchtern erfolgt, zu
vergleichbaren Ergebnissen führen. Aktuell
fallen mir Ihre ausführlichen Bemerkungen
zum Mindestlohn auf."
Es wurde dann über 14 Runden diskutiert. Am
Ende abgebrochen, weil es nirgendwohin
führte. Es ist fast unglaublich, was dieser
wahrscheinlich nicht untypische
Mittelständler in seiner letzten Einlassung
alles losließ. Hier ist das alles krönende
Zitat:
„Aus Unternehmersicht gibt es ja immer
häufiger Überlegungen, dass man mit weniger
und mit besser qualifizierten Mitarbeitern
auskommen sollte, weil die weniger fähigen
im Ende mehr Geld vernichten als sie
erwirtschaften. Auf der Kundenseite sollte
man versuchen, sich auf genau diesen Teil
der Gesellschaft zu konzentrieren.
Schätzungsweise sind das ca 30-40% der
Bevölkerung. Der Rest des Marktes wird immer
unattraktiver, weil sich hier immer weniger
Erträge erwirtschaften lassen. In diese
Richtung denken immer mehr Unternehmer und
Manager. Welcome to the real world."
Dr.
Joachim Jahnke: 14 Diskussionsrunden mit
einem mittelständischen Unternehmer
|
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Neueste Meldung:
Wirtschaft beklagt hohe Löhne
"Wir produzieren teurer, schon weil die
Löhne für gleiche Leistung gestiegen sind;
wir produzieren weniger, weil die tägliche
Arbeitszeit verkürzt worden ist, die Streiks
enorme Zeitverschwendung bedingten und weil
der höhere Lohn vielfach nur zu Bummelei
verlockte...; wir produzieren schlechter
weil unser Arbeiterstand in seiner
technischen Schulung und moralischen
Disziplin zurückgegangen ist."
"Schlesische Zeitung“ April 1875
|
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Globale Billiglohn-Olympiade
Die Arbeitgeber machen sich vom Acker des
Sozialstaats, doch sie werden dafür einen
hohen Preis zahlen müssen. Das westdeutsche
Wirtschaftswunder war nicht das Ergebnis
einer Billiglohn- Konkurrenz. Der Wettbewerb
war ein Qualitätswettbewerb, in dem
Innovation, Service und Solidität eine große
Rolle spielten. Wenn wir uns auf die globale
Billiglohn-Olympiade einlassen, werden wir
auch die Kinderarbeit wieder einführen
müssen, denn die ist am billigsten. Im
Übrigen ist der Hinweis auf Globalisierung
in manchen Fällen auch nur eine billige
Ausrede für Niedriglöhne. Wenn in Dortmund
Haare für 1,50 Euro Stundenlohn geschnitten
werden, dann nicht aus globalen
Wettbewerbszwängen. Kein Dortmunder fliegt
nach Prag, Mogadischu oder Mumbai, weil dort
das Haareschneiden billiger ist. Und Fenster
werden zwecks Reinigung auch nicht nach
China geflogen. zur
Quelle
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OECD: Zuwanderung gegen deutschen
Arbeitskräftemangel
Nov.2010
Meinung von FAZ-Leser Rüdiger Noll:
Stimmt, es gibt den Fachkräftemangel, den
man uns weismachen will ....
.. aber nur, wenn man z.B. Dipl.Ing´s sucht,
mit 15 Jahren Berufserfahrung, die sich mit
einem Bruttogehalt von max. 2.100 EUR
zufrieden geben und nicht älter als 33 sind!
Dies ist in anderen Branchen ähnlich. Wie
einige Leser bereits richtig bemerkt haben,
ist es tatsächlich so, dass der
Fachkräftemangel nur ausgerufen wird, um die
Löhne ebendieser Kräfte mittels
"Arbeitsmigration" weiter zu drücken ,
verbunden mit der Ausgrenzung von Kräften
die älter als 40 sind. Alleine in meinem
Bekanntenkreis gibt es 5 wirklich
hochqualifizierte Arbeitssuchende, sie haben
allerdings einen grundsätzlichen Makel: Ihr
Alter liegt zwischen 45 und 55 Jahren!! In
den letzten Wochen hatte ein hessischer
Energieversorger die Stelle des
Personalleiters ausgeschrieben - eine
hochqualifizierte Position also - und es
haben sich 150 (in Worten:
Einhundertfünfzig!) hochqualifizierte
Bewerber gemeldet. So sieht heutzutage
Fachkräftemangel aus! ...
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Ausbildungsverträge 2013 auf
niedrigstem Wert
Laut einer Erhebung des Bundesinstituts für
Berufsbildung (BiBB) sei die Zahl der neu
abgeschlossenen Ausbildungsverträge auf
530.715 gefallen und liege damit auf dem
niedrigsten Wert seit der Wiedervereinigung.
Damit sei die Zahl der abgeschlossenen
Ausbildungsverträge stärker gesunken als die
Zahl der Ausbildungsinteressierten. Im
Vergleich zum Vorjahr sei das
Ausbildungsplatzangebot um 20.283 auf
564.249 gesunken. Nur noch gut ein Fünftel
aller Betriebe bilde überhaupt noch aus. Wie
will Bundesregierung Negativtrend stoppen
und wie steht es um vereinbarte
Ausbidungsgarantie? BT-Anfrage Linke
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Hilfe erfordert fundamentale
Veränderung
Wir müssen Entwicklungshilfe
stärker an Bedingungen knüpfen. Wir dürfen
kriminellen Regimen gegenüber nicht tolerant
sein, nicht so fatal neutral. Falsche
Entwicklungshilfe unterstützt am Ende die
kriminellen Regierungen. Viele Länder sind
so korrupt, dass Geld und Hilfsgüter nicht
bei den Hilfsbedürftigen ankommen. wir
brauchen ein Mindestmaß an demokratischen
Strukturen, an Respekt und an ökonomischer
Transparenz. Humanitäre Hilfe kann nur wenig
erreichen, wenn die Politik keine
fundamentalen Veränderungen einleitet.
Brennende Wut auf all jene, die sich in
teuersten Anzügen als Humanisten vor den
Mikrofonen gerieren, aber wo es darauf
ankommt, elegant zur Seite schauen, um ja
keine nationalen Vorteile wirtschaftlicher
oder militärischer Natur zu gefährden. J.
Orbinski, ehem. Präsident von "Ärzte ohne
Grenzen".
Siehe auch Mitleid –
eine boomende Industrie
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Spekulation mit Nahrungsmitteln
Etwa eine Milliarde Menschen auf der Welt
hungern und sind unterernährt. Allein im
Jahr 2010 stiegen die Nahrungsmittelpreise
um ein Drittel und nur dadurch wurden mehr
als 40 Millionen Menschen zusätzlich in
absolute Armut gestürzt. Es gab aber auch
einen anderen Rekord: Bis Ende März 2011
haben Kapitalanleger wie Versicherungen und
Pensionsfonds 600 Milliarden Dollar in die
von den Investmentbanken und Hedgefonds
aufgelegten Papiere für Wetten mit
Rohstoffen, darunter Mais und Weizen,
investiert.
Der foodwatch-Report „Die
Hungermacher“ liefert erdrückende Belege
dafür, dass die Nahrungsmittelspekulationen
an den Rohstoffbörsen die Preise treiben und
Hunger verursachen. Sie reichen vor allem
aus, um unverzügliches Handeln der Politik
einzufordern. Zuvorderst die Europäische
Union muss den Handel an den Rohstoffbörsen
streng regulieren.
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Schweigegelübde
zu Produktivitätsfolgen
Seither herrscht eine Allparteien-
Einigkeit, über die Wirklichkeit hartnäckig
hinwegzureden. „Ein Schweigegelübde unseres
Establishments“, hat das der ehemalige
SPD-Bundesgeschäftsführer Peter Glotz
genannt. Er gehörte in den achtziger
Jahren zu den ersten Vertretern dieses
Establishments, der dieses Schweigen brach.
Seine These von der Zwei- Drittel-
Gesellschaft besagte, dass immer weniger
Menschen gebraucht würden, um die
sagenhaften Produktivitäts- Gewinne der
modernen Ökonomie zu erwirtschaften. „Der
Rest kann das Spiel nicht mitspielen oder
will es nicht ...
zur Quelle
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Gespensterdebatte: Fachkräftemangel
Fachkräftemangel
bei 8 Millionen
Arbeitssuchenden? Ehrlicher wäre wohl "Wunsch nach
noch billigeren Fachkräften". FDP- und
CDU-Politiker wollen trotz millionenfacher
Arbeitslosigkeit und Unterbezahlung auch von
vielen heimischen Fachkräften die
Zuwanderung von ausländischen "Fachkräften"
fördern. Insbesondere Senkung der
Einkommensgrenzen, Ausnahmen von der
Vorrang-Einstellung für inländischen
Bewerber, leichteren Nachzug der Familien...
Bundesarbeitsministerin
Ursula von der Leyen (CDU) will die Zuwanderung
von ausländischen Fachkräften bestimmter
Berufe erleichtern. Dabei zielt sie auf
Ausnahmen von der bisher geltenden
Vorrangprüfung, nach der Arbeitgeber
prinzipiell nur dann eine ausländische
Fachkraft einstellen dürfen, wenn die
Arbeitsagentur nachweislich keinen
inländischen Bewerber findet. Die konkrete
Umsetzung könne im ersten Quartal 2011
beginnen. Bildungsministerin
Schavan, CDU hatte erklärt, dass die
Attraktivität Deutschlands für Fachkräfte
aus aller Welt erhöht werden müsse. Sie
könne sich langfristig vorstellen, dass die
Einkommensgrenze für den Zuzug von
Ausländern ganz falle. nZudem hatte sie auch
für erleichterte VisaVerfahren für
ausländische Spezialisten und einen
leichteren Nachzug der Familien von
ausländischen Experten plädiert, die nach
Deutschland kommen. Wirtschaftsminister
Brüderle, FDP will "wegen des
Fachkräftemangels" den Arbeitsmarktzugang
für ausländische Fachkräfte erleichtern und
Zuwanderungshürden senken, Unternehmen
könnten ihrerseits eine "Lockprämie"
zahlen. "wie Deutschland für
ausländische Facharbeiter endlich attraktiv
wird, steht ganz oben auf meiner Agenda",
sagte der FDP-Politiker. Als ein mögliches
Mittel bei der Anwerbung von
Hochqualifizierten nannte Brüderle "die
Reduzierung der Einkommensschwellen" für
ausländische Fachkräfte.
In Deutschland
gebe es genügend Potenzial an Fachkräften
bis hoch zum Ingenieur, heißt es bei der
IG Metall. Ver.di hatte von einer
Gespensterdebatte gesprochen.
Der Chef der Bundesagentur für
Arbeit (BA), Weise: "das vorhandene Potenzial im Land
sollte erst einmal genutzt werden. Wir
können nicht zulassen, dass Menschen in
Arbeitslosigkeit sind, nur weil ihre Talente
nicht genutzt werden". Laut Weise sei der
bessere Ansatz, Arbeitsangebote attraktiver
zu machen. "Wer qualifizierte Kräfte haben
und halten will, muss etwas bieten – das
können die Unternehmen selbst gestalten, da
braucht man nicht nach dem Gesetz zu rufen."
Ein wichtiger Aspekt sei die Vereinbarung
von Familie und Arbeit: "Das
Kinderbetreuungsangebot reicht nicht aus,
und die Kommunen haben in der Krise keinen
Spielraum. Es ist auch Sache von
Arbeitgebern und Arbeitnehmern, das so zu
organisieren, dass Familie und Beruf
vereinbar sind." Weise empfahl Arbeitgebern,
in Bewerbungen nicht nur auf zertifizierte
Abschlüsse, sondern auch auf praktische
Erfahrung zu schauen. Ferner sei die Lage
auf dem Arbeitsmarkt nicht so positiv, wie
Arbeitsminister Brüderle und Seehofer sie
darstellten. Von Vollbeschäftigung könne
noch nicht die Rede sein. "Die Lage ist
besser als befürchtet, aber noch unsicher.
Der Aussage, die Krise sei vorbei, würde ich
eindeutig widersprechen", sagte er.
Und
wo er Recht hat, hat er Recht, dieser
Weise ...
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Die Reichen sollen für "Raubzüge"
zahlen
Weltweit sind die Finanzvermögen noch immer
aufgebläht - nach McKinsey weit über 200
Billionen US-Dollar - und werden auch in
Zukunft für Krisen sorgen. Nicht nur in
Irland, Griechenland und Zypern oder in den
anderen südeuropäischen Staaten. Auch in
Deutschland herrscht entgegen politischer
Behauptungen Massenarbeitslosigkeit, eine
zunehmende Aufspaltung der Gesellschaft in
Arm und Reich und eine öffentliche Armut
durch Staatsverschuldung. Auf Zypern kam es
jetzt zum ersten Mal zum "Tabubruch". Die
wirklich Vermögenden müssen endlich für die
Krise, für ihre „Raubzüge“ in der
Vergangenheit zahlen und die öffentlichen
Haushalte entlasten. Es ginge aber nur um
das große Geld: Über eine einmalige Vermögensabgabe
zur akuten Krisenbekämpfung, zum Abbau der
Staatsverschuldungen, und zur
Zukunftsvorsorge, jeweils in den einzelnen
EU-Ländern. In Deutschland würde eine
Vermögensabgabe von 20 Prozent, verteilt
über zehn Jahre, ausreichen. Das brächte 300
Milliarden Euro für die öffentlichen Kassen.
Vermögende mit persönlichem Freibetrag von
einer Million, pro Kind von 250.000 Euro,
Unternehmen ab zwei Millionen
Betriebsvermögen sind in die
gesellschaftliche Verantwortung zu nehmen.
Gastbeitrag
Heinz J. Bontrup in der FR
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